Die Reise

Unaufhörlich schweben die dicken Schneeflocken gen Erde und befehlen der Kälte, durch die Fensterschlitze hineinzukriechen und sich in dem warmen Raum einzunisten. In wenigen Stunden wird das noch warme Zimmer infiziert sein, das Leben darin wird verblassen bis es schließlich ganz zu entschwinden droht.
Der Prozess tropft dahin, tarnt sich in der Langsamkeit des Seins für das bloße Auge unsichtbar. Den Fall der Schneeflocken zu beobachten, versuchen sie zu zählen und trotz des hundertfachen Scheiterns nicht den Mut zu verlieren, ist ein möglicher Zeitvertreib. Schneller als befürchtet entdeckt die Kälte einen Zugang zu dem Zimmer, den sie über lange Zeitabschnitte nutzen wird.
Der Mensch, der sich nichtsahnend darin aufhält beginnt zunächst zu frösteln, zu frieren, schließlich zu zittern, zu schreien und irgendwann um Wärme und Hilfe zu strampeln. Am Ende tritt Stille ein. Wieso die Kälte sich unbedingt Zutritt verschaffen will, ist nach wie vor ein Geheimnis.
Greift sie willentlich an?
Wählt sie sich die Zimmer mit den Menschen darin höchstpersönlich aus?
Wenn ja, anhand welcher Kriterien?
Wir könnten sie fragen:
Was willst du hier?
Was willst du von mir?
Lassen Sie sich nicht von falschen Hoffnungen mitreißen, sie wird auf solche Fragen niemals antworten. Schweigt sich aus darüber, verurteilt den Fragenden dazu, in alle Ewigkeit eine Antwort zu erbetteln oder sich selbst eine zu schneidern.
Menschen sprechen nicht gerne über die Kälte, ja geben manchmal sogar vor, dass sie noch keine Bekanntschaft geschlossen hätten mit ihr, allerhöchstens im Nachbarzimmer einen wachsenden Schatten bemerkt zu haben.
Aber da er weit entfernt ist von dem eigenen Raum, gilt das Entsetzen anstatt des eigenen Eingreifens als völlig hinreichende Reaktion. Kein Verbrechen begangen, der Bequemlichkeit Genüge getan. Lange Reihen bilden sich vor Geschäften, um wärmere Mäntel, größere Hüte und dickere Handschuhe zu erstehen.
Wieso versteckst du ein Zeugnis deines Sieges tief in deinem Schrank? Wir sind peinlich berührt, tauschen uns nicht aus, kämpfen also alleine. In den ersten Jahren nach dem Überfall der Kälte auf mein Zimmer sah es gut für sie und schlecht für mich aus, denn egal welchen Mantel ich mir umlegte, er wärmte mich nur für die Dauer eines Wimpernschlags.
Mützen habe ich aus dieser Zeit mehr als ich tragen kann, sie waren hilfreich um die Kälte zu verstecken. Vor mir selbst und vor den neugierigen, mitleidigen und abwertenden Blicken der Menschen, die ich einst für gut hielt.
Verschiedene Farben drücken Stilsicherheit aus und manifestieren ungewollt eine Sorglosigkeit, die mich erschreckt. Ozeanblau, Sonnengelb, Karminrot. Wo ich diese erstanden hätte? wollen sie wissen. Sie seien so wunderschön, die bunten Farben so optimistisch vor dem grauen Februarhimmel.
Die Kälte ist weiterhin auf dem Vormarsch, der Spiegel wird zu meinem Todfeind, verbündet sich mit den meisten Menschen, auch den Unbekannten oder den losen Bekanntschaften. Ich bin von der Kälte infiziert, das können sie sehen trotz all meiner Versuche, es zu verstecken.
Zu keiner Sekunde ruhen die feindseligen Blicke. Die Kälte selbst erweist sich nicht als so gnadenlos wie sie, denn sie lässt mich ihre Anwesenheit wenigstens ab und zu ignorieren. Stell dich nicht so an, verlangen sie, es ist doch nur dein Kopf.
