NZ: Schafe pur

 

When in New Zealand… dann sollte der Besuch einer Schaffarm doch irgendwie Teil des Programmes sein. Also insofern zeitlich möglich und in der Nähe vorhanden. Beide Faktoren waren in Queenstown erfüllt, also zunächst ab aufs Boot und dann ab zu den Kuscheltieren. Die Mount Nicholas High Country Farm beherbergt knapp 30 000 Schafe, einige Pferde, Hunde und Helikopter(!) um diese über die Weiden und zum Scheren zu treiben. Besagte Weiden sind allerdings so riesig, dass wir als Touristen nur eine kleine Herde zu sehen bekamen, quasi als Beispiel. Dafür war die Landschaft umso atemberaubender.

 

Hier sind übrigens die Merino-Schafe zu Hause, aus deren Wolle verschiedene tolle Kleidungsstücke angefertigt werden, insbesondere beliebt bei Outdoorfans. Die Weltmeister im Schafe scheren brauchen übrigens unter 25 Sekunden pro Schaf, hier ist das ein richtiger Sport mit selbstverständlichem Abzug in der B-Note bei übriger Wolle oder Schnittwunden.

Und nochmal mein Lieblingsbild, was die Neuseelandklischees (meiner Meinung nach) ziemlich auf den Punkt bringt:

DSC_0043

NZ: Heli-Highlight

Meine Reise ist gerade mal zur Hälfte vorbei und es kommen – so hoffe ich jedenfalls – noch einige tolle Aktivitäten. Trotzdem bin ich mir sicher, dass der Heli-Flug in Queenstown ein Highlight war (es stand vorher fest, dass es zumindest ein preisliches Highlight sein wird). Insgesamt 3,5 h war ich unterwegs, davon gut eineinhalb Stunden Flugzeit und drei Zwischenlandungen. Wahnsinn!

Route 1 – Queenstown Airport hoch auf den Gletscher.

Es ist immer wieder ein wahnsinnig tolles Gefühl, mit einem Helikopter zu fliegen. Nicht, dass ich das besonders oft getan hätte, aber ich liebe Fliegen jeder Art und insbesondere die Tatsache, dass ein Helikopter nun mal viel flexibler ist als ein kleines Flugzeug.

Auf dem Gletscher angekommen, hat es mich doch überrascht, wie einfach es war, dort zu landen, Stabilität des Eises und so weiter. Nun gut, umso besser. Eine andere Passagierin hatte dankenswerterweise eine Flasche Wein mit genommen und großzügig ausgeschenkt. Wein trinken in kurzen Hosen auf einem Gletscher am anderen Ende der Welt – wann hat man das schon mal? Und nein, es war nicht kalt. Wir hatten nach grauen Tagen wie man sieht überaus perfektes Wetter. Der blauste Himmel, den ich jemals gesehen habe. Jackpot once again.

DSC_0830

Route 2 – Gletscher – Strand

Ein kurzer Flug zum Strand, nicht weniger beeindruckend. Leider nur so windig, dass ein längerer Aufenthalt dort kaum möglich war. Aber dieses Fortbewegungsmittel sagt mir zunehmends zu.

IMG_9837

Route 3 – Strand – Milford Sound

Und ab zu der beeindruckensten Landschaft überhaupt. Wie klein und unwichtig bei diesem Anblick alles wird, ist faszinierend. Das war lange vor mir da und wird auch noch lange nach mir da sein – und ich darf es kurz besuchen. Ein schöner Gedanke.

DSC_0920

Route 4 – Milford Sound – Queenstown Airport

Tja also ich wäre ja gerne noch länger geflogen, aber man soll aufhören, wenn es am schönsten ist (und das Geld alle). Wirklich eine geniale Aktivität und extrem lohnenswert.

