Mailand: Ist das noch Italien?

.. ist die Freiheit grenzenlos.
Über den Wolken…

Die Ernüchterung bezüglich Mailand und der Expo (unser eigentlicher Grund für die Anreise) begann relativ harmlos. Ich glaube, es wird immer so sein, dass ich im Flugzeug am Fenster sitzen möchte (gut, es sei denn es ist Langstrecke in der Economy, da ist Fenster mit zwei Nebensitzern ätzend). Das war jetzt in 2015 mein 11. Flug und Ende diesen Jahres kommt noch einer. Klar, da fragt man sich schon manchmal ob das jetzt reicht oder nicht oder zu viel ist oder sowas, aber Tatsache ist, dass es einfach unglaublich wunderschön ist, jedes Mal neu festzustellen, dass die Sonne niemals weg ist, sondern immer da ist – eben über den Wolken.

Über den Wolken...
…ist die Freiheit wirklich grenzenlos

Für mich hat das was ungemein Tröstliches und selbstverständlich auch Faszinierendes weil die Kulisse nie gleich aussieht. Gut, man hat verschiedene Länder oder Städte unter sich (meine persönlichen Highlights: Istanbul bei Nacht, die Landschaft Englands mit den abgegrenzten Feldern und Mäuerchen sowie das Eis von Grönland), aber trotzdem steht die Sonne immer anders, die Wolken haben doch immer eine andere Form und im Endeffekt entgeht dem aufmerksamen Beobachter nicht, dass auch hier Entwicklungen stattfinden. Aber genug der Philosophie (und den Klassiker „über den Wolken will ich hier auch nur indirekt in der Bildunterschrift bemühen…).

Auch wenn mich meine Lieblingsairline auf Kurstrecken regelmäßig enttäuscht, dieses Mal in Form des Snacks, der aus einem Jogurt und 2 seltsam schmeckenden Keksen bestand, bietet sie oft immer noch die besten Preise ab Frankfurt. Jo, also wieder auf mit dem Kranich und ab nach Italien. So der Plan. Von Italien hatte ich bisher nur Florenz gesehen und wahrscheinlich müsste ich hier einen eigenen Eintrag über die Schönheit dieser Stadt schreiben, aber ich war komplett begeistert und hatte zumindest eine gewisse Ähnlichkeit auch in Mailand erwartet.

Böser Fehler.

So in etwa.. dachte ich.
So in etwa.. dachte ich.

Nett: Dom, Einkaufsstraße von dort aus und außerdem zwei, drei Luxuseinkaufsstraßen, die wir dann entdeckt haben – die sahen dann auch wirklich mal aus, wie beispielsweise in Florenz die meisten Straßen aussehen. Süß, klein, verwinkelt, „typisch italienisch“ eben (oder nun doch eben NICHT!). Nun gut, das war wohl um die Ecke vom Four Seasons, haben wir aber erst später gesehen. Aber der Reihe nach.

Il Duomo
Il Duomo

Der Dom war zugegeben echt ganz chic, auch wenn die doch sehr aufdringlichen Armbandverkäufer sich teilweise zu viert auf uns gestürzt haben mit den Worten „Hakuna Matata – it is for free“. Glücklicherweise waren wir schnell genug und sind ihnen entkommen.

Wenn man aber dann mal um den Dom herumgeht, sieht man die wahren Ausmaße der Globalisierung und den gesättigten Märkten. Oder so ähnlich jedenfalls. Möglicherweise ist es mir einfach entgangen, ich habe nicht darauf geachtet oder schon wieder vergessen, aber meines Wissens nach hing beispielweise am Westminster Abbey kein überdimensioniertes Werbebanner für irgendwelche Schuhe oder Ähnlichem. Hier halt schon.

Ja, wir nutzen jede Werbefläche. MfG Turkish SHOES.
Ja, wir nutzen jede Werbefläche. MfG Turkish SHOES.

Auch wenn der nette junge Mann auf dem Plakat nicht unbedingt unesthetisch wirkt, so ist das doch – meiner bescheidenen Meinung nach – dezent fehl am Platz. Aber vielleicht bin ich zu konservativ. Eine vergleichbare Situation hatte ich zuletzt in Nottingham, UK, 2010 erlebt – da haben wir in einer zu einem Pub umgebauten Kirche mit einem Pitcher Margarita vorgeglüht, um dann feiern zu gehen. Nun gut: Andere Länder, andere Sitten.

Duomo Shop. Gibt es hier Turkish SHOES?
Duomo Shop. Gibt es hier Turkish SHOES?

Aber es geht natürlich noch weiter. Welcher Dom hat auch heutzutage keinen gut sortierten Fanshop direkt nebenan? Man hat ja mit der Zeit zu gehen, und selbstverständlich nehmen die auch Kreditkarten. Da ist man in Hong Kong in einem Kloster womöglich überrascht, dass man zwar keine Fotos machen darf, der Shop aber in fünf Sprachen darauf hinweist, dass Visa und Mastercard gern gesehene Plastikteile sind.

Koreanisch-italienische Freundschaft.
Koreanisch-italienische Freundschaft.

Ja und dann ist da noch unser Freund Samsung. Mein Italienisch ist zwar leicht eingerostet (ich habe mich auf Grazie und Prego während des Aufenthaltes beschränkt), aber trotzdem konnte ich mir einigermaßen zusammenreimen, dass hier ganz offensichtlich ein koreanisches Unternehmen den Aufbau einer italienischen Kathedrale unterstützt. Jetzt würde mich doch mal interessieren, ob das in Florenz, Rom oder wo auch immer ähnlich ist und wenn ja, gäbe es da in Deutschland ja auch einige Kirchen zu restaurieren. Ob die wohl auch Umbauten von finanziell eher schwach aufgestellten Kirchen in Bars vornehmen? (Der gemeine Koreaner gilt als recht trinkfest, sollte ihnen also womöglich entgegenkommen).

Aussicht
Aussicht

Aber genug der Kirchen-Blasphemie (ich muss unbedingt nach Rom, um hier entsprechend schreiben zu können…obwohl, besser nicht). Unser Hotel war ganz süß und unerwartet sauber. Die Aussicht vom Mini-Balkon hat mich dann doch wieder versöhnt, da hatte ich mein „typisch Klischee-italienisch“ dann zurück. Das Hotel „Nuovo Marghera“ in der Via Marghera war ein paar Metrostationen außerhalb, aber dafür recht preisgünstig.Und die Toilette war auch eine spannende Angelegenheit: Es gab im Frühstücksraum zwei davon, eine für Damen und eine für Herren. Soweit nichts Ungewöhnliches, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass die Behindertentoilette in der Herrentoilette integriert war.

