East Side Story

Nachdem ich fünf Wochen (die sich anfühlen wie fünf Monate) schon im schönen Osten der Republik verbracht habe (nein, kein Dauerurlaub sondern ARBEITEN), ist es Zeit für einen Zwischenbericht. Wobei hier zunächst der Begriff „Osten“ zu defnieren ist: Denn eigentlich könnte man auch von dem Norden reden oder zumindest dem Nordosten. Osten muss aber bleiben, denn  bis nach Swinoujscie über Usedom in Polen sind es nur 75 km. Allerdings sind es von meiner WG aus bis zum Meer bloß 6 km, daher vermutlich eher Norden als Osten. Nordosten?!

Navi_goodZumindest ziemlich weit weg. Weil im ersten Moment kann die Anzeige des Navis mit Ziel Greifswald ziemlich abschreckend sein. Aber so ein Roadtrip geht, auch alleine, viel schneller, als man eigentlich annimmt oder wie ich eigentlich angenommen hatte. Und natürlich wird man dann auch prompt mit einer wunderschönen Gegend und wahlweise auch Sonnenuntergängen belohnt, beides direkt um die Ecke von der eigenen Unterkunft.

 

Also ich muss schon sagen, für jemanden aus Südhessen ist das mit dem Wasser eine wirklich nette Sache. Sowohl der Fluss, als auch der Bodden (das ist nämlich kein Meer! – da hat das Landei wieder was gelernt).

 

Ansonsten gibt es auch kulinarisch eine Menge zu entdecken; seien es Dinge, die es in Südhessen auch gibt wie vegetarische Hackfleischbällchen vom LIDL oder eben lokale Spezialitäten wie beispielsweise Cocktails für 2,99 €, ein Lachbrötchen „Lachs im Obstgarten“ mit Lachs, Kirschmarmelade, Apfelscheiben und Salat (wirklich lecker!) oder echten Backfisch (der so gar nicht mit dem der Fastfood Kette Nordsee zu vergleichen ist).

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Und dann ist da natürlich noch die Mentalität der Nordostler. Natürlich darf jeder seine eigene Meinung haben (soll er ja auch!) und ich meine die folgenden Worte keineswegs abwertend, sondern möchte nur berichten, was ich erlebt habe. Leider habe ich bei den Aussagen keine Kamera zur Hand gehabt, denn vermutlich hätte mein Gesichtsausdruck zum allgemeinen Amüsement beigetragen. Aber nun, es muss auch so gehen:

Zitat 1: „Aber wissen Sie, an der Wende war ja auch nicht alles schlecht.“

Das ging so in Richtung „DreiSekundenverarbeiten – Stirnrunzeln – selbstdenkendassmanirgendetwasganzundgarnichtverstandenhat – heimlichschmunzeln – interessiertNicken“. Aber das war wirklich aufrichtig und vollkommen ernst gemeint. Könnte natürlich aber ja auch echt der Fall sein, dass ich einfach was nicht verstehe. Wenn dem so wäre, frage ich mich aber ernsthaft, wo mein Soli die ganze Zeit hingegangen ist.

Für das zweite Zitat brauche ich etwas Kontext, sowie die Warnung, dass scheinbar auch diese Seite hier von der aktuellen Flüchtlingsproblematik nicht verschont bleibt: Gegen Mittag im Büro, Leute der externen Firma kommen herein, die für die Raumpflege zuständig sind. Der junge Mann, um die Mitte zwanzig, hat einen Staubsauger dabei und fragt, ob er jetzt saugen kann. Ich stimme zu und stehe nach einer Weile extra von meinem Platz auf, dass er auch unter dem Schreibtisch sauber machen kann.

Zitat 2: „Bleiben Se‘ ruhig sitzen, eher Se‘ sich versehen, hockt da ein Flüchtling, und den werden Se‘ net mehr so schnell los.“

Äh. Ja. Gut.

Moment. WTF war das denn gerade?! Hier wäre meine Mimik höchstwahrscheinlich spannend gewesen. Nun gut, das lasse ich besser unkommentiert, dazu kann sich vermutlich ein jeder Leser seinen Teil denken.

Um vom Thema abzulenken, hier eine Impression des Marktplatzes bei Abend (lauer Septemberabend damals noch).

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Und wenn es eben doch mal zu viele Wolken am Himmel sind, dann einfach mal einen auf Superfotograf machen und tiefsinnig ablichten bzw. Bewegungen von Tieren. Naja, ansonsten hätte ich ja gar nichts zu erzählen 😉

 

Von Greifswald aus kann man auch nette Abstecher in andere Städte machen. Hierfür eignet sich beispielsweise das Seebad Warnemünde bei Rostock und natürlich auch Rostock selbst. Sind zwar ein paar Kilometer zu fahren, hat sich aber definitiv gelohnt, wie ihr seht. Ich glaube, es gibt sonst selten so breite Ostseestrände.

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Es lohnt sich auch das näher gelegene Lubmin, wenn es um Strand geht. Hier sind gerade mal zwanzig Kilometer zurückzulegen und ZACK ist man an Meer (sogar am richtigen Meer, nicht am Bodden). Von den Windböen in SuperorkanundWellenStärke mal abgesehen, ist es wirklich sehr schön hier; wenn man sich in den Nadelwald zurückzieht, der direkt hinter dem Sandstrand kommt und nicht unbedingt der Meinung ist, auf den Steg zu marschieren, lässt es sich auch gut aushalten.

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Ja, ich muss wirklich zugeben, es hat definitiv was, so nahe an der See zu leben. Wirklich eine wunderbare Sache, die ich echt vermissen werde! Tja und zu guter Letzt folgt nach einem Besuch in Stralsund noch der Blick nach Rügen von Stralsund aus (upcoming Mitte Dezember mit einem weiteren Bericht), mit einem Randgruß der Gorch Fock links.

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Und weil das kein schöner Abschluss für einen Beitrag ist, möchte ich mit einer letzten Impression des Marktplatzes in Greifswald schließen, die ich voll und ganz unterschreiben kann und durchaus einen Lacher wert war:

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Bis dahin.