Man kann ja nicht immer Glück haben…

Hallo und herzlich Willkommen zu dem ersten Blogeintrag im neuen Jahr. Den wollte ich eigentlich schon einige Tage früher fertig stellen, aber wie das halt so ist… Außerdem habe ich einen neuen Laptop und irgendwie ist es schwieriger, als gedacht, alle Bilder in der richtigen Reihenfolge im richtigen Ordner so zu kopieren, dass… naja gut, lassen wir das.

Was gibt es zu berichten? Ich habe Silvester in der Türkei verbracht, eine Woche All Inc in einem 5 Sterne Hotel (lokal versteht sich. Blöder Fehler).

Die Gesellschaft hätte nicht besser sein können, das Hotel aber schon. Bevor ich jetzt allerdings mit den üblichen Beschwerden starte, vorweg: Ich habe ein ganz „nettes“ Review auf holidaycheck geschrieben (wofür ich sogar noch Miles&More Bonusmeilen kassiert habe!!!). Trotzdem möchte ich euch einige Highlights nicht vorenthalten.

  1. Der Flug mit SunExpress.
    Als eingefleischte Kranich-Airline-Anhängerin ist es für mich stets eine mentale Herausforderung, mich an Billigairlines anzupassen. Gut, wenn die Flüge nun mal nur ein Drittel von dem gelben Standard kosten, dann geht das schon mal. Die Airline ist ja auch nicht schlecht, aber ich habe (selbst mit Condor, TUIfly etc.) noch NIE erlebt, dass noch nicht mal Wasser / Tee oder sowas an Board kostenlos ist! Nicht, dass das ein Problem gewesen wäre – aber dazu später. Außerdem war es doch irritierend, dass in einem Ferienflieger von Frankfurt nach Antalya zuerst einmal alle Durchsagen in der türkischen Sprache gemacht werden und wenn man ganz viel Glück hat, dann findet sich auch jemand vom Kabinenpersonal, der der deutschen Sprache mächtig ist. Nicht, dass ich das brauche, dass man überall meine Sprache spricht – aber eine Airline könnte sich doch ihrer Zielgruppe anpassen… oder?
  2. Lage des Hotels.
    War hätte geahnt, dass nur 30 km östlich von Side irgendwie doch dann alles anders ist? Der Ort, Okurcalar, machte auf den ersten Blick ja einen ruhigen, netten Eindruck. Dass der allerdings wirklich so abgelegen ist, dass man noch nicht einmal eine Strandpromenade zum joggen / spazieren gehen vorfindet, hätte ich nicht geglaubt. Somit durfte ich dann auf einer echt hässlichen Strecke an der Straße gegen meine männlichen Begleiter im laufen haushoch verlieren (wenn ich jetzt hier anmerke, dass durch den unebenen Asphalt meine Füße nach den 6 km echt kaputt waren, klingt das ein wenig zu Tussi-like fürchte ich…)
  3. Hotel selbst.
    Tja wer mich kennt, weiß, dass ich immer (oder zumindest häufig) Wert auf gutes Essen lege. Dass natürlich die Qualität bei einem All Inclusive Urlaub nicht unbedingt ungeahnte Höhen erreicht, ist mir durch meine vorherige Erfahrung in den Jahren 2012, 2014 und Sommer 2015 durchaus bekannt. ABER dass der Gast dann spätestens nach der ersten Hälfte des Urlaubs besser nur noch das isst, was 100%ig gekockt oder schuhsohlenartig durchgebraten ist, war mir dann doch etwas zu einschränkend. Klartext: Das Hotel hat wohl ziemlich oft mit Durchfallerkrankungen zu kämpfen. Deshalb steht das Hotelpersonal auch zu jeder Mahlzeit mit Desinfektionsmittel am Eingang zum Speisesaal (lobenswert) und das Zeug findet man auch auf dem Zimmer (gut mitgedacht). Dass diese Maßnahmen allerdings die Problematik nicht eindämmen können (vielleicht haben sie das auch und wir kannten den vorigen Zustand einfach nicht…), macht mir Sorgen (echt unschön). Aber was soll ich sagen, ich mag den Geruch des Zeugs irgendwie….
  4. Tierfreund-Club
    Es ist ja normal, dass in der Türkei einige Katzen unterwegs sind, also auch auf dem Hotelgelände; am Strand, am Poolbereich, an der Beach Bar. Man bekommt die da einfach nicht weg. Meistens sehen die ja auch ganz fit und gepflegt aus. Geht es allerdings soweit, dass das Hotel ein Katzenhaus (und damit meine ich nicht, ein Haus, welches von Katzen erobert wurde) auf dem Gelände hat, kann es gut und gerne passieren, dass diese liebenswerten Viehcher auch im Speisesaal und in den Aufenhaltsräumen unterwegs sind. Gerne lauern sie dann dem naiven Gast auf den Fluren vor den Zimmern auf und versuchen, sich im Moment der Türöffnung mit diesem in das Zimmer zu schleichen. Die Problematik sehe ich allerdings, wenn nicht nur Gäste diese putzigen Tierchen füttern – sondern auch Kellner dies tun.
    Der gewitzte Leser könnte jetzt auf die Idee kommen, dass die Durchfallerkrankungen und die Katzenverhältnisse in irgendeinem Zusammenhang stehen; da allerdings Tiere meistens die besseren Menschen sind, möchte ich nicht das Versagen der Hygieneverantwortlichen des Hotels den Samtpfoten anlasten.
  5. Strom
    Ja, das ist so eine Sache. Jedenfalls mit dem Strom und mir. War mir dann auch erst bewusst, als mir aufgefallen ist, dass ich irgendwie dann doch die einzige war, die regelmäßig einen Stromschlag am Kühlschrank mit den Wasserflaschen bekommen hat und einen recht heftigen Schlag sogar an der Saftmaschine. Meine Mitreisenden und andere Besucher hatten das Problem (teilweise offensichtlich erkennbar) ab und an, aber irgendwie hat nur mir regelmäßig der ganze Arm davon weh getan. Als wäre das nicht genug, fiel dann auch am vorletzten Tag der Strom im ganzen Ort aus, was das Hotel dazu veranlasste, seine Notstromgeneratoren hochzufahren. Eigentlich recht lobenswert, also welche zu haben und diese dann unverzüglich anzuschalten. Blöd allerdings: Einer von drei (?) Generatoren war leider nahe an unseren Zimmern aufgestellt, die Schallisolierung war – höflich gesagt – nicht vorhanden. Befand man sich im Zimmer, war keine normale Unterhaltung möglich und es mutete eher an wie ein Aufenthalt im Schiffsbauch als in einem Hotel. Gut, man muss den Hotelveranwortlichen hoch anrechnen, dass wir in einem anderen Zimmer hätten übernachten können, insofern das Ding die Nacht über hätte durchlaufen müssen (glücklicherweise ging es gegen 21:30 dann aus). Ich war ja nun schon einige Mal in Strandhotels in diesem Land, aber das habe ich noch nicht mitbekommen. Lustig nur: Im Mai 2015 in Istanbul fiel auch für einige Minuten der Strom in der Stadt aus (was laut Aussage der ortsansässigen so gut wie nie vorkommt, hier war man auch statt mit Notstromgeneratoren eher mit Kerzenlicht dagegen gewappnet) und genauso im Oktober in Greifswald (auch hier eine Seltenheit). Ich und der Strom haben möglicherweise doch eine sehr wechselhafte Beziehung.
  6. Schwimmen im Meer
    … geht natürlich trotzdem, und erst recht bei Sturm. Insbesondere gerne dann, wenn man bei dem Versuch, am Hotelstand zu baden, von Hotelmitarbeitern „freundlich“ darauf hingewiesen wird, dass man dies zu unterlassen hat (ich bin sicher, tief in seiner Seele hat der Angestellte das nett gemeint..). Allerdings kann der gewitzte deutsche Urlauber, der es ja immer besser weiß, einfach 500 Meter weiter gehen, auf einen Strandabschnitt von einem der unzähligen Hotels, die über den Winter geschlossen sind (hmm, vielleicht auch deshalb soooo viele Katzen bei uns…?). Runter mit den Klamotten, Badehose und TShirt sind ausreichend bei Sturm und 15 Grad und zack rein ins Wasser. Das war das erste Mal, dass ich dort gescheite Wellen gesehen habe, mit denen sich auch etwas Spaß haben lässt.
  7. Die (Halb-)Insel
    Links vom Hotel Richtung Strand ist eine grüne Halbinsel. Glücklicherweise hatten wir uns den Tag mit dem schönsten Wetter ausgesucht, um diese zu erkunden – war auch wirklich ganz nett. Das hat diese blöde Hotel-Durchfall-Situation etwas relativiert.