No offense!
No offense!

Zufälligerweise (nein, natürlich nicht zufällig!) lag das Hotel etwa 30 Sekunden Fußweg von einer Metrostation entfernt. Diese haben in Mailand wirklich spannende Namen, denn von „Uruguay“ bis „Wagner“ war echt alles dabei!

Der Wagner ohne Richard (okay, der war schlecht...)
Der Wagner ohne Richard (okay, der war schlecht…)
Sechseinhalb. Einfach sechseinhalb.
Sechseinhalb. Einfach sechseinhalb.

Dafür allerdings nehmen es die Italiener doch mit der Zeit genauer, als so manches Voruteil vermuten lässt. Natürlich auch wieder die Vermutung, dass das meine eigene verzerrte Wahrnehmung ausmachen könnte, allerdings habe ich noch in keiner größeren Stadt gesehen (noch nicht mal in Asien!), dass die Warteminuten in der Metro so detailliert angegeben werden. Siehe Bild.

Vorspeise
Vorspeise (das Brot kam dann, als wir fast alles gegessen hatten…)

Bevor ich auf die Expo eingehe, noch ein Schwenker zu einem essentiellen italienischen Tatsache: Das unglaublich leckere Essen. Wie es der Zufall wollte (und dieses Mal war es wirklich ein Zufall!), lag direkt neben unserem Hotel eine typisch italienische Pizzastube. Das fing schon so an, dass das Restaurant erst um Punkt sieben Uhr aufgeschlossen wurde, und die Schlange, welche sich davor gebildet hatte, bis zu diesem Zeitpunkt eiskalt ignoriert wurde. Man sprach natürlich italienisch dort und die Kellner zeigten wenig Begeisterung davon, hier abzuweichen.

Pizza soloNachdem ich in London lernen durfte, was Sprachbarrieren sind, war die Kommunikation im Vergleich doch recht einfach. Die vielen Einheimischen, die beim Verlassen des Restaurants über die Wartezeit mit einem Glas Sekt aufs Haus hinweggetröstet wurden, hatten uns noch zusätzlich bestätigt, dass die Wahl dieses Lokals goldrichtig gewesen war. Abgesehen davon war es wirklich sehr sehr lecker!!

Die Schmankerl am Rand wie das besondere Parkschild oder den Clear Blue Schwangerschaftstest, den es in einer Art Automaten-Apotheke für günstige 40 € (in Worten: vierzig) zu haben gab (leider habe ich versäumt, das abzulichten) möchte ich hier noch erwähnt wissen. Auch, dass die Supermärkte dort noch ein wenig anders organisiert sind, als in unseren Landen; so nach und nach kann ich die Vorurteile bezüglich der deutschen Effizienz ja nachvollziehen.

Gut, unsere Einkäufe waren eher limitiert auf das Wesentliche.
Gut, unsere Einkäufe waren eher limitiert auf das Wesentliche.

Ob es da welche gibt?

So, nun aber zur Expo. Vielleicht lag es daran, dass wir am Wochenende waren – aber Hauptsache mal Witze darüber gemacht, dass jetzt bestimmt niemand mehr hin gehen will – aber mit solchen Menschenmassen habe ich vielleicht in London’s Rush Hour gerechnet, aber sicherlich nicht zum Ende einer Weltausstellung in Italien. Naja gut, man kann ja auch mal (meilenweit) daneben liegen. Das hätte uns eigentlich schon auf der Fahrt mit der Metro nach RHO Fiera zum entsprechenden Bahnhof auffallen müssen, aber wir machten uns lieber darüber lustig, dass die umsatzorientierten Italiener die Innenstadtzone zwei Stationen vor diesem Bahnhof haben enden lassen, sodass, um dort hinzukommen, ein Aufschlag zu bezahlen war. Gewinnmaximierung vor Simplifizierung. Die ersten Schlangen haben wir dann noch relativ zäh überstanden, denn wir wussten glücklicherweise nicht, was auf uns zukommt.

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Nachdem man dann durch die Sicherheitschecks war, musste man noch einmal etwa 15 Minuten laufen und dann kam man auf den „Hauptgang“, an dem die Expopavillons – einige schön, andere weniger – errichtet waren. Note: Vielleicht lag es auch an dem sehr grauen Himmel, aber irgendwie sah das alles relativ trist und unspektakulär aus. Die Idee, hierher zu fahren, entstand ursprünglich daraus, dass wir beide auf der Expo 2000 in Hannover (ja, lang ist’s her) waren und das beide als echt toll gemacht (landschaftlich u.a.) und spannend (die Pavillons) in Erinnerung hatten. Tja, also landschaftlich war da eher reduziert zu Stein und Plane (bis auf die Außenhüllen der Pavillons) und spannend – dazu komme ich gleich.

„Der Hauptgang“

Ich könnte jetzt zunächst beschreiben, dass uns die Schlangen an den vorderen Pavillons abgeschreckt haben und wir einfach weiter nach hinten gehen wollten, in der Hoffnung, dass es dort weniger sein würde. Auch passt es hier eigentlich darüber zu schreiben, dass Lindt auch einen Pavillon hatte und wir uns dann dort angestellt haben – Wartezeit war nur etwa 30 Minuten. Doch dann müsste ich auch schreiben, dass die Freude schnell verging, denn der Pavillon bestand gerade mal aus ein paar Bildern von Kakaobohnen, dem Prozess der Schokoverarbeitung und natürlich einem riesigen Shop (mit selbstverständlich deutlich höheren Preisen als in Deutschland).

Nein, ich möchte nicht mit Worten langweilen sondern das Erlebnis mit einem einzigen Bild zusammenfassen:

... die Stunde hat sechzig Minuten, oder? Also 240 durch 60... ehhh.. 4 - stimmt das? Kann das wirklich sein?!?!?
… die Stunde hat sechzig Minuten, oder? Also 240 durch 60… ehhh.. 4 – stimmt das? Kann das wirklich sein?!?!?

Ja, es konnte. Nicht, dass wir das ausprobiert hätten (um Gottes Willen!!), aber wer jetzt denkt dass die ecuadorische Ausstellung einfach nur besonders nachgefragt war, hat sich geschnitten (genau wie wir…). Von den Länderpavillons war nichts in unter drei Stunden zu haben und das hat uns jetzt eher peripher motiviert. Selbst für die Essensbuden musste man 30-45 Minuten anstehen. Gut, man kann nicht immer Glück haben. Also noch schnell auf den deutschen Pavillon drauf (das ging zum Glück ohne längere Wartezeiten) und hier noch ein paar Impressionen festgehalten. Das war auch mein eigentlicher Grund, die Ausstellung zu besuchen, denn diese „Bäume“ auf den Fotos sind sog. Solarbäume mit organischen Photovoltaikmodulen, die in dem Business Field entwickelt wurden, in dem ich auch arbeite. Quasi das Projekt der Kollegen erstmals auf großer Bühne. Die kann man drucken, sind daher super flexibel, erzeugen auch Energie wenn bewölkt und sind auf für die Indoor-Anwendung geeignet. Genug der Werbung, lassen wir Bilder sprechen.