NZ: Routeburn-Regenwald

Meine Wandertage hier haben sich bisher eher auf kürzere Strecken und maximal einem Tag beschränkt, nach bis zu 7 Stunden draußen reicht es mir meist auch. Für den Routeburn Day Walk hatte ich allerdings mehr Zeit dank der etwas herausfordernden Anfahrt eingeplant – eine gute Idee. Zwar fuhr der Guide, aber diese Schotterstraße hätte mein kleines Auto auch nicht geschafft, oder zumindest nicht heile. Die knapp 1,5 h Anfahrt pro Strecke haben sich für die insgesamt knapp 8 Stunden laufen inkl. Mittagspause aber defintiv gelohnt. Plus: In dem Gebiet regnet es zwei Drittel des Jahres. Um also die realistische Erfahrung zu bekommen, waren wir dankbar, dass wir die ersten beiden Stunden im Regen laufen durften. Kurz bevor es ätzend wurde, hat es dann aufgeklart, die Sonne kam raus & wir griffen großzügig zu Sonnencreme.

Der Nachteil an geführten Wanderungen ist einfach, dass man sein Tempo nicht selbst bestimmen kann. Von Natur aus mache ich gerne Fotos und schaue mir auch Lichtverhältnisse oder Details der Pflanzen gerne mal genauer an. Unser Guide hat das leider anders gesehen; nach 10 Jahren Wanderungen in Neuseeland führen hatte der darüberhainaus auch ein deutlich anderes Fitnesslevel als die ab-und-zu-Wanderin-mit-Kamera. Trotzdem hat auch diese die 20 km Tagestour inkl. 500 Höhenmeter rauf und wieder runter geschafft – und blieb zumindest in Sichtweise des Guides. Gut, die letzten beiden Kilometer Schotterweg waren meine Füße der Meinung, dass Wandern komplett überbewertet ist (ein Königreich für ein Fahrrad!!!) und ich kam auch eine halbe Stunde später als der Rest an – ABER Ziel erreicht. Inklusive immergrünem Regenwald, Wasserfällen und atemberaubenden Ausblicke.

DSC_0604

So ganz am Rande wurden Diskussionen mit dem japanischen Guide über das Preisniveau von Queenstown geführt („teurer als Tokio!“), Lebensmittel-Shopping diskutiert („wir fahren alle paar Wochen in die nächste Stadt, die etwa 1,5 h Fahrzeit entfernt liegt, weil Lebensmittel dort 40% günstiger sind“), Angela-Merkel-Meinungen mit Australiern ausgetauscht („Sie macht das gut. Wir zahlen lieber die Strafen, als dass wir die Flüchtlinge in unser Land lassen“) und die Abwesenheit von Weihnachtsgefühlen erläutert („es ist kein Weihnachten, wenn es nicht kalt ist“ sagt der Japaner, ich stimme zu, der Australier schaut verwirrt).

DSC_0482

NZ: Die perfekte Idylle

Drei Nächte im gefühlten Nirgendwo, nach 4 km Schotterstraße fragt man sich dann schon, ob irgendwo noch was kommt. Oder die Straße nicht einfach noch schmaler und steiler wird und konsequenterweise irgendwann verschwindet. Glücklicherweise ist das nicht passiert, im Gegenteil. Nach einer gefühlten Ewigkeit und der Ansage „Sie sind angekommen“ war das Gott sei Dank auch wirklich der Fall.

Das B&B bzw. die Farm von Maragaret und Rob liegt irgendwo zwischen Rotorua und Tauranga; die nächsten Zivilisationsspuren in Form von Restaurants und Supermärkten sind nach einer 25-minütigen Autofahrt zu erkennen. Dafür gibt es jede Menge nette Tiere auf der Farm (bspw. Kater George, der es sich in meinem Auto außerordentlich bequem gemacht hatte sowie Blackie und Brownie, die zwei Bullen). Außerdem gibt es einen riesigen, wunderbar gepflegten Gemüsegarten, aus dem wir frische Zuckerschoten ernten und essen. Und Blumen. Fotoparadies schlechthin.