Alles in allem: Man kann nicht immer Glück haben. Und das meine ich noch nicht einmal ironisch. Die gebuchten Unterkünfte sind meistens wirklich top (bis auf das königliche Entwicklungsland…) und das Wetter spielt auch in der Regel mit (siehe vorige Klammer). Ich würde jetzt zu dieser Zeit nicht unbedingt wieder an die türkische Riviera fahren, und unabhängig von der Zeit nicht mehr in dieses Hotel (zur Info: Sealife Buket Beach – lernt aus meinen Fehlern und fahrt da nicht hin!!!). Trotzdem mag ich das Konzept des All Inc Urlaubes, denn wenn alles stimmt, kann das wirklich eine schöne Sache sein; einmal im Jahr oder alle zwei Jahre durchaus sehr entspannend – jedenfalls solange man noch „Entdeckungsreisen“ zusätzlich in sein Budget und Zeitplan rein bekommt. Falls jemand auf der Suche nach dem geilsten All Inc Hotel an der türkischen Riviera ist: Melas Resort bei Side-Kumköy, 99% Weiterempfehlung auf Urlaubsportalen und wirklich GENIAL in fast allen Punkten. Kein Vergleich mit dem hier beschriebenen Aufenthalt.

Genug gelästert. Meine Reisepläne für dieses Jahr ändern sich quasi stündlich, deshalb wäre ein Update hier irgendwie sinnlos. London zum Monatsende bleibt allerdings und ich berichte dann hier von meiner ersten (Kurz-)Reise alleine.

Stay tuned.

 

Achso: Es war natürlich nicht alles schlecht (um hier politisch korrekt zu sein…).. wie man sieht.7

Achso 2: Ich habe etwas mit meiner Kamera rumgespielt. Da ich aber keine Facebook Fotografieseite habe, kann ich im Grunde gar nix. Trotzdem echt cool, was da so alles geht (zumindest für jemanden, der außer dem Einschalt-Knopf und dem Auslöser sonst nie irgendwas an einer Kamera bedient hat).

 

 

To the sea / 2016

Die letzten Tage im hohen Norden verflogen auch – wer hätte es gedacht – erst gar nicht und dann gefühlt in zwei Minuten. Zwischen Fischbrötchen, Weihnachtsmarkt, Wasser und viel Wind (gaaaaanz viel) hatten wir uns dann aber doch den Weg nach Rügen gebahnt. Zwischendurch mit dem Gefühl, als überquere man die Golden Gate Bridge, landet man nach der Überfahrt aus Stralsund auf der Insel, die zunächst eher wie Festland anmuten lässt. Nach einer dreiviertel Stunde jedoch hat man die Küste erreicht (insofern man dem Navi folgt) und zwischen viel Wald ist dann tatsächlich doch etwas Strand zu erkennen.

 

Eine Anekdote kann ich allerdings noch bieten und möchte ich auch nicht unerwähnt lassen. Ich nehme mich ja selbst nicht ganz ernst – oder versuche es zumindest – und ich versuche auch, mich nicht allzu wichtig zu nehmen. Daher konnte ich auch sowohl in als auch nach der Situation darüber lachen. Ich war gerade auf dem Weg ins Office, habe das Gebäude betreten, rüber zum Fahrstuhl. Da läuft ein älterer Mann um die 60 vor mir, der mir irgendwie bekannt vor kam. Allerdings war er in Anzug gekleidet und diejenigen, die vor Ort in Anzug unterwegs sind, kenne ich alle. Die Verwirrung stieg, als er vor mir in den Aufzug steigt und auf die 4 drückt. Zur Erklärung: Die 4. Etage ist unsere Verwaltung, Etagen 5 und 6 sind ein Call Center. Nachdem er gedrückt hat, dreht er sich zu mir um und fragt (sehr freundlich): „Sie müssen doch bestimmt ins Call Center?“ Ich verkneife mir das erste Lachen und verneine, erkläre, dass ich auch in den 4. Stock muss. Er, irritiert, nickt, zögert, setzt wieder an: „Dann sind Sie hier Praktikantin?“ Oh ja. Wie gesagt, ich nehme mich nicht allzu wichtig, daher erkläre ich freundlich, dass ich eine ganz normale Arbeitnehmerin bin, was er kaum glauben konnte. Stellte sich dann heraus, dass er gegenüber von meinem Office im Besprechungsraum Englischunterricht gibt, ich ihn schon öfter gesehen habe und er mich. Sehr freundlich der Mann, nur etwas ungesund nah an den Fettnäpfchen bewegend.

Tja, und jetzt bin ich wieder zu Hause und in zwei Tage ist Weihnachten. Gefühlt hatte ich zwei Jahre keine Weihnachten (denn bei 25 Grad ist es einfah nicht das selbe!) und daher freue ich mich noch mehr als sonst. Trotzdem muss ich sagen, dass urlauben über die Feiertage auch nicht das Schlechteste ist, denn alleine die Geschenke-Rennerei ist ja schon irgendwie nervig. Nunja, so hat alles seine Vor- und Nachteile.