Die Module. Bei dem Wetter sicherlich sinnvoll, dass die auch ohne direkte Sonneneinstrahlung funktionieren.
Die Module. Bei dem Wetter sicherlich sinnvoll, dass die auch ohne direkte Sonneneinstrahlung funktionieren.

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Eigentlich ganz cool waren die Infotafeln über die einzelnen Bundesländer (siehe linkes Bild mit den blauen Schildern). Ich mag es echt gerne, zu lesen, wie Deutschland, seine Bewohner und Eigenheiten gegenüber anderen Ländern dargestellt und gesehen werden, daher konnte ich es nicht lassen, einige Infos festzuhalten und hier hochzuladen. Die Interpretation überlasse ich euch, möchte hier nicht noch weiter polarisieren als ohnehin schon (Bilder werden groß beim Klick darauf).

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Nachdem Lindt – Pavillon und dem Aufgang zu den Solarbäumen haben wir dann den Expobesuch beendet – man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist!!

Die restlichen Stunden in der Stadt verflogen relativ schnell. Ich möchte an der Stellte noch den Disney-Store erwähnen, der nun ja neuerdings auch Star Wars führt. Trotz der Kommerzfaktors macht es immer wieder Spaß, einen zu besuchen.

Auswahl
Auswahl
Bei dem wäre ich fast schwach geworden.
Bei dem wäre ich fast schwach geworden.

IMG_7430Außerdem gibt es hier „die etwas andere Ampel“, die uns zufällig im Weg gestanden hat. Habe ich auch noch nirgends sonst gesehen, aber gar keine so schlechte Idee;  Farbe rot war ganz normal.

IMG_7454Und auch hier gibt es Preise, die jenseits von gut und böse sind. Wir haben natürlich vorher auf die Karte geschaut, wussten das auch aber wollten das zumindest einmal machen – außerdem gab es akuten Toilettenmangel (due to a lack of Starbucks in the whole city). #mangönntsichjasonstnix #hashtagssindjasooooocool.NICHT

IMG_7455Netterweise konnten wir die letzten Stunden vor dem Abflug noch bei gutem Wetter im Park verbringen, auf einer Bank in der Sonne, bevor es ab in die Kälte ging. Das ist natürlich der große Vorteil des Südens – aber man kann ja nicht alles haben, hat mal irgendwer gesagt.

IMG_7457Zu guter Letzt noch ein paar Kuriositäten vom Flughafen. Da ist zum einen der günstige Trüffel für nur 69 € pro 2,5 g, von denen schon einige verkauft waren (oder es zumindest so aussehen sollte). Aber Hauptsache mal ein Schnäppchen im Duty Free gemacht.

IMG_7459Und darüber muss ich glaube ich auch nicht so viel sagen; kann mir aber gut vorstellen, dass sowas nur in Italien wirklich ein Standardprodukt ist, was mal eben am Flughafen erworben werden kann. Nunja, scheint sich ja zu lohnen, sonst würde es nicht hängen. Und man hat durch den Kauf den riesigen Vorteil von vollen 16 statt nur 12 popelige Monaten. Wenn das mal kein schlagendes Kaufargument ist.

IMG_7482Manchmal gibt es Produkte oder deren Variationen, die in Deutschland nicht unbedingt erhältlich sind. Abgesehen von KitKat Oreo, die mir in NZ im Supermarkt über den Weg spaziert ist, fand ich das Kinder Bueno White, was es in Italien an jeder Ecke gab, auch besonders gelungen. Natürlich haben wir direkt einen Import-Export davon gegründet. Völlig unverständlich für mich wird aber immer bleiben, wieso das teilweise so restriktiv gehandhabt wird. Da entgeht den Konsumgüterunternehmen meiner Meinung nach einiges an Umsatz.

IMG_7465Zum Schluss noch eine kleine Inspiration für meine nächsten Reisen: Das Streckennetz von Lufthansa. Okay, Asien ist irgendwie abgeschnitten, aber ich möchte darauf hinweisen, dass das keine Absicht war, weil mich das auch sehr interessiert und viel realistischer im Budget liegt. Da möchte ich dann doch noch das Zitat von Susan Sontag bemühen:

„I have not been everywhere, but it’s on my list.“

Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit!

London. Oder: Die Hauptstadt eines königlichen Entwicklungslandes

Schon die Überschrift dieses Beitrages wird einige Leser zum Stolpern bringen: England – ein Entwicklungsland?!

Oh ja.

Jedenfalls aus meiner eingeschränkten deutschen Sichtweise. Und ich hoffe, im Verlauf des Beitrages kann das auch ein wenig nachvollzogen werden.

Das soll nicht heißen, dass ich England bzw. London in irgendeiner Art und Weise abwerten will. Im Gegenteil. Das Land, die Kultur, der Akzent (!!!), die wahnsinnig laute, pulsierende, lebhafte Hauptstadt – das ist der Wahnsinn. Und irgendwie können sich die Briten leisten, was sie wollen, weil hey, sie sind Briten! Und das war nicht das erste, aber sicherlich auch nicht das letzte Mal, dass ich dort war.

Eigentlich hatte ich diesen Trip mit einer Kollegin / guten Freundin als Bildungsurlaub inklusive Englischkurs geplant, und das schon im November 2015 (Reisezeit war September 2015). Aber ich bin sowieso der Lang-im-Voraus-Planer (sonst kann man sich ja gar nicht auf den Trip freuen, wenn man Last-Minute bucht) und bspw. Flüge sind dann deutlich günstiger. Nunja. Ende Mai kam dann die Nachricht, dass meine Reisepartnerin aus beruflichen Gründen leider verhindert war. Zu der Zeit weilte ich gerade im Urlaub (Istanbul, siehe Beitrag weiter unten) und spontan sprang eine andere Freundin ein – lediglich mit der Info, welchen Ort und Zeitraum dies betraf und dass es um einen Englischkurs ging. Über diese Spontanität staune ich noch heute und kann nur den Hut davor ziehen. Dahat meine Person wirklich noch Lernpotential.

