NZ: Imagining volcanoes

 

Man stelle sich vor, es gibt nach wie vor aktive Vulkane. Das mag recht einfach sein. Dass dies in Neuseeland der Fall ist, ist ebenfalls nicht wenig glaubwürdig. Dass das Ganze dann auch noch als Touriattraktion über verschiedene Kanäle verkauft ist, ist konsequent.

Ich war vor einigen Jahren, bei meinem letzten Besuch hier, schon einmal in einem – aber nicht mehr aktiven – Vulkan unterwegs zum Wandern. Das war wahnsinnig anstrengend und nicht minder beeindruckend, eine Erinnerung, die ich nicht vergessen werde. Dieses Mal reden will allerdings von einer Vulkaninsel inklusive Aktivität.

Und so habe ich mich zunächst per Flugzeug auf den Weg dorthin gemacht. In einer kleinen Vier-Mann-Maschine, die dummerweise leichte Seekrankheit ausgelöst hat, aber das war es total wert.

Die Vulkaninsel liegt etwa 40 Kilometer weit von der Küste entfernt, zunächst ist also der Anflug die erste spannende Angelegenheit. Wir haben sogar Delfine im Wasser springen sehen, das war aber unmöglich mit (meiner) Kamera festzuhalten. Ich bin kein großer Fan von „Mit Delfinen schwimmen“ – machen sich die Leute denn Gedanken darüber, ob die Delfine auch mit ihnen schwimmen wollen? Oder davon, sie mit einem Boot zu jagen. Daher erschien mir diese Methode am tierfreundlichsten (wenn auch nicht unbedingt ideal für die Umwelt).

Der Anflugt zeigt zunächst andere Aussichten auf weitere Inseln, hier die Wal-Insel, Moutohora genannt; einmal mit der Küstenlinie im Hintergrund. Es muss wahnsinnig toll sein, so eine kleine Maschine selbst fliegen zu können und sie zu bedienen wie ein Auto. Natürlich wackelt es die ganze Zeit (insbesondere, wenn man zwei Mal über den Vulkan selbst fliegt), aber man fühlt sich überhaupt nicht unsicher. Also ich jedenfalls. Und schließlich White Island inklusive der aufsteigenden Schwefeldämpfe. Ein wahnsinnig wunderbarer, wenn auch verblüffend verrückter Anblick.

Auf der Insel zu landen, war dann fast genauso spektakulär, wie darüber zu fliegen. Leider bin ich jetzt etwas seekrank, habe mich aber nicht schlecht gehalten, dafür dass großzügig Gebrauch von gewissen Papiertüten während der Fahrt gemacht wurde. Dafür war die Vulkaninsel wirklich spannend zu sehen, wenn auch mit Gasmaske. Und dann schwammen doch kurz Delfine neben dem Boot her – ein toller Zufall, der das Erlebnis perfekt machte.

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NZ: „Bay of Plenty“ – plenty to do & see

Seit einigen Tagen bin ich nun in der „Bay of Plenty“, Mitte der Nordinsel. Wen die Details interessieren, sucht auf google maps nach Tauranga. Ein süßer Flieger der heimischen Airline Air NZ hat mich hierher gebracht, der war auch für die tollen Ausblicke für die knapp 50 Passagiere verantwortlich. Zunächst habe ich ein paar Tage am Sonnenstrand verbracht; hier hatte es dann aber morgens um 7 schon 25 Grad und es war mir einfach zu heiß (Gruß nach Deutschland an der Stelle). Daher einfach den Sonnenaufgang am Strand nutzen und in alljährlicher Sommerbequemlichkeit die heißen Mittagsstunden drinnen verbringen.

Tolle Wanderungen sind natürlich trotzdem drin, beispielsweise im MacLaren Park mit tollem Licht, vielen Seen und ganz viel grün. An dem Tag hatten die Seen viel Wasser, was man an den halb versunkenen Bäumen toll sehen kann.

Rainbow Mountain Scenic Reserve ist auch sehr zu empfehlen. Es war eine schöne Wanderung für etwa 3 Stunden, angenehme 7 Kilometer und knapp 400 Höhenmeter – also sehr machbar, auch für die heiße Mittagszeit mit Kamera und sämtlicher Ausrüstung auf dem Rücken. So war ich doch zunächst skeptisch weil mir in der ersten Stunde keinerlei andere Wanderer begegneten, umso mehr hatte sich der Aufstieg mit dem Ausblick dann doch gelohnt. Kratersee im Vulkanland inklusive.

Und weil es draußen an der Sonne so wunderbar ist, eine Wanderung nach der anderen aber doch auch irgendwann langweilig wird (man möge es mir verzeihen), habe ich beschlossen, hoch zu Ross loszuziehen. Und was soll ich sagen – zwar nicht ganz günstig aber einfach wunderbar, sowohl Kulisse, Guide und natürlich die Pferde. Meins hieß Nico, wollte nicht immer so wie ich, aber war sehr lieb und zuverlässig. Und ein Fotomodel wider Willen. Konsequenterweise habe ich direkt noch 2 Ritte in den nächsten Wochen gebucht. Adventure awaits!

NZ: Von Kiwis und Komödien

Die Einwohner Neuseelands sind ein lustiges Völkchen. Sie lieben ihr Land (wer tut das nicht) und dürfen das auch offen sagen, bei dieser unglaublichen Schönheit. Überraschenderweise sind sie aber auch nur Menschen. Wer hätte das gedacht? Menschen, die mir erklären, dass die Biosecurity am Flughafen (bis zu einigen Stunden Schlange stehen, um sämtlichen organischen Import wie Erde an Wanderschuhen, Zelten, Kamerastativen oder Essensreste – ganz ganz böse – nicht ins Land gelangen zu lassen) in erster Linie dazu dient, die wirtschaftlichen Interessen des Landes zu wahren da man hier im hohen Maße vom Tourismus abhängig ist. Macht irgendwie Sinn, ernüchtert allerdings den naiven Besucher.

„Kiwis sind schlechte Autofahrer.“ Das ist nicht meine Meinung, sondern die einer meiner Gastgeber. Selbst Neuseeländer darf er das sagen. Wieso? Weil man hier ab 16 den Führerschein erwerben kann und es so etwas wie „Fahrschulen“ gar nicht gibt. In der Regel lernen Kinder von ihren Eltern das Autofahren und, wiederum ein Zitat, „if Dad is a bad one, you basically have no other chance.“ Wenn der naive Besucher nun denkt, dass das ja aber schon einen großen Vertrauensvorschuss darstellt, so können weitere Informationen zu noch mehr Erstaunen führen. Beispielsweise, dass kein Gastgeber hier beim Einchecken einen Pass sehen will . Oder dass auf sämtlichen Domestic Flights, also auf Inlandsflügen, die „Security“ lediglich darin besteht, zu überprüfen, ob jemand, der einen Koffer aufgeben will, auch den Tarif „Seat and Bag“ gebucht hat und nicht – Gott bewahre – nur „Seat“. Ich stelle überrascht fest, wie herrlich es ist, mit einer fast vollen 1,5 Liter Wasserflasche an einem heißen Sommertag ins Flugzeug zu steigen. Gut, für die drei 25 – 35 Minuten-Flüge, die ich bisher innerhalb des Landes angetreten bin, wäre eine Komplettsecurity a la London Heathrow inklusive Schuhe ausziehen dann irgendwie auch zu viel des Guten. „We’re far away from everything.“ Mit diesem 3. Zitat und gleichzeitiger Erklärung dieses Umstandes meines wunderbar ehrlichen Gastgebers schließe ich diesen Absatz.