Die Kälte hat mich mittlerweile umzingelt, nach zu langem Kampf ergebe ich mich und es ist eine Erleichterung, wieder atmen zu dürfen. Verlasse endlich meine Welt. Die Kälte wird zunehmend frostiger, denn wenn man offensichtlich infiziert ist, legt sie mit dieser Wahrheit noch zu:
Sie zieht ihre Kraft zusammen, sammelt sich, baut sich auf, um dann unter Getöse zu brechen, alles in ihrer Nähe zu überschwemmen mit einer stinkenden Brühe aus falscher und echter Anteilnahme, spitzen Bemerkungen und insbesondere den gut gemeinten Ratschlägen, sich besser gleich und vollständig der Kälte zu ergeben weil ein solches Leben nicht lebenswert ist.
Sie urteilen über mein Leben und verleihen ihm die Auszeichnung „nicht lebenswert“. Sie wissen nicht, dass die Kälte irgendwann nach uns allen greift und früher als später auch sie erwischt. Meine Mütze, Mantel und Schal liegen längst auf der Garderobe bereit.
Ich verharre also zunächst in der Kälte, verweile aber nicht für immer in ihr, treffe die bewusste Entscheidung, sie loszulassen. Finde Halt in einer, anderen, meiner Welt: Bunt, verrückt und wunderbar. Ein Ozean kann dutzende, vielleicht sogar hunderte verschiedene Töne annehmen, genau wie der Himmel, Wälder oder ganze Landstriche sind sie voller Farben und Möglichkeiten, die den Beobachter schon nach wenigen Sekunden in Jubel singen lassen.
Grau ist Vergangenheit. Es ist verrückt so laut zu sprechen, dass Tausende zuhören, ohne Text und nach dem freien Fall auf den eigenen Füßen zu landen. Und an jeder Ecke dieser Erde Menschen zu treffen, die so sind wie das eigene Selbst. Verbindungen mit Fremden, die nach wenigen Minuten bedeutender sind als Freundschaften, die zwanzig Jahre lang existiert haben.
In meinem Zimmer habe ich eine Heizung entdeckt. Ich glaube, sie war schon immer da aber ich habe sie nie zuvor gesehen. Sie war verdeckt von den Regeln der früheren Welt. Ich hoffte immer, dass sie existiert. Aber ich dachte nie, dass ich einfach nur die Hand ausstrecken muss um sie zu erreichen.
Natürlich drehe ich manchmal die Heizung voll auf und dichte die Fensterschlitze ab, bis mir der Schweiß von der Stirn rinnt. Ab und an funktioniert sie nicht oder ich vergesse sie einzuschalten. Dann klopft die Kälte wieder an und ich bitte sie zum Tee herein. Manchmal lüfte ich und gehe auch hinaus.
Mein Ziel fest vor Augen, gibt es nun nichts mehr, was mir Löcher in meine Seele brennt. Wieso sollte ich verzagen? Mein Zimmer wartet schließlich auf mich. Die Kälte hat mich verändert. Sie hat mir beigebracht, dass ich selbst meine Welt erschaffen kann. Sogar erschaffen muss.
Dass der Mut dazu in mir ist, zwar tief verborgen, aber stets vorhanden. Dieser Welt darf ich meine Regeln zugrunde legen. Hätte sich die Kälte nicht wie zufällig mein Zimmer ausgesucht, lebte ich nach wie vor in einer Welt deren Regeln mir niemals sinnvoll erscheinen werden.
Sie hat mich davor gerettet. Wir sind jetzt Freunde, die Kälte und ich. Wenn sie mich wieder angreift, bin ich zuversichtlich: Meine Siegesgewissheit stapelt sich bis unter die Decke. Und das ist sogar so hoch, dass ich gerne am Fenster sitze und dem blütenweißen Zauber zusehe, der die Erde in ein weißes Kleid hüllt.
Wir sind jetzt Freunde, die Kälte und ich. Am Samstag gehen wir zusammen ins Kino. Und weil die Kälte und ich jetzt Freunde sind, werden wir nach dem Film die ganze Nacht durchfeiern, während es draußen unaufhörlich schneit.

