Und was, wenn nicht?

…wenn das Ende nicht gut ist? Wenn es dann aber leider zu spät oder vorbei ist und man nichts mehr daran ändern kann? Redet man sich dann solange die Konstruktion des „Happy Ends“ ein, bis man selbst seine Lügen glaubt? Und wer entscheidet eigentlich, wer dieses schöne Ende bekommt und wer nicht? Natürlich, alles ist abhängig von der eigenen Sichtweise. Aber mir kann niemand erzählen, dass bei einem Terroranschlag auf der London Bridge zu sterben, ein Happy End ist.

Schon oft habe ich mir die Frage gestellt, wie die Menschheit auch nur das minimale Recht auf Freude, Glück oder sonstige positive Gefühle empfinden kann, bei all dem Elend, was schon geschehen ist und tagtäglich geschieht. Wieso dürfen die einen das Leben so sehr genießen, während der Rest leidet oder einfach zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein das „Unhappy End“ bedeutet? Ich würde gerne an einen Sinn glauben, der über allem steht, so wie ein Dach, unter welches alles gehört, auch wenn es auf den ersten Blick nicht sichtbar ist, letztendlich dann aber doch Schutz vor dem Regen bietet.

Andererseits gibt es so viel Gutes, was die Welt zusammenhält. Altruistisches Verhalten oder einfach nur sehr anständige Menschen, welche höhere Werte teilen als „jeder für sich selbst“. Was ist die Wahrheit? Darf ich mich wirklich über ein langes Wochenende in London freuen – inkl. Upgrade in die Business Class, drei warme Mahlzeiten am Tag weil es hier Essen aus aller Welt gibt, stundenlang im Hyde Park rumliegen, den weißen Marmor, das Licht und die Rosen bei St. Pauls genießen – und dann über die London Bridge spazieren, eine Rose ablegen direkt unter der Nachricht der Mutter eines 21-jährigen Anschlagsopfers? Mich über das laute Hostel, die zeitraubende Arbeit beschweren und dann über den Security-Menschen wundern, der im Starbucks (!), in dem ich diese Zeilen schreibe, weitere Attacken verhindern soll?

Ich weiß es nicht und es hilft nichts. Es hilft niemandem etwas, wenn die Menschen meinen, nicht mehr glücklich sein zu dürfen – außer vielleicht den Terroristen, die dann doch ihr Ziel erreicht haben. Deswegen bin ich auch ein großer Fan des Theaters: Nicht nur, dass sowohl im West End als auch in renommierten Theatern wie Shakespeare’s Globe oder Barbican immer wieder Stellung bezogen wird zu aktuellen politischen Themen und Hauptfiguren („… who is the other devil? What’s his name? Trump!“ oder „a climate-change neglecting fake tan“), auch Aufrufe verbreiten sich zusehends, ob über Flüchtlinge oder die neusten Terrorattacken („…because the worst thing that can happen is letting those f*ers tell us how to live our lives!“). Es hilft den Opfern nicht, den Toten nicht, es hilft wahrscheinlich auch nicht, die nächste Attacke zu verhindern. Aber es zeigt zumindest: Wir sind nicht alleine.

Wieder gibt es keine Antwort auf diese Frage, auf so viele Fragen. Wieder einmal wird der Mensch alleine gelassen und zum tausendsten Mal liegt es an ihm, was er daraus macht. Ich bin mir sicher, dass keiner der Anschlagsopfer dieses Ende wollte, genauso wie tausende andere Tote bei Unfällen oder weiteren Anschlägen. In dem Moment hatten sie keine Wahl mehr. Wir, diejenigen die noch da sind, wir haben noch eine Wahl. Und zwar jeden Tag. Und gerade in Anbetracht solcher Vorfälle ist es unsere verdammte Pflicht, das Beste daraus zu machen – stellvertetend für all diejenigen, die dies nun nicht mehr können. Eine so abgelegte Rose kann vermutlich nicht für ein Happy End stehen, aber zumindest für ein Leben, was ein solches Ende wert war.

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