Vor den unvermeidlichen Bildern noch eine letzte Anekdote. Da ich hier alleine unterwegs bin, mich aber mindestens schon wie 100 fühle und durch meinen lieben Job etwas – sagen wir – verwöhnt bin, was das Reiseniveau betrifft, arrangiere ich mich nicht mehr mit Schlafsälen (innerhalb 6,5 Wochen Reise nur auf 6 Nächten) und seit der Reise nach Portugal auch nicht mehr freiwillig mit Hostels. Also B&Bs im munteren Wechsel mit den etwas preisgünstigeren Hotels / Motels. Ich komme also in meinem aktuellen B&B an, was 4 Gästezimmer hat (cute AF) und zufälligerweise kommt gleichzeitig ein dänisches Ehepaar an. Die Gastgeberin begrüßt uns etwas irritiert, ich meine, die Situation aufklären zu können mit einem einfachen „we arrived at the same time coincidently“, was aber nur oberflächlich zur Lösung dient. Die verwirrte Gastgeberin entschwindet „to check the booking“ und kommt nach etwa 10 Minuten wieder, die Konfusion ist komplett. Nach ein paar weiteren Wortwechseln begreift sie, dass wir NICHT zu dritt reisen und ein Zimmer gebucht haben. Ich denke noch, dass die Dame etwas verpeilt ist. Dann folgt der Plot Twist: Das dänische Pärchen hatte gar keine Buchung und kam spontan vorbei (was kein Problem ist, von 4 Zimmern ist nur eins belegt – meins), sodass ich der Dame die Diskussion dann wirklich nicht vorwerfen kann.

NZ: Zum Kap und zurück

Was in einer Woche alles passieren kann, erstaunt mich immer wieder. Ich bin sogar seit mehr als einer Woche unterwegs, das klingt so furchtbar lange, gerade wenn man oft nur eine Woche, zehn Tage oder maximal zwei Wochen unterwegs ist. Aber für mich ist jetzt gerade mal eine von sechs Wochen vorbei. Dafür gab es gerade in den letzten Tagen einige Highlights und praktischerweise bin ich jetzt durch mit der Zeitumstellung, denn ich wache „nur“ noch um 6 auf und nicht mehr um 4 Uhr morgens. Success.

Einer meiner persönlichen Highlights der Reise wird die Fahrt und der Aufenthalt bei Cape Reinga bleiben. Da ich an dem Tag um 3 Uhr wach war, bin ich direkt früh los, sodass mich die aufgehende Sonne auf der 60 km Fahrt begleiten konnte. In der ganzen Zeit habe ich etwa 3 andere Autos gesehen – gotta love NZ!

Am Cape angekommen war es zuerst ziemlich bewölkt, aber natürlich trotzdem wunderschön – inklusive Erleuchtung. Fast schon Magie. Zur Info: 99% der Bilder, die hier hochgeladen werden, sind nicht bearbeitet. Das sieht bzw. sah wirklich so aus.

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Das Cape war wirklich sehr schön und ich hatte über eine Stunde alleine dort. Erst als ich um kurz nach 9, als die Sonne so langsam zu intensiv für meine Porzellanhaut wurde, kamen andere Reisende dort an. Die Schilder sind übrigens Wegweiser – siehe das Beitragsbild oben für genauere Infos. Fühlte sich aber lustig an, dass ich in diesen Städten schon war … zumindest London, Los Angeles, Tokyo, Seoul, Sydney. Nach Vancouver wollte ich ja schon lange mal… 😉

 

Für den frühen Morgen des nächsten Tages hatte ich mir eine weitere tolle Location ausgesucht, Rarawa Beach. Es war zwar wieder bewölkt bei Sonnenaufang, aber gerade im Zusammenspiel mit dem Licht, was durch die Wolken kommt, gewinnt die Szenerie nochmal stark. Irgendwie kam mir dabei der Klassiker „Snow“ von den RHCP in den Sinn. Wieso nur?

 

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Achja: Mittlerweise kann ich mit dem Kiwi-Speed ganz gut mithalten, auch wenn ich trotzdem gerne mal den einen oder anderen vorbei lasse. Nach einem Fastkontakt mit der Polizei (die meinten aber den, der mich gerade mir 120 km/h überholte statt mich, die brav 100 fuhr) und der Ernüchterung, dass der Wohlstand in NZ auf dem Land hauptsächlich von dem Tourismus abhängig ist, sitze ich jetzt in meinem schnuckeligen B&B an der Doubtless Bay und genieße bezahlte Gastfreundschaft. Milch im Kühlschrank ist hier Standard und nie zu unterschätzen, ein Leitungswasser-Filtersystem, was es genießbar macht auch was ganz tolles. Aber der Blick & die Athmosphäre beim Frühstück heute früh war einfach 100% perfekt. Die anschließende Foto-Wanderung reihte sich brav ein. 100% Neuseeland eben.

 

Story: Theater ist Theater

Disclaimer: Ich schreibe gerne über sehr verschiedene Themen. Und abgesehen von meinen persönlichen Erlebnissen, auch gerne mal Stories, die in meinem Kopf sind. Für individuelle Interpretationen übernehme ich keine Haftung; Figuren, Locations und Handlungen sind frei erfunden. Trigger Warnings werden aufgeführt. Wer es nicht lesen möchte, klickt es bitte weg. Aktuelle Beiträge aus Neuseeland werden die Abkürzung „NZ“ vornedran haben, Stories wie diese hier sinnigerweise „Story“. Danke.