Realität Delphi

„Aber was ist Gerechtigkeit? Gerechtigkeit ist nicht, wenn die Politik von Konzernen regiert wird. Unsere Bedürfnisse, die des Bürgers, rücken komplett in den Hintergrund. Wieso? Ganz einfach: Das Geld ist ihr einziges Interesse.
Die Demokratie ist so weich wie Kürbisfleisch und wird mit stumpfen Löffeln ausgehöhlt. Wir werden dem Gott des Geldes geopfert.“ Sein Blick schweifte im Raum umher, zweihundert Zuschauer wurden von einer unruhigen Aufmerksamkeit erfasst. „Aber es sind nicht nur wir selbst, es sind auch und vor allem unsere Kinder.“
Nacheinander fixierte er einige Zuhörer und holte Luft. „Niemand von uns ist frei in einer so ungerechten Welt. Niemand wird es jemals wieder sein, denn Freiheit bedeutet, sein Leben selbst zu bestimmen. Dazu sind wir schon lange nicht mehr in der Lage. Niemand von uns.“
Er schluckte. „Aber heute ist es genug. Heute wehren wir uns gegen das Geld. Zusammen können wir es ändern!“ Sophia zwang sich dazu wegzuhören, sodass sie sich auf den Zuschauerraum konzentrieren konnte. Der emotionale Teil der Ansprache würde gleich beginnen, er löste schnell Tumulte aus: Die Wut darüber, wie gnadenlos das Schicksal der Menschen besiegelt wurde, erreichte immer wieder ungeahnte Höhen.
In ihrem Headset knackte es. „Hier alles in Ordnung“, hörte sie die Stimme eines Kollegen aus der anderen Ecke des Raumes. Routiniert ließ sie ihren Blick über die Bühne wandern, wo David nebst zwei Bodyguards sprach.
„Hier auch“, erwiderte sie, behielt die Zuschauermenge trotzdem im Blick. „… schlechte Luft und jede Menge Verkehrstote, nur um der Automobilindustrie zu noch größeren Gewinnen zu verhelfen. Wir werden todkrank gemacht, während sie Champagner auf ihren Jachten schlürfen!“
Gemurmel brach aus und Sophia fühlte Adrenalin ihren Körper alarmieren. Gleich würde es beginnen. „… waren uns die Roboter, die mit künstlichen Intelligenzen ausgestattet sind, immer eine große Hilfe. Aber: Sie machen uns überflüssig! Die Hälfte der Bevölkerung wurde arbeitslos, weil Roboter die billigere Lösung sind. Und wir werden von der Grundsicherung gerade so am Leben gehalten, weil es ein Skandal wäre, wenn sie uns verhungern ließen. Müssen wir damit im Jahre 2035 zufrieden sein?“
Einige aggressive Zwischenrufe machten Sophia nervös. David blieb nichts anderes übrig, als seine Rede lautstark fortzusetzen. Sie blickte alarmiert auf, als plötzlich drei weitere Personen den Raum betraten, der eigentlich seit dem Beginn der Rede abgeriegelt war.
Sie hechtete auf die Bühne und riss David zu Boden. Ihre Intuition hatte sie nicht getäuscht, denn Sekunden später pfiffen Kugeln durch die Luft. „Plan Delphi!“, brüllte sie in das Headset, aber die Geräuschkulisse verschluckte jede Antwort. David war unverletzt, trug aber im Gegensatz zu ihr keine kugelsichere Weste. Verdammte Imagegründe.
Sie krochen zum hinteren Rand der Bühne und Sophia half David hinunter, folgte ihm und sie verharrten in der Deckung. Kaum war sie sicher, dass er unverletzt war, spähte sie vorsichtig in den Raum: Die meisten Zuschauer waren geflüchtet und ihr Sicherheitsteam lieferte sich Schusswechsel mit den Angreifern.