By the way – ab Oktober 2016 werde ich dann für ein paar Monte von der asiatischen Arbeitskultur und Leben dort berichten. Doch vorher gibt es noch ein paar kleinere Urlaube und hoffentlich Berichte. Beginnend mit Türkeiurlaub über Silvester, London Ende Januar, Skifahren im März, evtl. Marrakesch über Ostern, Andalusien im Mai, MTB Wochentour Ende Mai, Island im August, Cannstatter Wasen und das ewige Rom im September / Anfang Oktober. Und dann natürlich – hoffentlich – noch ein paar Städte in fascinating Asia und wenn ich es schaffe, dann auch nochmal Paris weil je suis Paris.

In diesem Sinne

Schöne Weihnachten & einen guten Rutsch!

Hier geht es 2016 weiter.

 

Mailand: Ist das noch Italien?

.. ist die Freiheit grenzenlos.
Über den Wolken…

Die Ernüchterung bezüglich Mailand und der Expo (unser eigentlicher Grund für die Anreise) begann relativ harmlos. Ich glaube, es wird immer so sein, dass ich im Flugzeug am Fenster sitzen möchte (gut, es sei denn es ist Langstrecke in der Economy, da ist Fenster mit zwei Nebensitzern ätzend). Das war jetzt in 2015 mein 11. Flug und Ende diesen Jahres kommt noch einer. Klar, da fragt man sich schon manchmal ob das jetzt reicht oder nicht oder zu viel ist oder sowas, aber Tatsache ist, dass es einfach unglaublich wunderschön ist, jedes Mal neu festzustellen, dass die Sonne niemals weg ist, sondern immer da ist – eben über den Wolken.

Über den Wolken...
…ist die Freiheit wirklich grenzenlos

Für mich hat das was ungemein Tröstliches und selbstverständlich auch Faszinierendes weil die Kulisse nie gleich aussieht. Gut, man hat verschiedene Länder oder Städte unter sich (meine persönlichen Highlights: Istanbul bei Nacht, die Landschaft Englands mit den abgegrenzten Feldern und Mäuerchen sowie das Eis von Grönland), aber trotzdem steht die Sonne immer anders, die Wolken haben doch immer eine andere Form und im Endeffekt entgeht dem aufmerksamen Beobachter nicht, dass auch hier Entwicklungen stattfinden. Aber genug der Philosophie (und den Klassiker „über den Wolken will ich hier auch nur indirekt in der Bildunterschrift bemühen…).

Auch wenn mich meine Lieblingsairline auf Kurstrecken regelmäßig enttäuscht, dieses Mal in Form des Snacks, der aus einem Jogurt und 2 seltsam schmeckenden Keksen bestand, bietet sie oft immer noch die besten Preise ab Frankfurt. Jo, also wieder auf mit dem Kranich und ab nach Italien. So der Plan. Von Italien hatte ich bisher nur Florenz gesehen und wahrscheinlich müsste ich hier einen eigenen Eintrag über die Schönheit dieser Stadt schreiben, aber ich war komplett begeistert und hatte zumindest eine gewisse Ähnlichkeit auch in Mailand erwartet.

Böser Fehler.

So in etwa.. dachte ich.
So in etwa.. dachte ich.

Nett: Dom, Einkaufsstraße von dort aus und außerdem zwei, drei Luxuseinkaufsstraßen, die wir dann entdeckt haben – die sahen dann auch wirklich mal aus, wie beispielsweise in Florenz die meisten Straßen aussehen. Süß, klein, verwinkelt, „typisch italienisch“ eben (oder nun doch eben NICHT!). Nun gut, das war wohl um die Ecke vom Four Seasons, haben wir aber erst später gesehen. Aber der Reihe nach.

Il Duomo
Il Duomo

Der Dom war zugegeben echt ganz chic, auch wenn die doch sehr aufdringlichen Armbandverkäufer sich teilweise zu viert auf uns gestürzt haben mit den Worten „Hakuna Matata – it is for free“. Glücklicherweise waren wir schnell genug und sind ihnen entkommen.

Wenn man aber dann mal um den Dom herumgeht, sieht man die wahren Ausmaße der Globalisierung und den gesättigten Märkten. Oder so ähnlich jedenfalls. Möglicherweise ist es mir einfach entgangen, ich habe nicht darauf geachtet oder schon wieder vergessen, aber meines Wissens nach hing beispielweise am Westminster Abbey kein überdimensioniertes Werbebanner für irgendwelche Schuhe oder Ähnlichem. Hier halt schon.

Ja, wir nutzen jede Werbefläche. MfG Turkish SHOES.
Ja, wir nutzen jede Werbefläche. MfG Turkish SHOES.

Auch wenn der nette junge Mann auf dem Plakat nicht unbedingt unesthetisch wirkt, so ist das doch – meiner bescheidenen Meinung nach – dezent fehl am Platz. Aber vielleicht bin ich zu konservativ. Eine vergleichbare Situation hatte ich zuletzt in Nottingham, UK, 2010 erlebt – da haben wir in einer zu einem Pub umgebauten Kirche mit einem Pitcher Margarita vorgeglüht, um dann feiern zu gehen. Nun gut: Andere Länder, andere Sitten.

Duomo Shop. Gibt es hier Turkish SHOES?
Duomo Shop. Gibt es hier Turkish SHOES?

Aber es geht natürlich noch weiter. Welcher Dom hat auch heutzutage keinen gut sortierten Fanshop direkt nebenan? Man hat ja mit der Zeit zu gehen, und selbstverständlich nehmen die auch Kreditkarten. Da ist man in Hong Kong in einem Kloster womöglich überrascht, dass man zwar keine Fotos machen darf, der Shop aber in fünf Sprachen darauf hinweist, dass Visa und Mastercard gern gesehene Plastikteile sind.

Koreanisch-italienische Freundschaft.
Koreanisch-italienische Freundschaft.

Ja und dann ist da noch unser Freund Samsung. Mein Italienisch ist zwar leicht eingerostet (ich habe mich auf Grazie und Prego während des Aufenthaltes beschränkt), aber trotzdem konnte ich mir einigermaßen zusammenreimen, dass hier ganz offensichtlich ein koreanisches Unternehmen den Aufbau einer italienischen Kathedrale unterstützt. Jetzt würde mich doch mal interessieren, ob das in Florenz, Rom oder wo auch immer ähnlich ist und wenn ja, gäbe es da in Deutschland ja auch einige Kirchen zu restaurieren. Ob die wohl auch Umbauten von finanziell eher schwach aufgestellten Kirchen in Bars vornehmen? (Der gemeine Koreaner gilt als recht trinkfest, sollte ihnen also womöglich entgegenkommen).