So sind wir nach diversen Um-/Zubuchungen am 04.09.2015 nach London Heathrow aufgebrochen. Nach dem irritierend kurzen Flug mit Blick über die Stadt kamen wir schließlich am frühen Abend an. Ich bin doch mittlerweile schon einige Male geflogen, aber (fast) jedes Mal möchte ich am Fenster sitzen, rausschauen, Fotos machen. Jedes Mal ist der Blick einfach unbeschreiblich und für mich trotzdem noch etwas ganz Besonderes. Und auch wenn es immer Wolken, Sonne und Landschaften sind, ist es doch immer anders.

Über den Wolken... lalala
Über den Wolken… lalala
Die Sonne ist IMMER da
Die Sonne ist IMMER da
London View 1 - Tower Bridge
London View 1 – Tower Bridge
London View 1 - London Eye
London View 2 – London Eye

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Quartier bei der Gastfamilie hatten wir erst ab Sonntag gebucht und deshalb noch 2 Nächte im Hostel in Bloomsbury verbracht. Das war für die Verhältnisse der teuersten Stadt der Welt (geht man nach Immobilienpreisen, ist London teurer als NYC) recht günstig und war daher eher so Richtung Backpacker, was aber echt cool war. Nur auf den Luxus eines eigenen Doppelzimmers wollten wir nicht verzichten. Wir wurden nicht enttäuscht und ich kann das Generator Hostel London nur weiterempfehlen, auch Lage absolut top, nette Nachbarschaft und gute Underground Anbindung. Wer allerdings upper standards bevorzugt, sollte weitersuchen; das ist eher basic, aber sehr sauber.

Unser Zimmer 1
Unser Zimmer 1

 

 

 

 

 

 

Unser Zimmer 2
Unser Zimmer 2

 

 

 

 

 

 

 

 

Und los gingen die Erkundungstouren. Ich will hier jetzt nicht alle unsere Wege beschreiben, sondern mich auf die absoluten Highlights beschränken, die mir auch am besten in Erinnerung geblieben sind. Schließlich ist auch die Zeit, das hier zu lesen, kostbar und soll nicht verschwendet werden, deshalb komme ich mal direkt auf den Punkt:

Wir fanden es sinnvoll, uns erst einmal einen Überblick zu verschaffen sowie die nahe Gegend zu erkunden. Ich glaube, ich habe mehrere hundert Bilder einfach nur in den Straßen gemacht, da ich die Atmosphäre, Bauweise und Trubel schon lieb gewonnen habe. Nur hätte es für Anfang September etwas wärmer sein können, aber ich will mich ja nicht beschweren. Die Erkältung, die ich dann statt der Beschwerde hatte, war allerdings überflüssig. Trotzdem sei an dieser Stelle erwähnt, dass Pain Killers, also Schmerztabletten, äußerst günstig zu haben sind. Man zahlt für Paracetamol oder Ibuprofen 35 pence, also etwa 50 Cent. Dafür sind leider die Halsschmerztabletten recht teuer. Doch genug der Flennerei.

Man ist in London und wo geht man hin? Klar, ab zur Tower Bridge! Daran konnte auch der Regen nichts ändern, der uns ab und zu ärgern wollte. Nach einem behelfsmäßigen Supermarkt-Frühstück mit einem Sandwich bestehend aus ungetoastetem Toast und Mayo (da hatten wir die Sticker mit „no mayo“ noch nicht gesehen und konnten daher nicht damit arbeiten), haben wir uns vor dem immer stärkeren Regen dann in einem kuscheligen Café Nero (gibt es in London an JEDER Ecke) in Sicherheit gebracht und ich habe meine erste heiße Schokolade mit Marshmellows obendrauf getrunken. Nun, lange Rede, kurzer Sinn – wir haben es dann doch noch zur Tower Bridge geschafft, wie man sieht.

 

 

 

YUMMY
YUMMY

 

Zu vielen Wolken
Zu viele Wolken

 

 

 

 

 

 

 

221 B Baker Street
221 B Baker Street

 

Naja. Dann – es regnete immer noch – haben wir uns nach einem kurzen Abstecher ins Tate Modern Richtung 221 B Baker Street aufgemacht. Pflichtprogramm in London. Die Straße ist allerdings nicht schön, und wer erwartet, DIE Straße aus der Serie zu sehen, wird enttäuscht werden (siehe Bild links). Außerdem ist die Straße recht breit, also wahrscheinlich ungeeignet als Drehort.

Sherlock-Drehort
Sherlock-Drehort

Geht man aber ein paar Meter weiter zur North Gower Street, wird man als Fan der Serie Sherlock das finden, was man gesucht hat. Auch wenn es doch recht unspäktakulär ist und in der Serie irgendwie keine geparkten Autos vor den Häusern stehen, hat es mich echt gefreut, das mal in Real Life gesehen zu haben!

 

British?!
British?!

Den Abend haben wir dann typisch britisch ausklingen lassen, zumindest auf den ersten Blick, denn das ist Cider und kein Bier. Trotzdem fanden wir aber, dass der Tee einfach ideal dazu passt und repräsentativ für UK ist. Okay, gut, bei genauem Hinsehen kann man vermutlich erkennen, dass das kein schwarzer Tee mit Milch ist, aber wer den Fehler gefunden hat, darf ihn behalten. Das war also schon ein vielversprechendes Auftakt-Wochenende.

Sonntags nachmittags sind wir dann zu unserer Gastfamilie aufgebrochen, Southbank über Belham (ausgesprochen „Bellm“) nach Streatham Common. War ein Stück in die Stadt zu fahren, aber die Anbindung war recht gut. Ich möchte hier keine Bilder von dem Haus der Familie posten, denke, das wäre nicht angebracht. Sie waren super nett zu uns, haben drei Zimmer an Studenten vermietet und einiges an Erfahrung. Trotzdem muss man sagen, und hier kommen wir wieder auf Entwicklungsland zurück, dass die Bausubstanzen in UK definitiv nicht mit deutschen Standards mithalten können. Darüberhinaus ist das mit Fenster putzen, Küche sauber halten und Dusche reparieren auch so eine Sache. Bezüglich Wäsche haben wir uns dann aus hygienischen Gründen für einen Waschsalon entschieden (Achtung, nicht nach Laundry suchen, sondern nach Laundrette, sonst landet man bei einem Wäscheservice!) Erschwerend kam hinzu, dass die Heizung in unserem Zimmer nicht funktioniert hat, was scheinbar auch volle Absicht war oder unsere Host Family zumindest davon gewusst hat, denn uns wurde direkt am Anfang nahe gelegt, wir könnten die vorhandenen Bettflaschen nutzen, sollte uns kalt sein (btw war nur eine für zwei Personen vorhanden, aber da wir sie eh nicht genutzt hätten war das auch egal). Das wurde dann teilweise etwas kalt, bei gefühlten 10 Grad Außentemperatur kann man so eine Wärmequelle schon mal brauchen. Nunja. Frühstück war „continental“, also weißes Toast mit Salzbutter, Marmelade und Tee. Immerhin gab es einen Toaster und Geschirr und auch die Möglichkeit, dies vor Benutzung nochmal abzuspülen (darauf möchte ich jetzt nicht genauer eingehen). Auch unsere chinesische Kollegin, die kein Wort Englisch konnte, und in einem der anderen Zimmer wohnte, war nicht so begeistert davon; aber wir haben uns tapfer durchgekämpft. Klar, dass bei der Kälte mein Schnupfen nicht unbedingt besser wurde, aber wie sagt man so schön? „Reisen ist nur im Rückblick eine glamouröse Angelegenheit“ (Paul Theroux).