Unauffällig verließ sie mit David das Geschehen, die beiden huschten in den Hinterhof, wo der Fahrer auf sie wartete. Sophia ließ ihn zuerst einsteigen, sprang dann ebenfalls in das Fahrzeug, was sich zügig entfernte. Die Augen geschlossen hatte sich der Politiker zurückgelehnt und bevor sie ein Gespräch beginnen konnte, bekam sie eine Meldung über das Headset. „Alle drei Angreifer sind eliminiert.“
Er wirkte nicht so erleichtert wie erwartet. „Ich verstehe.“ Kurze Stille. „Das war knapp“, ließ er sich dann doch zu einem Kommentar hinreißen. Sie schüttelte den Kopf. „Ich hatte damit gerechnet. In einer kaputten Welt wie unseren muss man mit solchen Aktionen rechnen.“
David seufzte schwer. „Ich frage mich wirklich, ob es das alles wert ist.“ Aufmerksam sah sie ihn an. „Natürlich ist es das! David, Deutschland steht kurz vor dem Kollaps! Die Reichsten 2% besitzen alles während der Rest zum Überlebenskampf verdammt ist. Hass regiert dieses Land, Menschen werden arbeitslos und durch Kriminalität oder Sucht aufgefangen!“
Er wandte den Blick ab. „Ich weiß. Aber dank der vielen Feinde, die ich mir gemacht habe, kann ich keine Nacht mehr durchschlafen.“ Sophias Augen glänzten. „Mag sein, dass wir dabei unser Leben lassen, aber wir dürfen nicht aufgeben. Sieh dich doch um: Die frei verkäuflichen Waffen haben uns in Ghettos gepfercht, weil sie zumindest etwas Sicherheit bedeuten! Was ist das für eine Welt?“ Er schien nach wie vor nicht überzeugt und Sophia nahm sich vor, den Einstellungen zu überprüfen.
Traurig wirkte er, als er schließlich doch antwortete: „Die Lage ist auf der ganzen Welt nicht besser. Mit der Zerschlagung der Europäischen Union wurden wir zu einem Spielball. Immer mehr Menschen werden durch Klimaveränderung, Konflikte oder Verfolgung aus ihren Ländern vertrieben.“
Sophia wusste das alles. „Natürlich. Aber ich war selbst an europäischen Außengrenzen stationiert. Ich habe das Elend gesehen. Daran können du und ich momentan nichts ändern, aber wir können zumindest erreichen, dass es den Menschen hier bald besser geht. Dass Kinder nicht mehr wegen fehlender Medikamente sterben müssen. Dass Sucht und Kriminalität nicht vorprogrammiert sind, wenn man nicht zufällig in ein reiches Elternhaus hineingeboren wird.“
Ihr Blick wurde weich. „Dass Chancengleichheit kein Fremdwort mehr ist.“ David schüttelte resigniert den Kopf. „Sie kommen sowieso ständig mit neuen Schikanen um die Ecke. Wie mit der virtuellen Arbeit.“
„Das haben sie sich nur ausgedacht, um die Menschen davon abzuhalten, nachzudenken und gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen!“, ereiferte sich Sophia, „denn sechs Stunden pro Tag online sinnlose „Arbeiten“ zu verrichten, nur um Menschen beschäftigt zu halten – was ein Schwachsinn!“
Sie hatten mehrere Sicherheitscheckpoints passiert und bogen in die Tiefgarage ein, die zu Davids Bürokomplex gehörte. Beide verfielen in Schweigen, während sie das Auto verließen, David in sein Büro ging und Sophia sich erst einmal einen Kaffee gönnte.
Durch die Glaswand konnte sie sehen, dass seine Sekretärin hineinkam und ein paar Dinge mit ihm besprach. Sie sinnierte über den Zweck der Mission, umklammerte ihre Tasse mit dem heißen Getränk und fragte sich, ob die Wahl in einigen Wochen Besserung bringen würde.
Sie stand hinter der massiven Glaswand, als wäre sie Teil eines Stummfilmes, tausende Meilen von den Geschehnissen entfernt oder als würde sie schlicht und einfach nur träumen; war bestenfalls hilflose Zuschauerin, als David von seiner langjährigen Assistentin erschossen wurde.