Aussicht
Aussicht

Aber genug der Kirchen-Blasphemie (ich muss unbedingt nach Rom, um hier entsprechend schreiben zu können…obwohl, besser nicht). Unser Hotel war ganz süß und unerwartet sauber. Die Aussicht vom Mini-Balkon hat mich dann doch wieder versöhnt, da hatte ich mein „typisch Klischee-italienisch“ dann zurück. Das Hotel „Nuovo Marghera“ in der Via Marghera war ein paar Metrostationen außerhalb, aber dafür recht preisgünstig.Und die Toilette war auch eine spannende Angelegenheit: Es gab im Frühstücksraum zwei davon, eine für Damen und eine für Herren. Soweit nichts Ungewöhnliches, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass die Behindertentoilette in der Herrentoilette integriert war.

No offense!
No offense!

Zufälligerweise (nein, natürlich nicht zufällig!) lag das Hotel etwa 30 Sekunden Fußweg von einer Metrostation entfernt. Diese haben in Mailand wirklich spannende Namen, denn von „Uruguay“ bis „Wagner“ war echt alles dabei!

Der Wagner ohne Richard (okay, der war schlecht...)
Der Wagner ohne Richard (okay, der war schlecht…)
Sechseinhalb. Einfach sechseinhalb.
Sechseinhalb. Einfach sechseinhalb.

Dafür allerdings nehmen es die Italiener doch mit der Zeit genauer, als so manches Voruteil vermuten lässt. Natürlich auch wieder die Vermutung, dass das meine eigene verzerrte Wahrnehmung ausmachen könnte, allerdings habe ich noch in keiner größeren Stadt gesehen (noch nicht mal in Asien!), dass die Warteminuten in der Metro so detailliert angegeben werden. Siehe Bild.

Vorspeise
Vorspeise (das Brot kam dann, als wir fast alles gegessen hatten…)

Bevor ich auf die Expo eingehe, noch ein Schwenker zu einem essentiellen italienischen Tatsache: Das unglaublich leckere Essen. Wie es der Zufall wollte (und dieses Mal war es wirklich ein Zufall!), lag direkt neben unserem Hotel eine typisch italienische Pizzastube. Das fing schon so an, dass das Restaurant erst um Punkt sieben Uhr aufgeschlossen wurde, und die Schlange, welche sich davor gebildet hatte, bis zu diesem Zeitpunkt eiskalt ignoriert wurde. Man sprach natürlich italienisch dort und die Kellner zeigten wenig Begeisterung davon, hier abzuweichen.

Pizza soloNachdem ich in London lernen durfte, was Sprachbarrieren sind, war die Kommunikation im Vergleich doch recht einfach. Die vielen Einheimischen, die beim Verlassen des Restaurants über die Wartezeit mit einem Glas Sekt aufs Haus hinweggetröstet wurden, hatten uns noch zusätzlich bestätigt, dass die Wahl dieses Lokals goldrichtig gewesen war. Abgesehen davon war es wirklich sehr sehr lecker!!

Die Schmankerl am Rand wie das besondere Parkschild oder den Clear Blue Schwangerschaftstest, den es in einer Art Automaten-Apotheke für günstige 40 € (in Worten: vierzig) zu haben gab (leider habe ich versäumt, das abzulichten) möchte ich hier noch erwähnt wissen. Auch, dass die Supermärkte dort noch ein wenig anders organisiert sind, als in unseren Landen; so nach und nach kann ich die Vorurteile bezüglich der deutschen Effizienz ja nachvollziehen.

Gut, unsere Einkäufe waren eher limitiert auf das Wesentliche.
Gut, unsere Einkäufe waren eher limitiert auf das Wesentliche.

Ob es da welche gibt?

So, nun aber zur Expo. Vielleicht lag es daran, dass wir am Wochenende waren – aber Hauptsache mal Witze darüber gemacht, dass jetzt bestimmt niemand mehr hin gehen will – aber mit solchen Menschenmassen habe ich vielleicht in London’s Rush Hour gerechnet, aber sicherlich nicht zum Ende einer Weltausstellung in Italien. Naja gut, man kann ja auch mal (meilenweit) daneben liegen. Das hätte uns eigentlich schon auf der Fahrt mit der Metro nach RHO Fiera zum entsprechenden Bahnhof auffallen müssen, aber wir machten uns lieber darüber lustig, dass die umsatzorientierten Italiener die Innenstadtzone zwei Stationen vor diesem Bahnhof haben enden lassen, sodass, um dort hinzukommen, ein Aufschlag zu bezahlen war. Gewinnmaximierung vor Simplifizierung. Die ersten Schlangen haben wir dann noch relativ zäh überstanden, denn wir wussten glücklicherweise nicht, was auf uns zukommt.

IMG_7393IMG_7394

Nachdem man dann durch die Sicherheitschecks war, musste man noch einmal etwa 15 Minuten laufen und dann kam man auf den „Hauptgang“, an dem die Expopavillons – einige schön, andere weniger – errichtet waren. Note: Vielleicht lag es auch an dem sehr grauen Himmel, aber irgendwie sah das alles relativ trist und unspektakulär aus. Die Idee, hierher zu fahren, entstand ursprünglich daraus, dass wir beide auf der Expo 2000 in Hannover (ja, lang ist’s her) waren und das beide als echt toll gemacht (landschaftlich u.a.) und spannend (die Pavillons) in Erinnerung hatten. Tja, also landschaftlich war da eher reduziert zu Stein und Plane (bis auf die Außenhüllen der Pavillons) und spannend – dazu komme ich gleich.

„Der Hauptgang“

Ich könnte jetzt zunächst beschreiben, dass uns die Schlangen an den vorderen Pavillons abgeschreckt haben und wir einfach weiter nach hinten gehen wollten, in der Hoffnung, dass es dort weniger sein würde. Auch passt es hier eigentlich darüber zu schreiben, dass Lindt auch einen Pavillon hatte und wir uns dann dort angestellt haben – Wartezeit war nur etwa 30 Minuten. Doch dann müsste ich auch schreiben, dass die Freude schnell verging, denn der Pavillon bestand gerade mal aus ein paar Bildern von Kakaobohnen, dem Prozess der Schokoverarbeitung und natürlich einem riesigen Shop (mit selbstverständlich deutlich höheren Preisen als in Deutschland).

Nein, ich möchte nicht mit Worten langweilen sondern das Erlebnis mit einem einzigen Bild zusammenfassen:

... die Stunde hat sechzig Minuten, oder? Also 240 durch 60... ehhh.. 4 - stimmt das? Kann das wirklich sein?!?!?
… die Stunde hat sechzig Minuten, oder? Also 240 durch 60… ehhh.. 4 – stimmt das? Kann das wirklich sein?!?!?