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Theater ist Theater

[[Trigger Warning: Drama, Tod, Terror, unglücklich verliebt]]

Sie kann gar nicht glauben, dass alle hier sind. Das Theater ist voller Menschen, erinnert an das Londoner West End: Rote Teppichböden, in gleichen Farbtönen gehaltene bequeme, wenn auch etwas schmuddelige Sitze, die auch den müden und zur Vorstellung genötigten Zuschauer komfortabel mehrere Stunden überleben lassen. In der Mitte des Saals verläuft eine kunstvoll geschwungene Wendeltreppe aus dem Zuschauerraum gen Decke und verschwindet in der Dunkelheit. Seltsam, dachte sie bei sich, versperrt das nicht die Sicht auf manche Plätze? Aber die Kunst, die offensichtlich bei der Gestaltung die Hauptrolle gespielt hatte, machte dies locker wieder wett. Es ist nicht der schlechteste Ort, den sich das Universum hätte aussuchen können, zumindest für das, was kommen würde. Ein Trost? Vielleicht. Er war auch hier, sie hatte ihn aus dem Augenwinkel gesehen. Natürlich würde er sich bei einer solchen Veranstaltung niemals in ihre Nähe begeben, zu groß die Gefahr, dass sich jemand etwas dabei denken würde; falsche Schlüsse ziehen würde, die doch richtig waren. Wenn viele Leute zusammenkamen, war es immer wichtiger und vor allem spannender, mit denjenigen zu reden, die man nicht oft sah oder bisher nicht kannte, natürlich, das verstand sie, oder zumindest tat sie so und das ziemlich überzeugend. Es waren schließlich so viele Menschen dort, er war nur einer, der Zuschauerraum war gefüllt und in einigen Minuten würde die Aufführung beginnen. Sie hatte schon längst vergessen, was überhaupt gespielt wurde. Ein Theaterstück? Oder eine Oper? Untypisch für sie; vielleicht war es aber auch schlicht und einfach nicht mehr wichtig. Hunderte von Menschen (passten so viele überhaupt hinein?) hatten Platz genommen und sie hatte ihn schon längst aus den Augen verloren, was normalerweise niemals passierte. Als ein Schuss durch den Saal jagte, schaute sie überrascht, einem Reflex folgend, auf ihre Armbanduhr. Drei Minuten bis zum Vorstellungsbeginn. Das konnte doch nicht Teil derer sein, oder? Zu früh zum Sterben. Um sie herum schien man ähnlich zu denken, Panik brach aus, Zuschauer flüchteten. Unfähig, sich zu bewegen oder einen klaren Gedanken zu fassen, nahm sie ruhig ihren Becher mit Wasser in die Hand, welcher unter ihrem Sitz gestanden hatte, trank einen kleinen Schluck. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wer neben ihr gesessen hatte, beobachtete die Szenerie, als wäre sie nicht betroffen. Weitere Schüsse, sie hatte mal etwas von halbautomatischen Waffen gelesen, die phänomenal oft hintereinander schießen konnten. Aber so etwas war doch nur für das Fernsehen oder Albträume gedacht. Mittlerweile war alles voller Rauch, der Geruch ließ sie aus ihrer Lethargie erwachen. Die Ausgänge konnte sie nicht sehen, aber es drängte sich der Verdacht auf, dass die Schützen irgendwo dort waren. Aus dem Augenwinkel sah sie ein paar Personen, die sie flüchtig kannte und sie konnte nicht sagen wieso, aber sie machten sich zusammen auf den Weg die Wendeltreppe hinauf. Niemand wusste, wohin die Treppe genau führte, aber war das nicht ihre beste Chance? Rasch stieg die kleine Gruppe die verzinkten Stufen hinauf, sie voran, der Wasserbecher immer noch in ihrer Hand. Plötzlich – Schüsse hinter ihr, schwarze Maske, Waffe und sie überlegte noch, irgendetwas zu sagen, wie im Film, etwas Heldenhaftes, aber zu spät, ihr Körper zuckte zusammen als sie getroffen wurde und ihre Knie gaben nach.

Als sie ihren Namen hörte, schlug sie die Augen auf. Sie war immer noch auf der Treppe, aber das Chaos hatte sich beruhigt, die Panik war verschwunden. Besorgte Menschen um sie herum wollten wissen, ob es hier gut ging, aber sie schüttelte den Kopf und erklärte, dass sie getroffen wurde, vermutlich Bauchschuss.  „Aber da ist kein Blut“, antwortete ihr Gegenüber. Sie sah erstaunt an sich herunter und realisierte, dass dem wirklich so war. Hatte sie sich das nur eingebildet? Würde sie nicht sterben, ihn wiedersehen? Sie hörte sich selbst mit trockener Stimme nach ihm fragen, war erleichtert, zu hören dass es ihm gut ging. Na klar, er würde es immer schaffen. Er stand über den Dingen, er war unantastbar. Aber vielleicht war auch für sie noch nicht alles verloren? Als sie die Erleichterung ausatmete, spürte sie plötzlich einen Schmerz, halblinks am Rücken, oberhalb der Niere. Mit der freien Hand tastete sie dorthin und erschrak gar nicht wirklich aufgrund der schieren Menge des dunkelroten Blutes. Doch getroffen, sie hatte es ja gewusst. Zu viel Blut. Zu spät. Die kunstvollen Stufen und das Geländer der Treppe war so vergittert gearbeitet, dass man teilweise hindurchsehen konnte. Sie ließ ihren Blick im Zuschauerraum umherschweifen und abgesehen davon, dass alles verschwamm, konnte sie ihn nicht sehen und sie hätte es doch so furchtbar gerne noch einmal getan, gegen jegliche Vernunft, auch wenn oder gerade weil sie sich die Gedanken an ihn verbieten musste. Sie glaubte zu hören, dass es gar nicht allzu viele Tote gegeben hatte, aber wie konnte das sein, es war doch so oft geschossen worden? Sie konnte das Rätsel nicht lösen, es war nicht mehr ihre Aufgabe. Sie ließ erschöpft den leeren Wasserbecher los, der in Zeitlupe in den Saal hinunterfiel und erst viel später auf dem Boden aufschlug.

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NZ: Sky and Sand

Listening to this ultimate relaxing song when typing these lines (just google „Sky and Sand“ if you don’t know it and you’ll just understand) while sitting inside to save my super sensitive skin from the aggressive sun outside. My biggest challange at the moment is realizing that is my vacation and I’m not doomed to full-day activies everyday, especially when jetlag is not done with me yet – but waking up at 5 am in the morning is really not that bad because the morning light is fabulous, starting hikes at 8 feels kind of „late“ … that does not happen to me when I’m working, that’s for sure!

Während ich diese Zeilen tippe, höre ich den erholsamsten Song überhaupt (google einfach „Sky and Sand“ falls du den nicht kennst und du wirst es verstehen) während ich im Motel sitze, um meine wahnsinnig empfindliche Haut vor der heißen Mittagssonne zu schützen. Meine größte Herausforderung gerade ist zu verstehen, dass es mein Urlaub ist und ich nicht jeden Tag von früh bis spät auf den Beinen sein muss (ganz besonders nicht in der sengenden Sonne), insbesondere unter Jetlag-Einfluss – aber es hat auch was, um 5 Uhr morgens aufzuwachen, weil das Licht wunderschön ist und Wanderungen um 8 Uhr früh zu starten, fühlt sich irgendwie „spät“ an… das passiert mir definitiv nicht, wenn ich arbeiten gehe!

Anyway, I met a nice girl from the US yesterday and we decided to take the ferry to one of the outlying islands to explore a bit. The ride took one hour and I had no idea that I could get seasick but until a few hours ago, I still felt like crushing through the waves. Arriving at Urapukapuka Island, it was well worth it. It felt like a lifetime ago that I have seen such crystal clear water. This is really where some people live and work. Thinking about my office and boring city gets me down so I just won’t do that. But I take the lesson that life doesn’t have to be solely work emails, daily routine and German annoyance. Just because we don’t know any other way yet doesn’t mean this is the only one. „Okay“ does not mean „great“ or „happy“ – only if we force ourselves to believe so.