Nur knapp 1 km von dem Anwesen weg gibt es Zugang zu zwei wunderbaren Wanderwegen. Einer führt einen Berg hinauf zu einer Aussichtsplattform, von der man eine tolle 360° Sicht auf den Wald unter sich hat. Der andere Trail führt zu einem süßen Wasserfall und in beiden Fällen ist wunderbarer Zauberwelt Bestandteil. Erholung in der perfekten Idylle.

DSC_0419

NZ: Imagining volcanoes

 

Man stelle sich vor, es gibt nach wie vor aktive Vulkane. Das mag recht einfach sein. Dass dies in Neuseeland der Fall ist, ist ebenfalls nicht wenig glaubwürdig. Dass das Ganze dann auch noch als Touriattraktion über verschiedene Kanäle verkauft ist, ist konsequent.

Ich war vor einigen Jahren, bei meinem letzten Besuch hier, schon einmal in einem – aber nicht mehr aktiven – Vulkan unterwegs zum Wandern. Das war wahnsinnig anstrengend und nicht minder beeindruckend, eine Erinnerung, die ich nicht vergessen werde. Dieses Mal reden will allerdings von einer Vulkaninsel inklusive Aktivität.

Und so habe ich mich zunächst per Flugzeug auf den Weg dorthin gemacht. In einer kleinen Vier-Mann-Maschine, die dummerweise leichte Seekrankheit ausgelöst hat, aber das war es total wert.

Die Vulkaninsel liegt etwa 40 Kilometer weit von der Küste entfernt, zunächst ist also der Anflug die erste spannende Angelegenheit. Wir haben sogar Delfine im Wasser springen sehen, das war aber unmöglich mit (meiner) Kamera festzuhalten. Ich bin kein großer Fan von „Mit Delfinen schwimmen“ – machen sich die Leute denn Gedanken darüber, ob die Delfine auch mit ihnen schwimmen wollen? Oder davon, sie mit einem Boot zu jagen. Daher erschien mir diese Methode am tierfreundlichsten (wenn auch nicht unbedingt ideal für die Umwelt).

Der Anflugt zeigt zunächst andere Aussichten auf weitere Inseln, hier die Wal-Insel, Moutohora genannt; einmal mit der Küstenlinie im Hintergrund. Es muss wahnsinnig toll sein, so eine kleine Maschine selbst fliegen zu können und sie zu bedienen wie ein Auto. Natürlich wackelt es die ganze Zeit (insbesondere, wenn man zwei Mal über den Vulkan selbst fliegt), aber man fühlt sich überhaupt nicht unsicher. Also ich jedenfalls. Und schließlich White Island inklusive der aufsteigenden Schwefeldämpfe. Ein wahnsinnig wunderbarer, wenn auch verblüffend verrückter Anblick.

Auf der Insel zu landen, war dann fast genauso spektakulär, wie darüber zu fliegen. Leider bin ich jetzt etwas seekrank, habe mich aber nicht schlecht gehalten, dafür dass großzügig Gebrauch von gewissen Papiertüten während der Fahrt gemacht wurde. Dafür war die Vulkaninsel wirklich spannend zu sehen, wenn auch mit Gasmaske. Und dann schwammen doch kurz Delfine neben dem Boot her – ein toller Zufall, der das Erlebnis perfekt machte.

DSC_0914

DSC_0037

NZ: „Bay of Plenty“ – plenty to do & see

Seit einigen Tagen bin ich nun in der „Bay of Plenty“, Mitte der Nordinsel. Wen die Details interessieren, sucht auf google maps nach Tauranga. Ein süßer Flieger der heimischen Airline Air NZ hat mich hierher gebracht, der war auch für die tollen Ausblicke für die knapp 50 Passagiere verantwortlich. Zunächst habe ich ein paar Tage am Sonnenstrand verbracht; hier hatte es dann aber morgens um 7 schon 25 Grad und es war mir einfach zu heiß (Gruß nach Deutschland an der Stelle). Daher einfach den Sonnenaufgang am Strand nutzen und in alljährlicher Sommerbequemlichkeit die heißen Mittagsstunden drinnen verbringen.