Ja, es konnte. Nicht, dass wir das ausprobiert hätten (um Gottes Willen!!), aber wer jetzt denkt dass die ecuadorische Ausstellung einfach nur besonders nachgefragt war, hat sich geschnitten (genau wie wir…). Von den Länderpavillons war nichts in unter drei Stunden zu haben und das hat uns jetzt eher peripher motiviert. Selbst für die Essensbuden musste man 30-45 Minuten anstehen. Gut, man kann nicht immer Glück haben. Also noch schnell auf den deutschen Pavillon drauf (das ging zum Glück ohne längere Wartezeiten) und hier noch ein paar Impressionen festgehalten. Das war auch mein eigentlicher Grund, die Ausstellung zu besuchen, denn diese „Bäume“ auf den Fotos sind sog. Solarbäume mit organischen Photovoltaikmodulen, die in dem Business Field entwickelt wurden, in dem ich auch arbeite. Quasi das Projekt der Kollegen erstmals auf großer Bühne. Die kann man drucken, sind daher super flexibel, erzeugen auch Energie wenn bewölkt und sind auf für die Indoor-Anwendung geeignet. Genug der Werbung, lassen wir Bilder sprechen.

Die Module. Bei dem Wetter sicherlich sinnvoll, dass die auch ohne direkte Sonneneinstrahlung funktionieren.
Die Module. Bei dem Wetter sicherlich sinnvoll, dass die auch ohne direkte Sonneneinstrahlung funktionieren.

IMG_7419IMG_7403

Eigentlich ganz cool waren die Infotafeln über die einzelnen Bundesländer (siehe linkes Bild mit den blauen Schildern). Ich mag es echt gerne, zu lesen, wie Deutschland, seine Bewohner und Eigenheiten gegenüber anderen Ländern dargestellt und gesehen werden, daher konnte ich es nicht lassen, einige Infos festzuhalten und hier hochzuladen. Die Interpretation überlasse ich euch, möchte hier nicht noch weiter polarisieren als ohnehin schon (Bilder werden groß beim Klick darauf).

IMG_7409 IMG_7406

Nachdem Lindt – Pavillon und dem Aufgang zu den Solarbäumen haben wir dann den Expobesuch beendet – man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist!!

Die restlichen Stunden in der Stadt verflogen relativ schnell. Ich möchte an der Stellte noch den Disney-Store erwähnen, der nun ja neuerdings auch Star Wars führt. Trotz der Kommerzfaktors macht es immer wieder Spaß, einen zu besuchen.

Auswahl
Auswahl
Bei dem wäre ich fast schwach geworden.
Bei dem wäre ich fast schwach geworden.

IMG_7430Außerdem gibt es hier „die etwas andere Ampel“, die uns zufällig im Weg gestanden hat. Habe ich auch noch nirgends sonst gesehen, aber gar keine so schlechte Idee;  Farbe rot war ganz normal.

IMG_7454Und auch hier gibt es Preise, die jenseits von gut und böse sind. Wir haben natürlich vorher auf die Karte geschaut, wussten das auch aber wollten das zumindest einmal machen – außerdem gab es akuten Toilettenmangel (due to a lack of Starbucks in the whole city). #mangönntsichjasonstnix #hashtagssindjasooooocool.NICHT

IMG_7455Netterweise konnten wir die letzten Stunden vor dem Abflug noch bei gutem Wetter im Park verbringen, auf einer Bank in der Sonne, bevor es ab in die Kälte ging. Das ist natürlich der große Vorteil des Südens – aber man kann ja nicht alles haben, hat mal irgendwer gesagt.

IMG_7457Zu guter Letzt noch ein paar Kuriositäten vom Flughafen. Da ist zum einen der günstige Trüffel für nur 69 € pro 2,5 g, von denen schon einige verkauft waren (oder es zumindest so aussehen sollte). Aber Hauptsache mal ein Schnäppchen im Duty Free gemacht.

IMG_7459Und darüber muss ich glaube ich auch nicht so viel sagen; kann mir aber gut vorstellen, dass sowas nur in Italien wirklich ein Standardprodukt ist, was mal eben am Flughafen erworben werden kann. Nunja, scheint sich ja zu lohnen, sonst würde es nicht hängen. Und man hat durch den Kauf den riesigen Vorteil von vollen 16 statt nur 12 popelige Monaten. Wenn das mal kein schlagendes Kaufargument ist.

IMG_7482Manchmal gibt es Produkte oder deren Variationen, die in Deutschland nicht unbedingt erhältlich sind. Abgesehen von KitKat Oreo, die mir in NZ im Supermarkt über den Weg spaziert ist, fand ich das Kinder Bueno White, was es in Italien an jeder Ecke gab, auch besonders gelungen. Natürlich haben wir direkt einen Import-Export davon gegründet. Völlig unverständlich für mich wird aber immer bleiben, wieso das teilweise so restriktiv gehandhabt wird. Da entgeht den Konsumgüterunternehmen meiner Meinung nach einiges an Umsatz.

IMG_7465Zum Schluss noch eine kleine Inspiration für meine nächsten Reisen: Das Streckennetz von Lufthansa. Okay, Asien ist irgendwie abgeschnitten, aber ich möchte darauf hinweisen, dass das keine Absicht war, weil mich das auch sehr interessiert und viel realistischer im Budget liegt. Da möchte ich dann doch noch das Zitat von Susan Sontag bemühen:

„I have not been everywhere, but it’s on my list.“

Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit!

Cannstatter Wasen 2015 … oder „hey baby“ nachts in der Bahn

Eines schönen Morgens gegen 8:45 versammelt sich eine Truppe von sieben Leuten am Busbahnhof in Darmstadt. Mit dabei: diverse alkoholische Getränke von A wie Asti bis Z wie Klopfer (oder so) und es sei an dieser Stelle erwähnt, dass auch richtiger Sekt dabei war. Natürlich dürfen auch selbstgemachte Fleischkäsebletterteigschnecken (heißen die so?), Lebkuchen, Kinder Pingui und Erfrischungsstäbchen nicht fehlen, auch wenn letztere erst am nächsten Tag zum Einsatz kommen würden. Als ein paar Minuten später Person Nummer acht sowohl mit Kaffee als auch Plastikbechern eintrifft, scheint alles geklärt zu sein und es kann losgehen. Der Bus nach Stuttgart erfreut sich an diesem Tage großer Beliebtheit, es werden mehrere kostümierte Personen gesichtet, die ebenfalls einsteigen.