Big Ben im Abendlicht
Big Ben im Abendlicht

Wir haben aber dann an anderen Tagen auch wieder besseres Wetter erwischt, sodass wir nach dem Unterricht (Morning Class + Afternoon Class Business English + Einzelunterricht) dann auch noch Zeit hatten, uns die Stadt anzusehen. Ich werde hier nur eine kleine Auswahl an Bildern posten, denn ich denke, die Sehenswürdigkeiten Londons sind hinreichend bekannt.

Sonne auf der Tower Bridge
Sonne auf der Tower Bridge
Sonnenuntergang am Palace
Sonnenuntergang am Palace

 

Piccadilly Circus am Abend 2
Piccadilly Circus am Abend

So viel Sonne.. aber natürlich lohnt sich London auch abends bzw. wenn es dunkel wird. Und man ganz arglos durch die Stadt läuft und dann denkt, komisch, da leuchtet ja was total hell – was ist das nur?

 

 

Piccadilly Circus am Abend 1
Piccadilly Circus am Abend

Werbung gibt es bekanntlich ja in verschiedenen Formen. Und manchmal macht sie in London auch echt Spaß. Auch wenn es das TDK Werbeschild nicht mehr gibt (einfach mal googeln, dann wird klar, was ich meine), sorgt zB Coca Cola für auffällige animierte Werbung. Was würden wir nur ohne sie tun, ohne die Konsumgüterunternehmen?

Das nächste Highlight gab es am ersten Freitagabend. Wir hatten Karten für ein Theaterstück im Barbican (großer Theater in einem von Londons hässlichsten Vierteln). Auf dem Programm stand Hamlet von keinem geringerem als Sir William Shakespeare, denn natürlich MUSS man ein Stück von ihm sehen, wenn man schon in London verweilt. Es begab sich nun rein zufällig (natürlich war das keine Absicht…neeeein), dass Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle als Prinz Hamlet zu sehen war. Und da wir uns ja schon die North Gower Street bzw. Baker Street angeschaut hatten, war es eigentlich nur logisch, dass ein solches Stück auch zum Programm gehört. Meine Güte, das war wirklich Schauspielkunst 3 Stunden lang auf dem allerhöchsten Niveau! Mir war nicht bewusst, dass der Hauptdarsteller selbst auch richtig gut Theater spielen kann. Ich war vor ein paar Jahren zwar schon mal in Stratford-Upon-Avon in einem Stück (Richard III) der Royal Shakespeare Company gewesen und dachte daher, dass das Niveau nicht mehr zu toppen ist – aber dieses Stück hier kam verdammt nah ran. Von den Aufwänden her mit Bühnenbild, Kostümen, Effekten her war er das Geld auf jeden Fall wert. Und natürlich Sherlock…ehm, Benedict Cumberbatch live ist ein toller Erlebnis (Übrigens ist er relativ klein, um die 1,80 und superschmal. Er wirkt echt nur so groß in der Serie, weil Martin Freeman so klein ist.) Am Ende gab es dann noch eine nette Aufforderung an David Cameron, mehr Flüchtlinge nach UK aufzunehmen. Wirklich super Erlebnis.

IMG_6668Das Hotel um die Ecke, wo wir uns eigens für das Theater eingemietet haben, war nett (vor allem das Frühstück mit englischen Bohnen, Bacon und so..), hatte aber ein paar ingenieurstechnische Rätsel zu bieten. Gut, ein solches Waschbecken habe ich in UK schon öfter gesehen – aber kann mir bitte mal einer sagen, was der Sinn dahinter ist??? IMG_6670Komisch ging es dann auch weiter, es gab nämlich einen Haken auf dem Boden vor der Heizung, auf dem gut lesbar angebracht war, dass man ihn bitte nicht benutzen soll. Ach ja, über der Heizung war das Fenster. Jemand einen Tipp? Hier ist übrigens auch wieder etwas typisches für dieses Land zu sehen: Teppichboden. Auch in dem Theater und in den Musicaltheatern ist ÜBERALL Teppichboden verlegt; die Folge ist, dass es halt echt nach Käsefüßen riecht. Rule Britannia.

DSC00301Am nächsten Morgen haben wir die Gunst der Stunde genutzt, dass wir direkt in der Innenstadt waren, und haben erst mal Wäsche gewaschen; was ja wie oben beschrieben der Host Family nicht unbedingt empfehlenswert schien. Also sind wir zur Laundrette, was überraschend angenehm war, nachdem wir genug Kleingeld zusammen hatten – denn die Briten sind offensichtlich der Meinung, das Geldwechselautomaten vor Ort nicht nötig sind. Immerhin konnte man Waschmittel direkt vor Ort käuflich erwerben, was uns die ganze Angelegenheit defintiv leichter gemacht hat.

Da geht mehr rein, als man glaubt!
Da geht mehr rein, als man glaubt!

Needless to say, dass der Raum von etwa vier Kameras überwacht wurde (we are watching you on CCTV). Dafür war es super sauber und aufgeräumt, sogar ein Tisch zum Wäsche zusammen legen und Wäschekörbe gab es. Wir konnten uns dabei dann auch mal ganz nett ausruhen, während das Beobachten der Waschtrommel eine sehr beruhigende Wirkung hatte.

 

 

 

Los geht's!
Los geht’s!