„Verdammter Mist“, fluchte Sophia, zog ihre Virtual Reality Brille vom Kopf und donnerte sie empört auf den Boden. „Das ist kein Spielzeug!“, empörte sich ein Mann mit einem Tablet in der Hand und einer Brille auf der Nase. Schuldbewusst hob sie das Gerät auf. „Sorry, Richard. Hast du zugesehen?“ Er nickte.
„Ja. Guter Ansatz.“ „Von wegen. Erstens wurde er niedergeschossen und zweitens war er nicht von der Mission überzeugt. Wieso? Er ist schließlich unser Politiker, der die Welt verändern will“, wollte sie genervt wissen. Er suchte auf dem Tablet herum. „Die KI hat das so berechnet. Bis zu diesem Zeitpunkt sind so viele Menschen für die Sache gestorben, dass jeder zweifeln würde.“
Er blickte über den Rand seiner Sehhilfe hinweg und musterte sie, aber sie blieb uneinsichtig. „Wieso wird er von der Sekretärin verraten? Und wie zur Hölle hätte ich das verhindern können?“ Richard seufzte entwaffnet. „Weil ihr die Industrie mehr Geld geboten hat, als sie jemals ausgeben kann. Menschen sind korrupt. Zu verhindern wäre das nur, wenn sie nicht auf finanzielle Hilfe angewiesen wären. Aber das charakterisiert nun einmal dieses Szenario.“
Sophia stand auf und rieb sich müde die Stirn. „Zumindest wurde David ihnen gefährlich. Sonst hätten sie nicht in seinen Tod investiert.“ „Absolut. In der aktuellen Entwicklung hättet ihr bei der Wahl drei Wochen später…“ Er suchte wieder auf dem Gerät herum, „22% Prozent erreicht. Die Wahlbeteiligung im Land wäre dank euch von 17% auf 28% gestiegen.“
Frustriert trat Sophia nach dem Stuhl. „Mist. Wir hätten wirklich die 20% Hürde im Bundestag geknackt?“ „Wie ich gerade sagte“, bestätigte ihr Gegenüber, sie hob resigniert die Hände. „Aber David wäre in jedem Fall getötet worden…“ Sie taxierte Richard. „Kann ich überhaupt gewinnen?“ Er zuckte die Schultern.
„Wenn wir das wüssten, würden wir Projekt Delphi sofort einstellen. Aber unsere bisherigen Ergebnisse zeigen, dass es fast unmöglich ist, wenn wir einerseits den Klimawandel nicht bald stoppen und andererseits der Wirtschaft weiterhin die politische Steuerung unseres Landes überlassen. Können wir aber beweisen, dass eine lebenswerte Zukunft unter diesen Umständen unmöglich ist, bekommen diese Themen vielleicht die nötige Aufmerksamkeit. Und die Mehrheit muss doch wirklich Interesse daran haben, zu verhindern, dass die reichsten 2% knapp 90% des Vermögens in diesem Land besitzen.“
Traurig sah Sophia ihn an. „Das wird uns spätestens 2050 die Demokratie kosten. Wie konnte es nur so weit kommen?“, murmelte sie. „Es ist wie mit anderen historischen Ereignissen auch: Man wird sich darüber wundern, aber die Entwicklung ist im Nachhinein offensichtlich. Schon 2014 besaßen die reichsten 10% über 60% des Vermögens, und ein paar Jahre später hat man festgestellt, dass Deutschland über den größten Niedriglohnsektor in Europa verfügt. Vermögen aus Erwerb aufzubauen wird faktisch unmöglich, nur noch das Elternhaus zählt. Chancengleichheit ade.“
Er atmete tief durch. „Wir ignorieren es so lange, bis wieder Populisten an die Macht kommen. Denn sie werden stark, wenn alles andere schwach ist.“ Sophias Gesicht hellte sich auf. „Aber es ist noch nicht 2035. Es ist 2019. Uns läuft zwar die Zeit davon, aber es ist noch nicht zu spät. Noch können wir etwas ändern.“

 

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