Tolle Wanderungen sind natürlich trotzdem drin, beispielsweise im MacLaren Park mit tollem Licht, vielen Seen und ganz viel grün. An dem Tag hatten die Seen viel Wasser, was man an den halb versunkenen Bäumen toll sehen kann.

Rainbow Mountain Scenic Reserve ist auch sehr zu empfehlen. Es war eine schöne Wanderung für etwa 3 Stunden, angenehme 7 Kilometer und knapp 400 Höhenmeter – also sehr machbar, auch für die heiße Mittagszeit mit Kamera und sämtlicher Ausrüstung auf dem Rücken. So war ich doch zunächst skeptisch weil mir in der ersten Stunde keinerlei andere Wanderer begegneten, umso mehr hatte sich der Aufstieg mit dem Ausblick dann doch gelohnt. Kratersee im Vulkanland inklusive.

Und weil es draußen an der Sonne so wunderbar ist, eine Wanderung nach der anderen aber doch auch irgendwann langweilig wird (man möge es mir verzeihen), habe ich beschlossen, hoch zu Ross loszuziehen. Und was soll ich sagen – zwar nicht ganz günstig aber einfach wunderbar, sowohl Kulisse, Guide und natürlich die Pferde. Meins hieß Nico, wollte nicht immer so wie ich, aber war sehr lieb und zuverlässig. Und ein Fotomodel wider Willen. Konsequenterweise habe ich direkt noch 2 Ritte in den nächsten Wochen gebucht. Adventure awaits!

NZ: Von Kiwis und Komödien

Die Einwohner Neuseelands sind ein lustiges Völkchen. Sie lieben ihr Land (wer tut das nicht) und dürfen das auch offen sagen, bei dieser unglaublichen Schönheit. Überraschenderweise sind sie aber auch nur Menschen. Wer hätte das gedacht? Menschen, die mir erklären, dass die Biosecurity am Flughafen (bis zu einigen Stunden Schlange stehen, um sämtlichen organischen Import wie Erde an Wanderschuhen, Zelten, Kamerastativen oder Essensreste – ganz ganz böse – nicht ins Land gelangen zu lassen) in erster Linie dazu dient, die wirtschaftlichen Interessen des Landes zu wahren da man hier im hohen Maße vom Tourismus abhängig ist. Macht irgendwie Sinn, ernüchtert allerdings den naiven Besucher.

„Kiwis sind schlechte Autofahrer.“ Das ist nicht meine Meinung, sondern die einer meiner Gastgeber. Selbst Neuseeländer darf er das sagen. Wieso? Weil man hier ab 16 den Führerschein erwerben kann und es so etwas wie „Fahrschulen“ gar nicht gibt. In der Regel lernen Kinder von ihren Eltern das Autofahren und, wiederum ein Zitat, „if Dad is a bad one, you basically have no other chance.“ Wenn der naive Besucher nun denkt, dass das ja aber schon einen großen Vertrauensvorschuss darstellt, so können weitere Informationen zu noch mehr Erstaunen führen. Beispielsweise, dass kein Gastgeber hier beim Einchecken einen Pass sehen will . Oder dass auf sämtlichen Domestic Flights, also auf Inlandsflügen, die „Security“ lediglich darin besteht, zu überprüfen, ob jemand, der einen Koffer aufgeben will, auch den Tarif „Seat and Bag“ gebucht hat und nicht – Gott bewahre – nur „Seat“. Ich stelle überrascht fest, wie herrlich es ist, mit einer fast vollen 1,5 Liter Wasserflasche an einem heißen Sommertag ins Flugzeug zu steigen. Gut, für die drei 25 – 35 Minuten-Flüge, die ich bisher innerhalb des Landes angetreten bin, wäre eine Komplettsecurity a la London Heathrow inklusive Schuhe ausziehen dann irgendwie auch zu viel des Guten. „We’re far away from everything.“ Mit diesem 3. Zitat und gleichzeitiger Erklärung dieses Umstandes meines wunderbar ehrlichen Gastgebers schließe ich diesen Absatz.