Jedenfalls habe ich gestern ein nettes Mädel aus den USA kennen gelernt und wir haben eine Fähre zu einer der tausend Inseln hier genommen, um uns etwas umzusehen. Die Fahrt dauerte eine Stunde und ich hatte keine Ahnung, dass ich seekrank werde, aber bis vor ein paar Stunden hatte ich immer noch das Gefühl, ich würde auf der Fähre vor mich hin schaukeln (insbesondere nachts im Bett äußerst amüsant). Aber als wir auf der Insel Urapukapuka ankamen, hat sich das wirklich gelohnt. Es fühlt sich an, als wäre es ewig her, dass ich so kristallklares Wasser gesehen habe. Und hier arbeiten und leben wirklich Menschen! Wenn ich da an mein Büro und die langweilige Stadt denke, in der ich wohne, macht mich das fertig, also lasse ich es lieber bleiben. Aber ich nehme gerne die Lektion mit, dass das Leben nicht nur aus Arbeitsemails, Routine und dem deutschen Frust bestehen muss. Nur weil wir noch keine andere Lebensweise  kennen, heißt das nicht, dass das die einzige Art und Weise ist. „Okay“ heißt nicht „toll“ oder „glücklich“ – wir glauben das nur, weil wir uns selbst überzeugen, dass es wahr ist.

When I arrived 2 days ago, I hopped into the car, I got it running but I have to admit I was kind of scared. Being a lefty is no big issue but I needed to concentrate and keep out of the Kiwi speed. This is why today, although I didn’t really have to because I would be staying in Paihia another night, I got into the car and drove about 1,5 hours in total. I read about „rainbow waterfalls“ and a nice coastal hike but of course needed a car to get there (and this is why I actually rented one in the first place). And – it went really really well!! No problems at all with confusing the left side (always remember: „left side is right side and right side is suicide“ or my personal favourite „men go left because women are always right“) and I was even able to keep up with the Kiwi speed, partly at least. Success for me that I celebrated with connecting my phone to the car to listen to some music and celebrate life (everyone who knows me will understand how much I love connecting speeding and singing).

Als ich hier vor 2 Tagen angekommen bin, habe ich direkt das Auto geholt und bin klargekommen, muss aber zugeben, dass ich schon großen Respekt hatte. Alles links zu tun ist keine große Sache, aber man muss sich eben schon konzentrieren und vor allem, den rasenden Kiwis aus dem Weg gehen … oder eher fahren. Deswegen habe ich heute, obwohl ich es nicht musste, wieder das Auto genommen und bin insgesamt 1,5 Stunden gefahren. Ich hatte von „rainbow waterfalls“ gelesen und mich über einen netten Küstenwanderweg informiert aber brauchte natürlich das Auto, um dorthin zu kommen (gerade diese Flexibilität zu haben, war der Grund, nochmal ordentlich Geld in Mietwägen zu investieren). Und – es lief wirklich wirklich gut, viel besser als gedacht. Ich hatte keinerlei Probleme mit dem links halten (immer dran denken „left side is right side and right side is suicide“ oder mein Lieblingsspruch „men go left because women are always right“ (macht beides nur auf Englisch Sinn)). Teilweise konnte ich sogar mit den Kiwis hinsichtlich Geschwindigkeit mithalten, was ich direkt damit gefeiert habe, dass ich mein Handy mit dem Auto verbunden habe und Musik hören konnte. Wer mich kennt, weiß, dass ich wahnsinnig gerne Autofahren und singen verbinde (und wer mich nicht so gut kennt, weiß es jetzt).

So guys, I am still fine. If you ever get the chance – or even if not, then just take it and make it happen – come here. It will definitly change you for the better. And yes, it’s so worth the hassle, the long flights, the time to invest and the uncertainty. To be honest, sometimes it is utterly terrifying but you’re rewarded with a beauty you didn’t even know could exist.

Also Leute, es geht mir immer noch gut. Wenn ihr jemals die Chance bekommt, oder wenn auch nicht, dann nehmt sie euch einfach und tut es – besucht dieses wunderbare Land. Es verändert einen. Und ja, es ist es wert, die Reisezeit, das ganze Geld und die Zeit und die immer vorhandene Unsicherheit. Ehrlicherweise muss ich zugeben, manchmal macht mir dieser Trip unglaubliche Angst aber ich werde mit einer Schönheit belohnt, die ich dieser Welt und diesem Leben schon lange nicht mehr zugetraut habe.

 

 

NZ: Kia ora from the other side

After 2 days of flying around the world extensively, I finally arrived at my destination: Paihia, Northland, New Zealand. There are lots of new impressions to share, making it difficult for me to maintain a structure. It’s 5:30 am in the morning, I’m not yet done with jetlag but 12 hours after two ten-hour-flights doesn’t make it that hard. Sun is scheduled to rise in about 45 minutes and as I am only few hundred meters away from the stunning sea, I will probably use the confusion of my inner clock and get a few sunrise shots.

Nachdem ich 2 Tage lang ausgiebig um die Welt geflogen bin (gibt es eigentlich ein Ziel, was weiter von Deutschland weg sein könnte? Selbst Hawaii sind nur 12 Stunden und dann nochmal 6 Stunden Flug..), bin ich endlich am Ziel angekommen: Paihia im Northland Neuseelands. Ich könnte so viele Eindrücke teilen, totales Chaos in meinem Kopf. Es ist 5:30 früh am Morgen, der Jetlag ist immer noch da aber der Zeitunterschied von 12 Stunden nach zwei Zehn-Stunden-Flügen macht es nicht allzu schwer. Die Sonne geht bald auf und weil ich nur ein paar hundert Eter vm Meer weg bin, werde ich wahrscheinlich die Verwirrung meiner inneren Uhr nutzen und meine Kamera verwenden.

It really seems like paradise here: People are super friendly (got a detailed one to one introduction from the Hertz lady at the car rental – or maybe she noticed that I was completely jet-lagged when I wasn’t able to tell her my phone number in English and felt some sympathy… ) and if you take a domestic flight (like I did from Auckland to pretty Bay of Islands) then there is NO security. You just drop off your bags which hopefully will be xrayed but they don’t care about your hand luggage AT ALL. I love the small propeller planes where only about 80 people fit in (after A380 with 850 people… I mean, come on!) and you get a whole new flight experience (lasting 35 minutes – my shortest flight EVER but will be followed by a 20 minutes flight within the next days. Seems legit not to do the full security package for that actually).