Morgens, halb 10 in Deutschland: Der erste Sekt wird entkorkt, was erstaunlich gut im Bus funktioniert (mit Wasserflaschen ist da noch etwas Übung notwendig, aber der Sekt läuft bzw. nicht, denn er läuft nicht aus). Das Einschänken beherrschen einige Personen ziemlich gut, andere weniger, trotzdem können mit beherztem Eingreifen sämtliche Sitze und Hosen der Mitfahrer vor dem Schaumwein gerettet werden. Damit war die erste Herausforderung erfolgreich bestanden. Etwa zweidreiviertel Stunden später (Stau Richtung Stuttgart – wer hätte es gedacht?) dann „Landung“ auf dem Busbahnhof, weiter mit dem Bus in die Stadt zum Hauptbahnhof und zur Haltestelle. Das Hotel war dieses Mal nicht ganz fußläufig zu erreichen, was dem Prinzip des Angebotes & Nachfrage geschuldet war: Es zeichnete sich schon im Vorneherein ab, dass die Nachfrage an einem Wochenende größer zu sein schien, als das Angebot. Gültigkeit besaß diese Tatsache sowohl für die Tische im Zelt als auch für das Hotel. Und dann war da noch das Klassenfahrtgefühl, und das in unserem Alter…

Nachdem im Hotel weiter vorgeglüht (ja, wir sind cool!), geschminkt ( 😉 ) und fotografiert wurde, war es dann Zeit, sich gen Wasen aufzumachen. Feststellen möchte ich an dieser Stelle, dass schon hier lustige Fotos entstanden sind, sowohl im Hotel, als auch unterwegs.

DSC00644 DSC00643

DSC00666 DSC00665

Weder der Andrang, noch die ignoranten Türsteher, die uns trotz der Reservierung nicht reinlassen wollten, konnten uns abschrecken. Insbesondere aus dem Andrang und der langen Wartezeit war es uns möglich, sogar positive Konsequenzen (=Fotos) zu ziehen.

IMG_7234
Nach dem Warten..

Dabei stellte sich heraus, dass die Organisatorin so ein schlechtes Gedächtnis hat, dass sie sich a) nicht mehr daran erinnern konnte, wo genau sie den Tisch gebucht hatte und b) augenscheinlich verdrängt hatte, dass sie sich über den Willen des Kollektives hinweggesetzt und wieder einen Tisch am Rand gebucht hat (was sich dann im Nachhinein aber gar nicht also so falsch heraus gestellt hat.. pühhh). So konnten wir bald unseren Tisch Nummer 912 in Beschlag nehmen, der aber eigentlich Tisch 915 war (oder umgekehrt?), wie klar ersichtlich..

915 vs. 912
915 vs. 912
Wir sind richtig :)
Wir sind richtig 🙂

Nunja, von solchen Wiedrigkeiten lässt sich die mittlerweile auf 10 Personen angewachsene Partygruppe wohl kaum ausbremsen! Schließlich ist man mit Bus, Auto und Flieger angereist, da erwartet man ja auch etwas für sein Geld und die Umstände. Konkret wären das dann wohl 54 Gutscheine mit Wert 9,10 bis 9,30. Tja, man gönnt sich ja sonst nix. Und somit haben wir gleich mit einer Runde Mass Bier / Radler / Cola… gestartet und haben eine Runde Wasen-Essen hinterhergeschoben.

Wasen-Essen.. yummy
Wasen-Essen.. yummy

Die Gutscheine gingen auch überraschend schnell weg, aber gezwungenerweise wird ordentlich Trinkgeld gegeben, da die Bedienungen natürlich erstens kein Rückgeld rausgeben und zweitens die Bestellung auf möglichst viele Einzelbestellungen aufteilen. Okay, dafür trotzdem Respekt, was die an Mass Bier tragen können.

Die Einstimmung, so gegen 18 Uhr
Die Einstimmung, so gegen 18 Uhr

Und dann, was soll ich sagen, ging es doch recht schnell mit Nachschub. Die Fotos wurden lustiger (nix für ungut), die Gutscheine weniger und die Musik besser. Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich nun nicht wirklich daran, was da lief; außer vielleicht Atemlos und .. nein, nur Atemlos. Eigentlich hatte ich ja extra meine Kamera dabei, aber so eine Frontkamera ist halt schon praktisch. Dazu muss man sagen, dass man über das iPhone ja geteilter Meinung sein kann, aber die Fotos sind doch recht ordentlich.

IMG_7235  IMG_7103 IMG_6992IMG_7118

Damit ging der Abend doch schon recht vergnüglich los. Natürlich ist es nicht unbedingt ratsam, sechs Stunden nur im Zelt rumzusitzen. Daher haben wir uns einfach nach altbewährter Methode aufgeteilt und in zwei Gruppen abwechselnd das Volksfest unsicher gemacht. Hier vermerke ich jedes Mal erstaunt, dass niemand verloren gegangen ist bzw. beide Gruppen immer wieder den Weg zurück zum Zelt und darüberhinaus zum Tisch finden! Ich bin begeistert und stelle fest, dass da dann vielleicht zu wenig Bier im Spiel war…?

IMG_7054Der Ausflug der Gruppe 1 führte über Geisterbahnen, Pommesstände hin zu einem Schnaps-Stand, bei dem erst leckerer Pfirsischlikör genehmigt wurde (bis auf eine Jägermeister-Trinkerin) um dann eigentlich zum vermeintlichen Kirschlikör überzugehen. Leider stellte sich dieser als Kirschwasser heraus (wobei es einfach wie Wodka roch) und wurde promt im Mülleimer entsorgt. Dem Spaß tat dies jedoch selbstverständlich keinen Abbruch, im Gegenteil. Dazu trugen auch die Gläser bzw. Plastiker mit Jägermeisterlogo, was ja bekanntlich nie schaden kann, bei. Über den Jägermeister lässt sich bezüglich des Geschmacks ja bekannterweise diskutieren, während das Logo eigentlich immer was her macht; manche sind davon mehr und andere weniger begeistert. Und nicht zuletzt sind die Weisheiten des Standes – sofern sie denn Interesse des Betrachters auf sich gezogen haben – in Erinnerung geblieben.

IMG_7055 IMG_7049

IMG_7047
Die Tüte, kurz vor dem Umbau in einen Papierflieger

Nach Pizza und Magenbrot war die Stimmung dann auf einem Höhepunkt angelangt, der sich dadurch zeigte, dass gewisse Tüten kurzerhand in Hüte umgewandelt wurden. Leider ließ diese in der Stabilität zu wünschen übrig, sodass sie als Papierflieger ihr trauriges Ende auf dem Asphalt ihr Ende fand. RIP. So sind eben Schicksale. Immerhin hatten wir mehr Spaß mit der Tüte, als diese je zu hoffen gewagt hatte (okay, das klingt komisch…).

Erfolgreich
Erfolgreich

Aber selbstverständlich hatte auch Gruppe 2 ihren Spaß. Von Suchen & Finden einzelner Gruppenmitglieder über Schießen, Lose ziehen bis hin zu Handys außeinander nehmen und Crêpe essen war für jeden Geschmack etwas dabei. Je nachdem natürlich erfolgreich (Finden des verschollenen Gruppenmitgliedes, Schießen, Lose kaufen) oder aber auch weniger erfolgreich (Handys auseinander bauen). Aber wie alles im Leben kann auch nicht nicht jede Aktion so funktionieren.