Vor den unvermeidlichen Bildern noch eine letzte Anekdote. Da ich hier alleine unterwegs bin, mich aber mindestens schon wie 100 fühle und durch meinen lieben Job etwas – sagen wir – verwöhnt bin, was das Reiseniveau betrifft, arrangiere ich mich nicht mehr mit Schlafsälen (innerhalb 6,5 Wochen Reise nur auf 6 Nächten) und seit der Reise nach Portugal auch nicht mehr freiwillig mit Hostels. Also B&Bs im munteren Wechsel mit den etwas preisgünstigeren Hotels / Motels. Ich komme also in meinem aktuellen B&B an, was 4 Gästezimmer hat (cute AF) und zufälligerweise kommt gleichzeitig ein dänisches Ehepaar an. Die Gastgeberin begrüßt uns etwas irritiert, ich meine, die Situation aufklären zu können mit einem einfachen „we arrived at the same time coincidently“, was aber nur oberflächlich zur Lösung dient. Die verwirrte Gastgeberin entschwindet „to check the booking“ und kommt nach etwa 10 Minuten wieder, die Konfusion ist komplett. Nach ein paar weiteren Wortwechseln begreift sie, dass wir NICHT zu dritt reisen und ein Zimmer gebucht haben. Ich denke noch, dass die Dame etwas verpeilt ist. Dann folgt der Plot Twist: Das dänische Pärchen hatte gar keine Buchung und kam spontan vorbei (was kein Problem ist, von 4 Zimmern ist nur eins belegt – meins), sodass ich der Dame die Diskussion dann wirklich nicht vorwerfen kann.

NZ: Zum Kap und zurück

Was in einer Woche alles passieren kann, erstaunt mich immer wieder. Ich bin sogar seit mehr als einer Woche unterwegs, das klingt so furchtbar lange, gerade wenn man oft nur eine Woche, zehn Tage oder maximal zwei Wochen unterwegs ist. Aber für mich ist jetzt gerade mal eine von sechs Wochen vorbei. Dafür gab es gerade in den letzten Tagen einige Highlights und praktischerweise bin ich jetzt durch mit der Zeitumstellung, denn ich wache „nur“ noch um 6 auf und nicht mehr um 4 Uhr morgens. Success.

Einer meiner persönlichen Highlights der Reise wird die Fahrt und der Aufenthalt bei Cape Reinga bleiben. Da ich an dem Tag um 3 Uhr wach war, bin ich direkt früh los, sodass mich die aufgehende Sonne auf der 60 km Fahrt begleiten konnte. In der ganzen Zeit habe ich etwa 3 andere Autos gesehen – gotta love NZ!

Am Cape angekommen war es zuerst ziemlich bewölkt, aber natürlich trotzdem wunderschön – inklusive Erleuchtung. Fast schon Magie. Zur Info: 99% der Bilder, die hier hochgeladen werden, sind nicht bearbeitet. Das sieht bzw. sah wirklich so aus.

DSC_0151

Das Cape war wirklich sehr schön und ich hatte über eine Stunde alleine dort. Erst als ich um kurz nach 9, als die Sonne so langsam zu intensiv für meine Porzellanhaut wurde, kamen andere Reisende dort an. Die Schilder sind übrigens Wegweiser – siehe das Beitragsbild oben für genauere Infos. Fühlte sich aber lustig an, dass ich in diesen Städten schon war … zumindest London, Los Angeles, Tokyo, Seoul, Sydney. Nach Vancouver wollte ich ja schon lange mal… 😉

 

Für den frühen Morgen des nächsten Tages hatte ich mir eine weitere tolle Location ausgesucht, Rarawa Beach. Es war zwar wieder bewölkt bei Sonnenaufang, aber gerade im Zusammenspiel mit dem Licht, was durch die Wolken kommt, gewinnt die Szenerie nochmal stark. Irgendwie kam mir dabei der Klassiker „Snow“ von den RHCP in den Sinn. Wieso nur?