Es fühlt sich wirklich wie das Paradies an: Die Menschen sind extrem freundlich (beispielsweise habe ich eine detaillierte Einführung zum Mietwagen von der Hertz-Dame erhalten – vielleicht hat sie auch gemerkt, dass ich ziemlich k.o. war, als ich meine Handynummer nicht auf Englisch zusammenbekommen habe und hatte Mitleid..) und wenn man innerhalb des Landes fliegt (wie ich von Auckland nach Bay if Islands) gibt es einfach keine Security. Man legt einfach sein Gepäck auf ein Band, was hoffentlich danach gescannt wird, aber das Handgepäck ist denen völlig EGAL. Ich liebe die kleinen Propellermaschinen, in die bloß 80 Leute passen (im Gegensatz zu dem Flug von Frankfurt nach Shanghai im A380, in den einfach mal 850 Passagiere passen… das ist echt Wahnsinn…) und man hat eine ganz andere Flugerfahrung (die bloß 35 Minuten dauert, mein kürzester Flug bisher. Macht eigentlich Sinn, dafür nicht das ganze Securitygedöns durchzuackern).

Aotearoa, which means New Zealand (basically „Country of the long white cloud“) in Maori language, was welcoming me living up to its name: With a long white cloud at sunrise. Stunning. How can something be so pretty? On my few hours layover in Shanghai I screwed the completely overcrowded lounge and got some dumplings and bubble milk tea. When I sat down to have it, I noticed that without being aware of it, I took the exact same way in the airport, finding myself at the same store when I was flying out of Shanghai to Tokyo, back in March this year after a great time in this vibrant city (shoutout to my lovely job that feels a world away by now – I reckon because it is).

Aotearoa, der Name Neuseelands in der Maori-Sprache, wörtlich übersetzt „Land der langen weißen Wolke“, hat mich entsprechend begrüßt: Mit einer langen weißen Wolke bei Sonnenaufgang. Wahnsinn. Wie kann etwas so schön sein? Auf meinem Zwischenstopp in Shanghai, der nur ein paar Stunden duerte, habe ich die ohnehin überfüllte Lounge links liegen gelassen und mir Dumplings und Bubble Tea geholt. Als ich mich im Restaurant niederließ, stellte ich fest, dass ich genau da saß, wo ich im März dieses Jahres, nach einem tollen Aufenthalt in Shanghai auf dem Weg nach Tokio, die Zeit bis zum Flug totgeschlagen hatte (Grüße an meinen wunderbaren Job, der sich anfühlt, als ob er eine Weltreise entfernt ist .. vermutlich weil er das ist. Auf Englisch klingt es irgendwie besser).

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Last one for today, I’m super proud of myself. I remember coming here in 2014, really avoiding to drive a car, let alone after 2 days of travel including 3 flights. But I did it. Got in, kept telling to myself „left, left, left, am I on the left side? Yeahhhhh I am! Why does it feel so natural? Because I am crazy… left, left, left…“ (yes, it works!) and just nailed it. Weird feeling when turning left (THAT CANNOT BE RIGHT!!! OH.. it is… okay… strike!), absolutely no chance of entering the roundabout the wrong way as too much traffic for that and stopping a few times at the left side of the road whenever I was interrupting some impatient Kiwi speeding down his „home circuit“). Hey, I am on the other side of the world without knowing any soul (solo travel rocks!) but – who would have guessed – I can do it. Lesson learned and this goes out to everyone: You’re so much stronger than you think & you can conquer your fear. For me, 1 of the 2 biggest fears on this adventure is done – the other is the skydive coming up in 2 weeks. Stay tuned and remember: You can and you will.

Letzter Absatz für heute, ich bin total stolz auf mich. Ich erinnere mich daran, wie ich hier 2014 her kam, es zunächst vermieden habe, Auto zu fahren und schon mal gar nicht direkt nach zwei Tagen Reisezeit und drei Flügen. Aber ich habe es getan: Ich habe die ganze Zeit vor mich hingemurmelt „links, links, links.. bin ich auf der linken Seite? Jaaaa bin ich! Wieso fühlt sich das so natürlich an? Wahrscheinlich weil ich verrückt bin… links, links, links…“ Es gab einen komischen Moment beim Links abbiegen (Das kann doch gar nicht richtig sein!! Oh Moment.. es ist richtig.. YEAH) und keine Möglichkeit, falsch herum in den KReisel reinzufahren weil doch ordentlich Verkehr war. Und natürlich habe ich ein paar mal links angehalten weil ich die ungeduldigen Kiwis, die ihre Hausstrecke entlang brausen, nicht länger als nötig aufhalten wollte. Oh man, ich bin auf der anderen Seite der Welt, ohne auch nur eine Menschenseele zu kennen (Alleinreisen ist toll!) – aber, wer hätte es gedacht – ich bekomme es hin. An alle, die das hier lesen: Du bist so viel stärker, als du denkst & du kannst deine Angst besiegen. Für mich ist nun 1 von 2 Haupt“ängsten“ auf diese Reise durch, Nummer 2 ist der Fallschirmsprung in zwei Wochen. Schau bald wieder rein und vergiss nicht: Du kannst und du wirst.

 

 

„Angsthase.“

Bis ich mich selbst als solcher bezeichne, habe ich üblicherweise eine längere Gedankenreise in Vorbereitung auf die eigentliche Reise hinter mir. 24-48 Stunden vor dem geplanten Abflug nimmt die Vorfreude in der Regel deutlich ab und es macht sich eine Wolke von negativen Gefühlen breit, hauptsächlich gespeist von der unvermeidbaren aufkommenden Unsicherheit, einem Maß voll „eigentlich ist es hier doch gar nicht so schlecht, wieso woanders hin gehen?“ und garniert mit der guten alten (leichten) Flugangst. Resultierend in „bin ich eigentlich bescheuert“ und unvermittelter Kurzatmigkeit wende ich dann oft die 10-Sekunden-Methode (noch 10 Sekunden länger durchhalten, das ist nicht lange, das ist zu schaffen, also bis 10 zählen und dann nochmal und nochmal…) an. Diese löst fast immer den nötigen Abstand aus, sodass ich mich selbst als „Angsthase“ wahrnehmen kann.  Es gibt für alles eine Lösung und ein Abschied ist zunächst temporär, da muss man gar nicht überdramatisieren und sich fühlen, als sehe man sein Büro zum allerletzten Mal oder dass sämtliche Menschen auch ohne einen zurechtkommen, weil jeder Mensch im Allgemeinen, und meine Person im Besonderen, ersetzbar ist. Dann kann man das fast schon als etwas Positives sehen, weniger Last auf den eigenen Schultern. Sicher bleibt dabei manches ungesagt, wodurch es aber nicht weniger wahr ist. Worte sind manchmal überbewertet, ich präferiere die Fragen. Und in solchen Situationen insbesondere zwei derer (Quote bei Erin Hanson): „What if I fall?“ „Oh, but darling, what if you fly?“ Und dann wieder … 1, 2, 3, 4, 5 …

Portugal – oder Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Portugal – oder Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Am 7. von 10 Urlaubstagen kam endlich der Moment, in dem sich all die Kosten und Mühen gelohnt haben. Kurz davor hatte ich mich noch bei einer Freundin via Whats App darüber ausgelassen, dass der normalerweise immer da ist, dieser Moment, manchmal unerwartet und manchmal total vorhersehbar, aber dass er immer kommt und dass ich mir dadurch sicher sein kann, dass das so richtig war. Ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet, hatte ich mich zunächst in Porto ein paar Tage aufgehalten und war dann über Sintra nach Cascais gereist. Es war überall voll, laut, anstrengend und teilweise viel zu heiß. Und dann stand ich gestern im Küstenort Cascais an der Strandpromenade, sah auf den Ministrand hinunter, das Meer funkeln und die Menschen so vergnügt – und plötzlich war er da, der Moment. Plötzlich war die Energie wieder zurück, diejenige Energie, die mir so gefehlt hatte die letzten Tage, die mich dazu gebracht hat, mich zurückzuziehen, mich nach Hause zu wünschen und das Gefühl zu haben, ich komme mit der ganzen Situation nicht klar.