Auch erfolgreich, wenn auch der Gesichtsausdruck nicht damit konform geht
Auch erfolgreich, wenn auch der Gesichtsausdruck nicht damit konform geht

Schade nur, dass dieses Mal keine Asiaten nach einem Bild mit original kostümierten und geschminkten Klischee-Deutschen gefragt haben. Hm. Naja gut, da gibt es wohl eine Aufgabe für nächstes Jahr. Luft nach oben schadet schließlich niemals. (Es ist nicht überliefert, was genau der Gewinn bei den Losen war. Allerdings konnte verzeichnet werden, dass ein Stoffpferdechen, welches frappierende Ähnlichkeit mit einem Esel besitzt, im Rahmen des Schießens gewonnen werden konnte. Fürs Protokoll).

Der Weihnachtsmann!
Der Weihnachtsmann!

Nach diesen beiden Ausflügen konnte dann die Party im Zelt weitergehen, nochmal verstärkt durch die interessanten Menschen, die ab und zu an unseren Tisch kamen, um Fotos zu machen. Unter anderem ein Typ mit T-Rex Kostüm oder der Weihnachtsmann höchstpersönlich. Eine rot-weiß karierte Mütze kann ich hier nicht als Kostüm zählen, wobei auch jemand im nicht-flauschigen Kuh-Kostüm beobachtet wurde. Ich würde jetzt nicht sagen, dass der Alkoholkonsum übertrieben worden ist, allerdings sind doch einige Bilder entstanden, die ich hier niemandem vorenthalten möchte.

Das Pferdchen hat einen bequemen Platz gefunden
Das Pferdchen hat einen bequemen Platz gefunden
Auaaa BIERKRUG!
Auaaa BIERKRUG!
p-p-partey!
p-p-partey!

Und weil’s so schön war noch einmal… (war es aber wirklich, möchte ich behaupten). Die Fotos werden zunehmend peinl… öhm, witziger. Dabei nochmal großes Lob an alle, niemand hat wegen der Paparazzi seinen Bodyguard rufen müssen. Ach ja, festgestellt wurde auch, dass bei zunehmendem Alkoholspiegel zumehemende Wahllosigkeit bezüglich Gabeln und Messern für Nachtische herrscht. Ich hoffe, es hatte keiner Herpes :-p

wait for it...

wait for it…

das Pferd landet!
das Pferd landet!

joah. läuft.

mehr BIER bitte!
mehr BIER bitte!
what...?
what…?

So. Die restlichen Bilder gibt es bei Dropbox oder sowas. Ich hoffe, es hat allen Spaß bereitet und der Return on Investment auf die Investition war overall satisfying. Ich finde, der value war klar erkennbar, lessons learned ist möglicherweise, dass der free cash-flow im Zelt noch etwas höher sein könnte, um den möglichst großen Benefit aus den Gutscheinen zu gainen.

Hoffe, diese Investition wird weiterhin mit AAA bewertet und nächstes Jahr von allen Teilnehmenden in Erwägung gezogen und im Businessplan durchgerechnet. Ich möchte zu bedenken geben, dass selbst in der final phase dieses Projektes noch jede Menge Amusement dadurch erzeugt worden ist, „hey baby“ in der Bahn zu singen und der eigenen Schadenfreude Aufwind zu verpassen, in dem man fest stellte, dass es eigentlich echt witzig ist, Bahntüren der Reihe nach aufzudrücken. Oder halt zumindest dabei zuzusehen.

Es war mir eine Ehre, mit Ihnen zu den Wasen reisen zu dürfen.
Bis dahin.

Istanbul

Was für eine Stadt.

Wunderschön. Vielfältig. Ursprünglich.
Istanbul ist nicht unbedingt das Ziel, welches einem zuerst einfällt, wenn man nach einer Idee für einen Städtetrip sucht. Eigentlich kam ich selbst auch nur durch Zufall darauf, weil auf dem Rückflug von der türkischen Riviera aus darüber weg geflogen, und das bei Nacht. Nach dieser Aussicht stand die Stadt definitiv auf meiner Kurztrip-Liste. Passenderweise konnte ich mit ein wenig Überzeugungsarbeit auch ein paar Freunde dazu motivieren und sieben Monate nach besagtem Ausblick ging es los.

Die Lufthansa bietet die besten Preise inklusive einem Gepäckstück dort hin, auch wenn das Streikrisiko natürlich nicht zu vernachlässigen ist. Wir hatten aber Glück und kamen daher ein einem Mittwochnachmittag Ende Mai 2015 dort an. Leider hatte ich versäumt, mir eine detaillierte Offlinekarte auf mein Smartphone zu packen oder den Ort unserer Unterkunft auf der Papierkarte im Reiseführer zu vermerken. Mit dem Gedanken „so grob weiß ich es“ lief es leider nicht ganz wie geplant, dazu kommt, dass die Adressenbeschreibung in Istanbul etwas anders läuft: Der konkrete Ort bspw. an einer Kreuzung setzt sich aus den zwei Straßennamen zusammen, welche dort kreuzen und hintendran kommt noch eine Bezeichnung für das Viertel (zumindest glaube ich, dass es das war). Nunja, was soll ich sagen. Mit Rollkoffern durch Sulthanamet war ein Erlebnis und ich habe noch in keiner Stadt so viele hilfsbereite Menschen getroffen; mehrere haben direkt ihr Smartphone gezückt, den Straßennamen eingegeben und uns den Weg dann gezeigt. Nach ein paar Umwegen, die ich auf Kommunikationsbarrieren und die deutsche Orientierung an Regeln und geraden Straßen zuschreibe, hatten wir es dann doch geschafft. Unsere Unterkunft im besagten Stadtteil Sulthanamet kann ich nur empfehlen und war recht günstig: Wir haben von Mittwoch bis Sonntag insgesamt 285 € für 5 Personen gezahlt („Alhambra Residence“), war super sauber und die Zimmer ziemlich groß. Hier bin ich von meinen Mitreisenden darauf hingewiesen worden, dass das WLAN wohl nur mit dem iPhone so wirklich funktioniert hat; die Android und Blackberry (ja, das gibt es noch, überrascht mich auch immer wieder…) Smartphone-Besitzer haben es sich dann so nah wie möglich am Router bequem gemacht (bis heute glaube ich, dass sie denken, dass das Zufall war…) Von unserer Unterkunft aus haben wir dann für die Abreise ein Shuttle zum Flughafen gebucht, für 5 Euro pro Person. Sieht man von dem relativ teuren Flugpreis ab (Ryanair fliegt Istanbul (noch) nicht an), ist das wirklich eine recht günstige Stadt. Um die Ecke konnte man „Chicken-Döner“ für umgerechnet 1 Euro bekommen; den türkischen Tee gab es aufs Haus dazu. Nice to do ist auf jeden Fall auch ein türkischer Bäcker.