Ab zum nächsten Highlight: Coca Cola’s London Eye. Wir haben uns im Rahmen eines Geburtstagsgeschenkes für meine Begleiterin für die Chocolat Tasting Experience entschieden, wobei man da zwei Runden mit dem Teil fährt, nebenbei noch 2-3 Gläser Sekt trinkt und verschiedene Schokolade probiert. Zu guter Letzt (oder zuerst, weil wir die Tüte am Anfang bekommen haben), erhält jeder Teilnehmer noch eine Goodie Bag

hoch hinaus
hoch hinaus

mit einer ordentlichen Pralinenauswahl. Das Ganze fand sonntags gegen 14 Uhr statt und wir haben es nicht für nötig befunden, nach unserem continental breakfast in der Gastfamilie noch etwas zu Mittag zu essen. Daher besaß der inkludierte Sekt wirklich ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis; glücklicherweise haben wir auf den ersten Cocktail in der Sektbar verzichtet (gut, der hätte auch nochmal 10 Pfund extra gekostet). Weise Entscheidung. Schokoladensorten gab es von dunkel über 99% Kakao bis hin zu Chili, Vollmilch, Weiße und Erdbeer. War wirklich ganz nach meinem Geschmack und mit der Aussicht natürlich genial.

Schoki <3
Schoki ❤
Der Chocolat-Tasting-Tree
Der Chocolat-Tasting-Tree

 

 

 

 

 

Ach und selbstverständlich ist die Aussicht aus dem 135 Meter hohen Riesenrad auch nicht zu vernachlässigen. Man hatte zwar immer die Glasscheibe dazwischen, aber scheinbar wird die regelmäßig gereinigt, sonst hätte es alle Fotos gnadenlos verhagelt. Dabei fällt mir doch wieder extrem auf, wie dreckig die Themse wirkt / ist.

Gut, an dem Wetter könnte man mal wieder arbeiten
Gut, an dem Wetter könnte man mal wieder arbeiten
Yehaaa
Yehaaa

 

 

Schoki + Aussicht = Perfekt
Schoki + Aussicht = Perfekt

Und da ich ja jetzt schon mit den Sherlock-Drehorten angefangen habe, wollte ich das natürlich auch fortsetzen. Paparazzi pur. Naja, zumindest was die Drehorte betrifft. Fans der Serie erkennen das (hoffentlich!) wieder, dem Rest sei gesagt, es ist ein Krankenhaus und immerhin das echte New Scotland Yard.

St. Barts: Das gibt es echt!
St. Barts: Das gibt es echt!
New Scotland Yard. Echt.
New Scotland Yard. Echt.
Gemalte Fenster und Tür
Gemalte Fenster und Tür

Und dann ist da noch Leinster Gardens: Ein wunderschönes Wohnviertel nördlich des Hyde Parks. Hier sind fast nur Oberklassewagen geparkt und durch die Lage so nah am Park ist das sicherlich nicht für jeden erschwinglich. War aber sehr angenehm, dort spazieren zu gehen. Wer genau hinschaut, sieht, dass die Fenster in der Mitte grau sind (hinter den Bäumen) – sie sind gemalt. Es steht kein echtes Haus dort, sondern nur eine Fassade. Grund war, dass man den Platz dahinter für den Personennahverkehr benötigt hatte.

London local burger
London local burger

Und da man sich ja sonst nichts gönnt, sind wir dann ins Hard Rock Café essen gegangen, weil das ist ja schon immer ein Erlebnis. Leider steht die Währung ja etwas ungünstig, sodass es wirklich keine günstige Angelegenheit war – dafür aber sehr sehr lecker! Der local Burger war inklusive in Bier gekochter Zwiebel, was erst mal seltsam klingt, aber im Endeffekt richtig lecker ist – kann ich wärmstens empfehlen.

Cocktails gehen immer!
Cocktails gehen immer!
London-Style
London-Style

Auch die dazu bestellten Cockails waren gut, und wir ein paar Pfund extra bekamen wir die doppelte Menge und durften uns dann im Hard Rock Shop zwei Hurricanegläser abholen. Wie schon gesagt, man gönnt sich ja sonst nix, daher gab es für mich gleich noch ein Hard Rock Shirt obendrauf. Ich sollte mal eine Liste schreiben, wie viele ich von wo habe…

Meggesbestellung auf mordern
Meggesbestellung auf mordern

Ansonsten möchte ich noch erwähnen, dass man in einem Megges über einen Bestellautomat ordern kann. Man hat das komplette Angebot sehr übersichtlich inklusive Preise vor einem und zahlt dann mit Kreditkarte. Daraufhin bekommt man einen Beleg und kann dann sein Essen ganz bequem am Pick-Up Schalter abholen. Echt sehr angenehm, könnte man ruhig flächendeckend anbieten. Gut, an dieser Stelle doch nicht ganz entwicklungsländisch aufgestellt. Dafür gibt es fast überall nur einfach verglaste Fenster :-p

 

<3

Kurz wollte ich noch erwähnen, dass in der National Gallery unter anderem mein absolutes Lieblingsbild hängt – der Seerosenteich von Claude Monet. Das dürfte auch das einzige Foto gewesen sein, dass ich in Londons Museen gemacht habe. Aber natürlich möchte ich euch das nicht vorenthalten.

 

Was auch wirklich bemerkenswert in der Stadt ist, dass alles so grün ist. Überall Parks, Wiesen, Bäume und Blumen, äußerst liebevoll und aufwändig gestaltet. Auch außerhalb der größeren Parks wie Hyde Park, Regent’s Park, Green Park und St. Jamess‘ Park gibt es ganz viele grüne Ecken, die unvermittelt vor einem auftauchen.

London kann dann doch Sommer.
London kann dann doch Sommer.

Ich würde sagen, das ist ganz typisch für das Commonwealth, weil ich in Sydney, Hong Kong und Christchurch das genauso erlebt habe. Also damit kennen sie sich wirklich aus. Im Endeffekt hat dann das Wetter auch noch am letzten Tag super schön mitgespielt, sodass wir uns auf der Wiese im Hyde Park zum Mittagessen und zu einem Schläfchen niedergelassen haben.