 

Portugal or just don’t lose it

On vacation day number 7 of 10, finally there was this one moment when all money and energy spent on the trip paid off. Just a few hours ago I complained to a friend via Whats App that usually this moment always comes up sooner or later; sometimes expected and sometimes as a big surprise. But it always comes sooner or later so I can be sure that the trip was worth as the hassle. Actually I didn’t expect it anymore to come up after spending a few days in Porto, Sintra and Cascais. Every city was crowded, noisy, challenging and far too hot (holy guacamole, almost 30 degree in October?!) But when looking out on the sea in Cascais with a view on the miniature beach, the sparkling waves and the relaxed yet happy people – and there it was, that one moment. Suddenly all the travelling and adventure energy came back to myself, lacking it in the past few days yet needed it so much.

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View on the Moorish Casle from Pena Palace

Ich habe bisher einmal einen Urlaub abgebrochen, bin nach ein paar Tagen rund um die Welt nach Hause geflogen, weil es einfach nicht mehr ging. Das ist nun sieben Jahre her, aber auch damals war ich schon am Ende meiner Kräfte, als ich dort landete und ich habe es nicht geschafft. Nun hätte ich nicht um die ganze Erde fliegen müssen, nur knappe 2000 km, aber ich kann sagen, dass ich es nicht einfach nur durchgehalten habe, sondern das Beste daraus gemacht habe. Manchmal läuft es eben nicht so wie man es gerne hätte, gerade dann wenn man alleine unterwegs ist, aber Zeit ist zu wertvoll, als dass man es sich leisten kann, sie damit zu verbringen, sich zu ärgern. Insbesondere wenn man im Urlaub ist. Oder, meiner Meinung nach der bessere Ausdruck, „auf Reisen“.

Up until now, I had decided to terminate one vacation before it ended once. After a few days, I lost faith and basically everything else, booked a flight around the world to get home. This was seven years ago by now, but I was also lacking all the energy I needed for a different country (and in this case, continent). This time, travelling half the world to get home earlier would not have been the case (just about 2000 km) but I can fondly say that not only I hold the line but I made the very best out of it as well. Sometimes it’s just not how you had expected it, especially when you’re travelling solo. But time is far too precious to “look back in anger” (or to be angry in that case). In particular when vacationing – or, using the more appropriate word, travelling.

 

Das war vermutlich das originäre Problem. Ich hatte mir eine Reise gebucht, hatte wohl aber einen Urlaub dringend nötiger. Meine erste Station, Porto, hat sich dann auch nicht durch besonders nette Menschen hervorgetan. Weder im Hostel („I could advise you the best supermarkets with cheap food, but it doesn’t matter, you’re German, you’re rich anyway“) noch im Restaurant, wo man uns Wasser in Rechnung stellte, was wir nicht bekommen hatten und der Pitcher Sangria plötzlich 10 € statt 7 € kostete. „Error on the menu“. Aha. Nach Diskussion wurde das dann wieder von der Rechnung genommen und wir hatten 5 € gespart. Fazit über Porto: Es ist die perfekte Stadt, um sich ordentlich zu betrinken und das auch noch gepflegt und stilvoll, weil man am Fluss Douro ein Wine Cellar nach dem anderen findet und ein Tasting mit 3 Portweinen (min. 19%), was bei knapp 30 Grad schon ordentlich reinhaut, gerade mal mit 7,50 € zu Buche schlägt. Ich hatte mich kurzfristig mit einem Mädel zum Portwein-Tasting getroffen und kam zumindest teilweise in den Genuss. Die Cellars schließen leider schon um 6, ab halb 6 ist kein Tasting mehr zu bekommen. Im Nachhinein war es besser so (und man kann schon um 10 Uhr morgens anfangen, ohne den Hauch eines schlechten Gewissens). Ansonsten würde ich die Stadt für Alleinreisende nur bedingt empfehlen; für ein Wochenende Portwein-Tasting zu zweit oder in einer Gruppe (kann man auch auf einem Schiff buchen) komme ich aber gerne wieder.

But this might have been the real issue: I booked a journey whereas I had actually needed a pure vacation. The first city I stayed in, Porto, did not shine via very gentle people: Neither in the hostel („I could advise you the best supermarkets with cheap food, but it doesn’t matter, you’re German, you’re rich anyway“) nor in the restaurant where we had been billed water that we didn’t have and the price for a pitcher of sangria magically rose from 7 € to 10 € from when we ordered it to we paid for it (“error on the menu” they said. Haha.) All in all, Porto is the perfect city to get totally drunk in style because there are so many wine cellars and prices are usually really good. You can have 3 port wines (at least 19%) for 7,50 €, doing a lot to your body at about 30 degrees outside. I did that with a fellow traveller which was really great. Unfortunately, they close at 6 pm whereas you cannot get any more wine at around 5:30 pm. Probably for the better as you can already start at 10 am without feeling bad about it. In my opinion, Porto is a great destination for a group travel or at least 2, but not necessarily for solo travellers.

 

Was dann den Reisenden auf der Zugfahrt nach Lissabon und weiter nach Sintra begleitet, ist, dass Portugal nicht das reichste Land der EU ist. Viele Häuser sind alt, kaputt oder renovierungsbedürftig, auch in den besten Lagen der Stadt. Das ist die Faszination Reisen, die einen nicht nur andere Länder, sondern auch sein Heimatland anders sehen lässt. Weniger romantisch vielleicht, realistischer auf jeden Fall. Nach den 5 Stunden Anreise ins Bergdorf Sintra freue ich mich über das tolle Preis-Leistungs-Verhältnis meiner exzellenten Unterkunft und überlege schon, ob ich den ganzen Tag im Bett verbringen soll. Dann hätte ich aber den grandiosen Pena-Palace und Gardens verpasst, war wirklich schade gewesen wäre. Praktischer Tipp: Unbedingt mit dem ersten Bus morgens hoch fahren, ansonsten droht die Gefahr, in Touristen zu ersticken (nicht laufen – es ist zwar nicht so wahnsinnig steil wie sie sagen, aber es gibt keine gescheiten Laufwege, sodass man sich um die schmalen Straßen mit Bussen und Autos prügeln muss).