 

DSC_0402

Achja: Mittlerweise kann ich mit dem Kiwi-Speed ganz gut mithalten, auch wenn ich trotzdem gerne mal den einen oder anderen vorbei lasse. Nach einem Fastkontakt mit der Polizei (die meinten aber den, der mich gerade mir 120 km/h überholte statt mich, die brav 100 fuhr) und der Ernüchterung, dass der Wohlstand in NZ auf dem Land hauptsächlich von dem Tourismus abhängig ist, sitze ich jetzt in meinem schnuckeligen B&B an der Doubtless Bay und genieße bezahlte Gastfreundschaft. Milch im Kühlschrank ist hier Standard und nie zu unterschätzen, ein Leitungswasser-Filtersystem, was es genießbar macht auch was ganz tolles. Aber der Blick & die Athmosphäre beim Frühstück heute früh war einfach 100% perfekt. Die anschließende Foto-Wanderung reihte sich brav ein. 100% Neuseeland eben.

 

Theater ist Theater

Disclaimer: Ich schreibe gerne über sehr verschiedene Themen. Und abgesehen von meinen persönlichen Erlebnissen, auch gerne mal Stories, die in meinem Kopf sind. Für individuelle Interpretationen übernehme ich keine Haftung; Figuren, Locations und Handlungen sind frei erfunden. Trigger Warnings werden aufgeführt. Wer es nicht lesen möchte, klickt es bitte weg. Aktuelle Beiträge aus Neuseeland werden die Abkürzung „NZ“ vornedran haben, Stories wie diese hier sinnigerweise „Story“. Danke.

. . .

Theater ist Theater

[[Trigger Warning: Drama, Tod, Terror, unglücklich verliebt]]

Sie kann gar nicht glauben, dass alle hier sind. Das Theater ist voller Menschen, erinnert an das Londoner West End: Rote Teppichböden, in gleichen Farbtönen gehaltene bequeme, wenn auch etwas schmuddelige Sitze, die auch den müden und zur Vorstellung genötigten Zuschauer komfortabel mehrere Stunden überleben lassen. In der Mitte des Saals verläuft eine kunstvoll geschwungene Wendeltreppe aus dem Zuschauerraum gen Decke und verschwindet in der Dunkelheit. Seltsam, dachte sie bei sich, versperrt das nicht die Sicht auf manche Plätze? Aber die Kunst, die offensichtlich bei der Gestaltung die Hauptrolle gespielt hatte, machte dies locker wieder wett. Es ist nicht der schlechteste Ort, den sich das Universum hätte aussuchen können, zumindest für das, was kommen würde. Ein Trost? Vielleicht. Er war auch hier, sie hatte ihn aus dem Augenwinkel gesehen. Natürlich würde er sich bei einer solchen Veranstaltung niemals in ihre Nähe begeben, zu groß die Gefahr, dass sich jemand etwas dabei denken würde; falsche Schlüsse ziehen würde, die doch richtig waren. Wenn viele Leute zusammenkamen, war es immer wichtiger und vor allem spannender, mit denjenigen zu reden, die man nicht oft sah oder bisher nicht kannte, natürlich, das verstand sie, oder zumindest tat sie so und das ziemlich überzeugend. Es waren schließlich so viele Menschen dort, er war nur einer, der Zuschauerraum war gefüllt und in einigen Minuten würde die Aufführung beginnen. Sie hatte schon längst vergessen, was überhaupt gespielt wurde. Ein Theaterstück? Oder eine Oper? Untypisch für sie; vielleicht war es aber auch schlicht und einfach nicht mehr wichtig. Hunderte von Menschen (passten so viele überhaupt hinein?) hatten Platz genommen und sie hatte ihn schon längst aus den Augen verloren, was normalerweise niemals passierte. Als ein Schuss durch den Saal jagte, schaute sie überrascht, einem Reflex folgend, auf ihre Armbanduhr. Drei Minuten bis zum Vorstellungsbeginn. Das konnte doch nicht Teil derer sein, oder? Zu früh zum Sterben. Um sie herum schien man ähnlich zu denken, Panik brach aus, Zuschauer flüchteten. Unfähig, sich zu bewegen oder einen klaren Gedanken zu fassen, nahm sie ruhig ihren Becher mit Wasser in die Hand, welcher unter ihrem Sitz gestanden hatte, trank einen kleinen Schluck. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wer neben ihr gesessen hatte, beobachtete die Szenerie, als wäre sie nicht betroffen. Weitere Schüsse, sie hatte mal etwas von halbautomatischen Waffen gelesen, die phänomenal oft hintereinander schießen konnten. Aber so etwas war doch nur für das Fernsehen oder Albträume gedacht. Mittlerweile war alles voller Rauch, der Geruch ließ sie aus ihrer Lethargie erwachen. Die Ausgänge konnte sie nicht sehen, aber es drängte sich der Verdacht auf, dass die Schützen irgendwo dort waren. Aus dem Augenwinkel sah sie ein paar Personen, die sie flüchtig kannte und sie konnte nicht sagen wieso, aber sie machten sich zusammen auf den Weg die Wendeltreppe hinauf. Niemand wusste, wohin die Treppe genau führte, aber war das nicht ihre beste Chance? Rasch stieg die kleine Gruppe die verzinkten Stufen hinauf, sie voran, der Wasserbecher immer noch in ihrer Hand. Plötzlich – Schüsse hinter ihr, schwarze Maske, Waffe und sie überlegte noch, irgendetwas zu sagen, wie im Film, etwas Heldenhaftes, aber zu spät, ihr Körper zuckte zusammen als sie getroffen wurde und ihre Knie gaben nach.