Reiterampel
Reiterampel

Hier gibt es auch überall Reitwege, und man hat sogar an Wege von Park zu Park gedacht. Da die Pferde da teilweise über die Straßen müssen gibt es – ja genau – Reiterampeln in passender Höhe. Leider habe ich kein Reiter mit Pferd dort stehen sehen, aber prinzipiell liebe ich die Briten für eine solche Idee! Deshalb an dieser Stelle: ein ernst gemeintes „RULE BRITANNIA!“

 

 

 

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Zu guter letzt möchte ich noch erwähnen, dass einer der für mich besten Momente völlig kostenlos war: Evensong in Westminster Abbey. Eigentlich zahlt man für die Besichtigung der Kirche stolze 16 Pfund; besucht man allerdings einen frei zugänglichen Gottesdienst, darf man umsonst rein. Das war eigentlich die Hauptmotivation, einen solchen zu besuchen, aber meine Erwartungen wurden völlig übertroffen. Zum einen gab es da einen extra Chor, zum anderen war es relativ kurzweilig (etwa 45 Minuten). Ich habe fast alles verstanden (okay, es gab gedruckte Programme mit Texten und Liedern dazu) und es war in dieser Kulisse einfach unheimlich ergreifend. Soooo empfehlenswert! Nur darf man keine Fotos von Innen machen, deshalb an dieser Stelle lediglich ein Foto von draußen.

never alone
never alone

Tja, soweit der Bericht aus London. Mit dem Bericht aus dem Unterricht möchte ich euch nicht langweilen, daher schließe ich hiermit und hoffe, ich konnte einen – zumindest kleinen – Einblick vermitteln. Trotz meiner heftigen Erkältung habe ich den Aufenthalt trotzdem genossen und werde, wie gesagt, sicherlich noch öfter nach UK kommen. Wenn auch nicht gleich wieder nach London, denn die Stadt mit ihren vielen Menschen ist doch recht anstrengend (beispielweise Rush Hour in der Unterground). Außerdem ist man dort niemals alleine, woran man immer wieder erinnert wird. Allerdings ist die Stadt so voller Möglichkeiten, voller Energie und voll von so viel purem Leben, dass einem fast schon schwindlig wird.

You find no man, at all intellectual, who is willing to leave London. No, Sir, when a man is tired of London, he is tired of life; for there is in London all that life can afford.
-Samuel Johnson

 

Cannstatter Wasen 2015 … oder „hey baby“ nachts in der Bahn

Eines schönen Morgens gegen 8:45 versammelt sich eine Truppe von sieben Leuten am Busbahnhof in Darmstadt. Mit dabei: diverse alkoholische Getränke von A wie Asti bis Z wie Klopfer (oder so) und es sei an dieser Stelle erwähnt, dass auch richtiger Sekt dabei war. Natürlich dürfen auch selbstgemachte Fleischkäsebletterteigschnecken (heißen die so?), Lebkuchen, Kinder Pingui und Erfrischungsstäbchen nicht fehlen, auch wenn letztere erst am nächsten Tag zum Einsatz kommen würden. Als ein paar Minuten später Person Nummer acht sowohl mit Kaffee als auch Plastikbechern eintrifft, scheint alles geklärt zu sein und es kann losgehen. Der Bus nach Stuttgart erfreut sich an diesem Tage großer Beliebtheit, es werden mehrere kostümierte Personen gesichtet, die ebenfalls einsteigen.

Morgens, halb 10 in Deutschland: Der erste Sekt wird entkorkt, was erstaunlich gut im Bus funktioniert (mit Wasserflaschen ist da noch etwas Übung notwendig, aber der Sekt läuft bzw. nicht, denn er läuft nicht aus). Das Einschänken beherrschen einige Personen ziemlich gut, andere weniger, trotzdem können mit beherztem Eingreifen sämtliche Sitze und Hosen der Mitfahrer vor dem Schaumwein gerettet werden. Damit war die erste Herausforderung erfolgreich bestanden. Etwa zweidreiviertel Stunden später (Stau Richtung Stuttgart – wer hätte es gedacht?) dann „Landung“ auf dem Busbahnhof, weiter mit dem Bus in die Stadt zum Hauptbahnhof und zur Haltestelle. Das Hotel war dieses Mal nicht ganz fußläufig zu erreichen, was dem Prinzip des Angebotes & Nachfrage geschuldet war: Es zeichnete sich schon im Vorneherein ab, dass die Nachfrage an einem Wochenende größer zu sein schien, als das Angebot. Gültigkeit besaß diese Tatsache sowohl für die Tische im Zelt als auch für das Hotel. Und dann war da noch das Klassenfahrtgefühl, und das in unserem Alter…

Nachdem im Hotel weiter vorgeglüht (ja, wir sind cool!), geschminkt ( 😉 ) und fotografiert wurde, war es dann Zeit, sich gen Wasen aufzumachen. Feststellen möchte ich an dieser Stelle, dass schon hier lustige Fotos entstanden sind, sowohl im Hotel, als auch unterwegs.

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Weder der Andrang, noch die ignoranten Türsteher, die uns trotz der Reservierung nicht reinlassen wollten, konnten uns abschrecken. Insbesondere aus dem Andrang und der langen Wartezeit war es uns möglich, sogar positive Konsequenzen (=Fotos) zu ziehen.

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Nach dem Warten..

Dabei stellte sich heraus, dass die Organisatorin so ein schlechtes Gedächtnis hat, dass sie sich a) nicht mehr daran erinnern konnte, wo genau sie den Tisch gebucht hatte und b) augenscheinlich verdrängt hatte, dass sie sich über den Willen des Kollektives hinweggesetzt und wieder einen Tisch am Rand gebucht hat (was sich dann im Nachhinein aber gar nicht also so falsch heraus gestellt hat.. pühhh). So konnten wir bald unseren Tisch Nummer 912 in Beschlag nehmen, der aber eigentlich Tisch 915 war (oder umgekehrt?), wie klar ersichtlich..

915 vs. 912
915 vs. 912
Wir sind richtig :)
Wir sind richtig 🙂

Nunja, von solchen Wiedrigkeiten lässt sich die mittlerweile auf 10 Personen angewachsene Partygruppe wohl kaum ausbremsen! Schließlich ist man mit Bus, Auto und Flieger angereist, da erwartet man ja auch etwas für sein Geld und die Umstände. Konkret wären das dann wohl 54 Gutscheine mit Wert 9,10 bis 9,30. Tja, man gönnt sich ja sonst nix. Und somit haben wir gleich mit einer Runde Mass Bier / Radler / Cola… gestartet und haben eine Runde Wasen-Essen hinterhergeschoben.

Wasen-Essen.. yummy
Wasen-Essen.. yummy

Die Gutscheine gingen auch überraschend schnell weg, aber gezwungenerweise wird ordentlich Trinkgeld gegeben, da die Bedienungen natürlich erstens kein Rückgeld rausgeben und zweitens die Bestellung auf möglichst viele Einzelbestellungen aufteilen. Okay, dafür trotzdem Respekt, was die an Mass Bier tragen können.

Die Einstimmung, so gegen 18 Uhr
Die Einstimmung, so gegen 18 Uhr

Und dann, was soll ich sagen, ging es doch recht schnell mit Nachschub. Die Fotos wurden lustiger (nix für ungut), die Gutscheine weniger und die Musik besser. Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich nun nicht wirklich daran, was da lief; außer vielleicht Atemlos und .. nein, nur Atemlos. Eigentlich hatte ich ja extra meine Kamera dabei, aber so eine Frontkamera ist halt schon praktisch. Dazu muss man sagen, dass man über das iPhone ja geteilter Meinung sein kann, aber die Fotos sind doch recht ordentlich.