When taking the railway to Lisbon and onward to Sintra, it becomes quite clear that Portugal is not the richest country in Europe. Lots of buildings actually need renovations more or less urgently. I think this is the enlightening part of travelling – you not only get to know another country or city, but you see your home country differently. Maybe this is less romantic to say but much more realistic at least. After a 5 hour travel to Sintra, I enjoy the excellent price-performance-ratio of my hostel and seriously consider to stay in bed the whole next day. But as I wanted to see the great Pena Palace and its gardens, I got up and about there. If you ever get there, make sure to get the first bus in the morning that goes up to the castle (don’t walk – it’s steep but the main problem is, that there are no dedicated ways. You literally have to walk on the narrow street where busses and cars go, and that’s so not fun!)

Weiter mit dem Bus nach Cascais (hier auch bekannt unter „Kaschkaaaaisch“) stelle ich fest, dass das portugiesische Bussystem auch für den unbedarften Ausländer recht einfach zu verstehen ist. Zumindest wo man die Busfahrpläne findet und dass man die Tickets direkt beim Fahrer kaufen kann. Bus 403 schaukelt sich einen zurecht, vielleicht hätte ich nicht hinten sitzen sollen. Die Aussicht auf Cabo de Roca vom Bus aus gefällt so sehr, dass ich am nächsten Tag nochmal dorthin aufbreche, ohne meinen gefühlt 40 Kilo wiegenden Rucksack (kann man einen 20 Liter Trekking Rucksack mit Klamotten, Ultrabook und DSRL Kamera so vollstopfen, dass er so schwer ist?!). Auch hier verlasse ich mich einmal mehr auf den ersten Bus des Tages und werde nicht enttäuscht. Bis auf eine frühe chinesische Reisegruppe, die mit ihren Sandalen dem Asphalt so nah wie möglich bleibt, habe ich die staubigen steinigen Wege und Aussichten derer für mich alleine. Das Thermometer zeigt recht schnell Richtung 30 Grad, sodass ich nicht allzu lange verweile und mir lieber noch ein paar faule Stunden in Cascais gönne. Im Ort gibt es außer Restaurants und Touri-Shops mit Ronaldo-Handtüchern nicht allzu viel zu sehen.

Onward with the bus to Cascais (known under its local name „Kaschkaaaaisch“) I realize that the Portuguese bus system is quite easy to handle also for foreigners. At least you can find the bus schedules pretty easy and as you can buy tickets directly in the bus, it’s simple. Bus 403 is rumbling its way through the crazy narrow streets so come to realize it was not the best option to sit in the back. The view on Cabo de Roca is so beautiful that I decide to return the next day without carrying what feels like my 40 kg backpack (can you actually back a 20 liters backpack so full of clothes, laptop and camera that it becomes THAT heavy???) One more time, I rely on the first bus of the day and I don’t get disappointed. Except of a Chinese tourist group who apparently do not favour to leave the asphalt on the main attraction wearing sandals, I got the dusty sandy ways along the sure to myself. The temperature rises quickly aiming at 30 degrees, so I don’t stay too long to have a few more lazy hours in Cascais. The city itself does not have too much to offer except of shops for tourist with towels where they put Ronaldos’ (CR7) face on it and a ton of restaurants.

 

Schließlich folgt der Aufbruch nach Lissabon, welche schon von der Bahn aus zu beeindrucken weiß. Kurz (oder lange) im Starbucks den nächsten Tag geplant (jaaa internationale Kaffeeketten kann man in Frage stellen, aber free wifi und einen Ort, sich mal gemütlich mit dem Laptop niederzulassen bei >30 Grad ist halt einfach verlockend) geht es dann ab ins Hostel. Man kann hier definitiv nirgends vor 15 Uhr sein Zimmer bekommen, aber das ist echt ok, es entschleunigt und gibt Zeit, sich mit seinen Gedanken und Laptop irgendwo (in dem Falle Patio des Hostels) niederzulassen. Ich mag es sehr gerne, wenn eine Stadt am Wasser liegt und so schöne verwinkelte Gassen hat. Versehentlich bekomme ich in einer Nicht-Touri-Gegend ein Frühstück mit Pastel de Nata und einem Milchkaffee für 2,10 €. Die gute alte Touri Tram 28 führt einen dann doch in ganz nette Ecken. Es fühlt sich an, als würde ich hier nochmal herkommen.

Finally I am heading towards Lisbon which impressed already when arriving at Oriente station via train. I stopped at Starbucks to use their free wifi to plan my remaining time (fair enough to question international coffee chains but they always provide a kind of safe refuge for the usually avid, yet lost solo traveller) before getting into my hostel. You cannot get your room anywhere before 3 pm but that’s ok, you’re travelling so you have a bit of spare time to deal with your thoughts / laptop. I really like when a city is close to water, may it be a river, lake or sea and when the streets are narrow and made of cobblestones. Accidentally I got great breakfast (Pastel de Nata and a coffee) in a very non-touristy area for 2,10 €. In Germany, you don’t even get a sole coffee for that price. The great ancient tourism tram nr 28 is heading to really lovely corners I must say. It feels like I will return to this city.

Dachte ich. Bis ich Bettwanzen in meinem sonst recht gemütlichen Hostel-Einzelzimmer gefunden habe. Die Hostelmitarbeiter haben Fotos gemacht, den Sachverhalt mit dem Manager gecheckt und ich bekomme mein Geld für beide Nächte wieder. Leider kommt „pesticide control“ innerhalb der nächsten 2 Stunden, die wahrscheinlich bestätigen, dass es Bettwanzen sind, was zur Folge hat, dass ich aus dem Zimmer ausziehen muss. Die ganze Stadt ist quasi ausgebucht, nur noch echt teure Unterkünfte übrig; das Hostel schlägt mir welche mit einem schlechten Rating oder ziemlich außerhalb vor. Die temporäre Obdachlosigkeit erscheint weniger erschreckend, als ich mich spontan für ein Upgrade entscheide und das gefühlt 5 Meter breite Bett im Radisson Blu Hotel für Purzelbäume nutze. Dabei lasse ich die letzten 10 Tage mit durchgelegenen Matratzen, lauten Parties bis in die Nacht und Gemeinschaftsbäder mit Haaren und Schimmel Revue passieren. Ich vermisse es. Nicht. Standesgemäß lasse ich mich dann im Taxi zum Bahnhof fahren und trete die Rückreise an; nicht ohne vorher einen ausgiebigen Stopp in der Star Alliances Lounge mit Portwein und Pastel de Nata eingelegt zu haben. Ah, la vie est trop belle.
Daran kann auch die Flugstornierung des Rückflugs, eine zusätzliche Nacht hier und viele Stunden Warterei / Schlafen in Sesseln nichts ändern.