Tee aufs Haus
Tee aufs Haus
fırıncı - Bäcker
fırıncı – Bäcker

Ich weiß, ich bin ungesund auf das Essen und möglicherweise auch auf das Trinken fokussiert, aber ich kann hier nicht schließen, ohne eine bestimmte Location zu erwähnen: Die Raggae-Bar. Hamster Mathilda und ein Hund machen das Ganze zu einer sehr wohnlichen Angelegenheit, und bei Stromausfall werden romantische Kerzen auf den Tischen verteilt. Very nice. Die Raumgestaltung allerdings ist eine klasse für sich und spiegelt den Namen recht nett wieder. Da ich dies mit jeder Beschreibung einschränken würde, folgt nun eine visuelle Idee (keinesfalls Übersicht, da ich lange nicht alles fotografieren konnte). Von Avicii über John Lennon bis hin zu Cocktailschirmchen und Einmachgläsern war hier alles vertreten.

IMG_4996  IMG_5013 IMG_5001 IMG_5006

Nahe an den Sehenswürdigkeiten kann man zu deutschen Preisen essen, aber nicht so überteuert wie bspw. in italienischen Großstädten. Natürlich haben wir es trotzdem geschafft, überteuert zu essen, aber ich würde sagen, einmal kann man sich das leisten. Insbesondere wenn auf dem Wein solch ein netter Warnhinweis steht und es die theoretische Aussicht auf das Meer gibt (wenn es denn hell ist…).

Wein - schau mal, das machen die nicht nur in USA so...
Wein – schau mal, das machen die nicht nur in USA so…

Sightseeing ist natürlich unverzichtbar in Istanbul, gerade wer „Diabolus“ von Dan Brown gelesen hat, wird auch ein gesteigertes Interesse an der Hagia Sofia oder der Zisterne haben. Ist auch meiner Meinung nach wirklich zu empfehlen; außerdem wie schon erwähnt die Blaue Moschee (NEIN, Hagia Sofia und Blaue Moschee sind nicht das Selbe.) Aber darüber gibt es schließlich genug Reiseführer, also deswegen hier eher kurz gefasst. Schließlich gibt es kaum etwas Langweiligeres, als die Urlaubsbilder eines anderen anschauen… habe ich mir sagen lassen. Die Person möchte sich allerdings hier nicht zitiert sehen.

Hagia Sofia - eins von Istanbuls' must-dos
Hagia Sofia – eins von Istanbuls‘ must-dos
Zisterne. Room for improvement for photo quality.
Zisterne. Room for improvement for photo quality.
Blaue Moschee unter blauem Himmel
Blaue Moschee unter blauem Himmel

Hat man sich erst mal angewöhnt, die konsequent aufdringlichen Tourifänger, die einen in ihr Restaurant ziehen wollen, zu ignorieren, kommt man sogar recht schnell dorthin. Oder aber man fährt Bahn / Boot oder natürlich Taksi (was wir aber nicht ausprobiert haben). Für lieber-lange-Schläfer wie mich ist das mit dem frühen Aufstehen natürlich nicht so einfach, aber im Urlaub und der niedrigen Frequentierung der Sehenswürdigkeiten zu Liebe geht das schon mal. Glücklicherweise sind wir dann mehr so rein zufällig vor dem Gewürzbasar gelandet, erst beim zweiten Mal mussten wir den aktiv suchen. Fällt möglicherweise nicht von außen auf, wohl aber durch den Geruch (was soll ich sagen.. herrlich). Netterweise gab es natürlich noch ein paar mehr Marktstände da, und wenn ein hübsches Shirt mit der Aufschrift „I don’t need google – my wife knows everything“ dann in das Auge des Betrachters fällt, ist der auch gewillt, diese nicht-typischen Händler eines zweiten Blickes zu würdigen und sich damit zu arrangieren. Wobei es so viele von denen gibt, dass sie schon wieder typisch sind. Whatever.

IMG_4882

Gewürzmarkt. Schade, dass Gerüche (noch nicht) fotografierbar sind
Gewürzmarkt. Schade, dass Gerüche (noch nicht) fotografierbar sind
Keine Gewürze, aber trotzdem schön. Farben sind glücklicherweise fotografierbar.
Keine Gewürze, aber trotzdem schön. Farben sind glücklicherweise fotografierbar.

Ach ja, da wäre noch der Taksim-Platz, da sucht man sich allerdings besser einen Tag aus, an dem dieser nicht von der polis gücü („Polizei“ auf Türkisch) abgesperrt ist und Wasserwerfer vorgefahren werden, dann lassen die einen nämlich auch auf den Platz. Wobei man erst dann erkennt, dass der Beruf der polis gücü insbesondere in Istanbul sehr attraktiv für ebensolche jungen Männer zu schein scheint, die dann noch von der üniforma (…keine Übersetzung nötig…) aufgewertet werden. Allerdings erscheint es mir ratsam, sich dann nicht allzu lange auf dem Platz bzw. den Straßen aufzuhalten, die dort hin führen; denn wenn sogar Zara seinen Rolladen vor dem Geschäft runter lässt (und das mitten am Tag!) könnten da ein paar witzige Dinge passieren, die den deutschen Humor möglicherweise überfordern würden. Deshalb haben wir dann nur noch nett einen Kaffee getrunken (oder notwendigerweise Erdbeer- statt Vanillemilchshake, denn die Frage der Kellner an die Kunden, ob der König – also Kunde, weil Kunde = König – etwas anderes bzw. genau DAS andere haben möchte, wenn das eigentlich Bestellte aus ist, wird offensichtlich völlig überbewertet…immer diese deutsche Pedanterie) und sind dann wieder ins sichere Sulthanamet, wo uns der liebe Bünjamin (unser Gastgeber) dann in das Flughafenshuttle verabschiedet hat.

Nun war der Trip nicht gerade „one night in bangkok“, unter anderem weil er länger war als eine Nacht, und diese des Öfteren von Muezzinen unterbrochen wurde, dennoch ist Istanbul ein ideales Reiseziel für ein paar Tage: Einfach mal etwas Neues, Ansätze einer anderen Kultur (NEIN, das zählt nicht als Asien!!!) und wirkliche Freundlichkeit erleben, wenn Einheimische, die gerade selbst ein Kaffee trinken, auf einen zukommen und anbieten, zu helfen, weil man offensichtlich die Orientierung verloren hat. Oder wenn dies Businessmänner auf dem Heimweg tun. Jetzt aber schnell gedanklich wieder heim noch Deutschland, wo man sich ziemlich sicher sein kann, keine Hilfsangebote von Fremden zu bekommen – dann muss man ja selbst auch keine machen *big sigh*.

Fazit: Großer Spaß, wunderschöne Stadt, ideale Gruppe.

Jederzeit wieder.

[Die Tatsache, dass die Fertigstellung dieses Beitrages erst im Oktober 2015 erfolgen konnte, lässt in keinster Weise Rückschlüsse auf die Reisequälität zu. Wenn doch, dann höchstens, dass mir diese Reise so positiv in Erinnerung ist, dass es mir sogar nach 5 Monaten noch wichtig ist, diesen Beitrag zu Ende zu bringen.]