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Damit ging der Abend doch schon recht vergnüglich los. Natürlich ist es nicht unbedingt ratsam, sechs Stunden nur im Zelt rumzusitzen. Daher haben wir uns einfach nach altbewährter Methode aufgeteilt und in zwei Gruppen abwechselnd das Volksfest unsicher gemacht. Hier vermerke ich jedes Mal erstaunt, dass niemand verloren gegangen ist bzw. beide Gruppen immer wieder den Weg zurück zum Zelt und darüberhinaus zum Tisch finden! Ich bin begeistert und stelle fest, dass da dann vielleicht zu wenig Bier im Spiel war…?

IMG_7054Der Ausflug der Gruppe 1 führte über Geisterbahnen, Pommesstände hin zu einem Schnaps-Stand, bei dem erst leckerer Pfirsischlikör genehmigt wurde (bis auf eine Jägermeister-Trinkerin) um dann eigentlich zum vermeintlichen Kirschlikör überzugehen. Leider stellte sich dieser als Kirschwasser heraus (wobei es einfach wie Wodka roch) und wurde promt im Mülleimer entsorgt. Dem Spaß tat dies jedoch selbstverständlich keinen Abbruch, im Gegenteil. Dazu trugen auch die Gläser bzw. Plastiker mit Jägermeisterlogo, was ja bekanntlich nie schaden kann, bei. Über den Jägermeister lässt sich bezüglich des Geschmacks ja bekannterweise diskutieren, während das Logo eigentlich immer was her macht; manche sind davon mehr und andere weniger begeistert. Und nicht zuletzt sind die Weisheiten des Standes – sofern sie denn Interesse des Betrachters auf sich gezogen haben – in Erinnerung geblieben.

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Die Tüte, kurz vor dem Umbau in einen Papierflieger

Nach Pizza und Magenbrot war die Stimmung dann auf einem Höhepunkt angelangt, der sich dadurch zeigte, dass gewisse Tüten kurzerhand in Hüte umgewandelt wurden. Leider ließ diese in der Stabilität zu wünschen übrig, sodass sie als Papierflieger ihr trauriges Ende auf dem Asphalt ihr Ende fand. RIP. So sind eben Schicksale. Immerhin hatten wir mehr Spaß mit der Tüte, als diese je zu hoffen gewagt hatte (okay, das klingt komisch…).

Erfolgreich
Erfolgreich

Aber selbstverständlich hatte auch Gruppe 2 ihren Spaß. Von Suchen & Finden einzelner Gruppenmitglieder über Schießen, Lose ziehen bis hin zu Handys außeinander nehmen und Crêpe essen war für jeden Geschmack etwas dabei. Je nachdem natürlich erfolgreich (Finden des verschollenen Gruppenmitgliedes, Schießen, Lose kaufen) oder aber auch weniger erfolgreich (Handys auseinander bauen). Aber wie alles im Leben kann auch nicht nicht jede Aktion so funktionieren.

Auch erfolgreich, wenn auch der Gesichtsausdruck nicht damit konform geht
Auch erfolgreich, wenn auch der Gesichtsausdruck nicht damit konform geht

Schade nur, dass dieses Mal keine Asiaten nach einem Bild mit original kostümierten und geschminkten Klischee-Deutschen gefragt haben. Hm. Naja gut, da gibt es wohl eine Aufgabe für nächstes Jahr. Luft nach oben schadet schließlich niemals. (Es ist nicht überliefert, was genau der Gewinn bei den Losen war. Allerdings konnte verzeichnet werden, dass ein Stoffpferdechen, welches frappierende Ähnlichkeit mit einem Esel besitzt, im Rahmen des Schießens gewonnen werden konnte. Fürs Protokoll).

Der Weihnachtsmann!
Der Weihnachtsmann!

Nach diesen beiden Ausflügen konnte dann die Party im Zelt weitergehen, nochmal verstärkt durch die interessanten Menschen, die ab und zu an unseren Tisch kamen, um Fotos zu machen. Unter anderem ein Typ mit T-Rex Kostüm oder der Weihnachtsmann höchstpersönlich. Eine rot-weiß karierte Mütze kann ich hier nicht als Kostüm zählen, wobei auch jemand im nicht-flauschigen Kuh-Kostüm beobachtet wurde. Ich würde jetzt nicht sagen, dass der Alkoholkonsum übertrieben worden ist, allerdings sind doch einige Bilder entstanden, die ich hier niemandem vorenthalten möchte.

Das Pferdchen hat einen bequemen Platz gefunden
Das Pferdchen hat einen bequemen Platz gefunden
Auaaa BIERKRUG!
Auaaa BIERKRUG!
p-p-partey!
p-p-partey!

Und weil’s so schön war noch einmal… (war es aber wirklich, möchte ich behaupten). Die Fotos werden zunehmend peinl… öhm, witziger. Dabei nochmal großes Lob an alle, niemand hat wegen der Paparazzi seinen Bodyguard rufen müssen. Ach ja, festgestellt wurde auch, dass bei zunehmendem Alkoholspiegel zumehemende Wahllosigkeit bezüglich Gabeln und Messern für Nachtische herrscht. Ich hoffe, es hatte keiner Herpes :-p

wait for it...

wait for it…

das Pferd landet!
das Pferd landet!

joah. läuft.

mehr BIER bitte!
mehr BIER bitte!
what...?
what…?

So. Die restlichen Bilder gibt es bei Dropbox oder sowas. Ich hoffe, es hat allen Spaß bereitet und der Return on Investment auf die Investition war overall satisfying. Ich finde, der value war klar erkennbar, lessons learned ist möglicherweise, dass der free cash-flow im Zelt noch etwas höher sein könnte, um den möglichst großen Benefit aus den Gutscheinen zu gainen.

Hoffe, diese Investition wird weiterhin mit AAA bewertet und nächstes Jahr von allen Teilnehmenden in Erwägung gezogen und im Businessplan durchgerechnet. Ich möchte zu bedenken geben, dass selbst in der final phase dieses Projektes noch jede Menge Amusement dadurch erzeugt worden ist, „hey baby“ in der Bahn zu singen und der eigenen Schadenfreude Aufwind zu verpassen, in dem man fest stellte, dass es eigentlich echt witzig ist, Bahntüren der Reihe nach aufzudrücken. Oder halt zumindest dabei zuzusehen.

Es war mir eine Ehre, mit Ihnen zu den Wasen reisen zu dürfen.
Bis dahin.