Als sie ihren Namen hörte, schlug sie die Augen auf. Sie war immer noch auf der Treppe, aber das Chaos hatte sich beruhigt, die Panik war verschwunden. Besorgte Menschen um sie herum wollten wissen, ob es hier gut ging, aber sie schüttelte den Kopf und erklärte, dass sie getroffen wurde, vermutlich Bauchschuss.  „Aber da ist kein Blut“, antwortete ihr Gegenüber. Sie sah erstaunt an sich herunter und realisierte, dass dem wirklich so war. Hatte sie sich das nur eingebildet? Würde sie nicht sterben, ihn wiedersehen? Sie hörte sich selbst mit trockener Stimme nach ihm fragen, war erleichtert, zu hören dass es ihm gut ging. Na klar, er würde es immer schaffen. Er stand über den Dingen, er war unantastbar. Aber vielleicht war auch für sie noch nicht alles verloren? Als sie die Erleichterung ausatmete, spürte sie plötzlich einen Schmerz, halblinks am Rücken, oberhalb der Niere. Mit der freien Hand tastete sie dorthin und erschrak gar nicht wirklich aufgrund der schieren Menge des dunkelroten Blutes. Doch getroffen, sie hatte es ja gewusst. Zu viel Blut. Zu spät. Die kunstvollen Stufen und das Geländer der Treppe war so vergittert gearbeitet, dass man teilweise hindurchsehen konnte. Sie ließ ihren Blick im Zuschauerraum umherschweifen und abgesehen davon, dass alles verschwamm, konnte sie ihn nicht sehen und sie hätte es doch so furchtbar gerne noch einmal getan, gegen jegliche Vernunft, auch wenn oder gerade weil sie sich die Gedanken an ihn verbieten musste. Sie glaubte zu hören, dass es gar nicht allzu viele Tote gegeben hatte, aber wie konnte das sein, es war doch so oft geschossen worden? Sie konnte das Rätsel nicht lösen, es war nicht mehr ihre Aufgabe. Sie ließ erschöpft den leeren Wasserbecher los, der in Zeitlupe in den Saal hinunterfiel und erst viel später auf dem Boden aufschlug.

. . .