At least I thought that. Until I discovered bedbugs and the blood they leave on the blankets in my apart-from-that-really-nice single hostel room. The staff took photos, called their manager and I got a full refund (I planned to stay for 2 nights and discovered that stuff after 1). Unfortunately, “pesticide control” is meant to arrive within the next 2 hours who will probably confirm that those insects are indeed bedbugs. As a consequence, I have to leave the hostel as they will spray the room and the hostel is fully booked, so are their partner hostels. The staff look up on booking.com and either recommend places with a very basic rating or far away from the city centre. My worry of the temporary homelessness fades away as I spontaneous decide to spoil myself and opt for the giant bed (great somersaults included) a Radisson Blu hotel. Doing that I remember the past 10 days with saggy beds, noisy party locations and shared bathrooms full of stranger’s hairs and mould, sometimes ants. I miss it. NOT. Befitting my new 4 star hotel status, I take a taxi to the train station to travel back to winter-Germany (fair enough, rather autumn…) including an extended stop in the Star Alliances lounge to have port and pastel de nata for the last time. Life’s amazing.
Not even a cancelled flight, one more night in Portugal and lots of hours spent waiting / sleeping in armchairs at the airport can change that.

PS: „Xenia, soll ich es dir aufschreiben?“ Pärchen neben mir bei Starbucks, wohl eher Oberbesserwisser und Schülerin, ruft mir die Vorteile des Alleinreisens wie auf Kommando in Erinnerung. Er verrät ein paar vielleicht nicht so öffentliche Details der deutschen Polizeiarbeit – gehe niemals, auch im Ausland nicht, davon aus, dass dich keiner versteht. Wahnsinn, wie Xenia das durchhält. Säße er mir gegenüber, hätte er schon längst meinen kalten Kaffee Latte im Gesicht, der dann auf das dem blütenweißen Puma T-Shirt tropfen würde. Die wohnen sogar zusammen (vielleicht doch Vater und Tochter?!) Halleluja. Der muss ansonsten ja einen ganz genialen Charakter haben. Er heißt Thomas. Das war ja klar. Sogar ich verspüre Erleichterung, als die beiden aufbrechen und die Schulstunde endet.

PS: „Xenia, do I really need to write it down for you?“ A German couple in Starbucks, whereas they appear more like teacher and student, is showing off all the benefits of solo travelling once more (as if I had asked for it). He mentions a few details about how the German police works that might not be meant to be spread in public – NEVER assume nobody understands you when being abroad. You never know who is sitting next to you! Amazing how Xenia pulls through that lesson. If he had been talking to me, I would have spilled the rest of my cold coffee latte right away in this face from where it would have ruined the perfectly white Puma shirt. Holy …, turns out they even live together! (Maybe father and daughter after all?!) He must have a great character apart from that… his name is Thomas. Of COURSE. I feel tremendously relived when the left and the lesson ended.

Lisbon (131)

PSS: Deutsches Paar, Anfang 40 vielleicht. Er zu ihr „das nimmst du sofort zurück!“ (Leider habe ich nicht gehört, was sie zurücknehmen soll). Sie, schaut eingeschnappt, läuft 5 Meter voraus, „einen Scheiß nehme ich zurück!“ Beziehung im Urlaub sorgt sicherlich für 1000%ige Erholung. Herrlich.

PSS: German couple in their early 40s. He yelling at her “you take that back right now!” (unfortunately I didn’t hear what she should take back). She, looking pissed, walks away about 5 meters when yelling back “I take back a f*!” Must be great to be on vacation with your beloved partner.

Reisen – wieso eigentlich?

Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, wieso ich eigentlich immer wieder wahnsinnig gerne Flüge an (meist) fremde Orte buche, versuche mit 3 Shirts und einem Paar Schuhe (diejenigen, die ich gerade trage) zwei Wochen lang auszukommen und dabei nichts Wesentliches zu reduzieren. Über die letzten Jahre bin ich ein großer Fan von wenig Gepäck geworden. Habe ich vor Jahren noch selbst für 2 Nächte einen 20-Kilo-Koffer gebraucht, reichte dann letztes Jahr ein Handgepäcktrolley für 2 Wochen großzügig aus und jetzt war ich eine Woche mit einem kleinen Daypack Rucksack und meiner Handtasche unterwegs. Und hatte natürlich immer noch viel zu viel dabei: Die Regenjacke habe ich hauptsächlich als Picknickunterlage zweckentfremdet und man braucht nun wirklich keine 3 Paar Socken für 6 Nächte (Klarstellung der Autorin: Ich wasche die Kleidung zwischendurch. Ich laufe nicht, ich wiederhole: NICHT(!) stinkend rum!)

Wird das Gepäck kleiner, steigt der Wohlfühlfaktor bei Reisen (insbesondere wenn man häufiger Hotels wechselt und ohne Auto unterwegs ist) überproportional an. Wer schleppt sich schon gerne zu Tode? Auch wenn Züge keine Nummern haben, denn die Kombination Ziel und Uhrzeit ist zur Identifizierung völlig ausreichen und auch wenn die Gleise – mit Glück – 15 Minuten vorher angezeigt werden, ist das eine recht angenehme Gelegenheit. Natürlich gönne ich mir den Luxus Super-Off-Peak zu reisen (dann wenn kein anderer fahren will, also meistens zwischen 12 und 14 Uhr, kostet dafür auch gerne mal bloß die Hälfte), aber nur weil etwas angenehm ist, heißt es noch lange nicht, dass man es gerne tut.

Also wieso reise ich so gerne?

Erstens: Ich habe festgestellt, ich bin einfach besser auf Reisen. Ich kümmere mich um meinen Kram (Tickets, Hotels, wie man wohin kommt, ganz grob was man wann machen könnte, rechtzeitiger Online-Checkin und vor allem wie ich es mir richtig gut gehen lassen kann) und kann Momente viel besser genießen. Wie oft hatte ich in Asien das Gefühl, dass einfach alles perfekt oder wunderschön oder unglaublich lebenswert ist? Ich habe aufgehört zu zählen. Gerade sitze ich im Zug, die so britische Landschaft rast (eher fliegt, so schnell sind die Züge in Britannien ja nicht) vorbei mit Hügeln, Feldern, die durch Hecken oder kleine Mäuerchen abgetrennt sind und hier und da mal ein Cottage, alles eingerahmt von einem intensiven, satten Grün, was vom Flieger aus regelrecht leuchten wird. Ich trage meine Sonnenbrille im Zug, verschwende Laptopakku um den Bildschirm heller zu stellen, weil dieser Anblick so wunderschön ist, dass er mir Tränen in die Augen treibt. Im Alltag fällt es mir ungemein schwerer, solche kleinen Momente zu schätzen und mich unendlich darüber zu freuen.

Zweitens: Die Freiheit. Wenn ich etwas über mich gelernt habe in 2017, dann dass mir meine Freiheit wahnsinnig wichtig ist. Ich hasse Regeln, ich finde sie überflüssig und langweilig. Ich weiß, dass ein zivilisiertes Zusammenleben ansonsten kaum möglich ist, trotzdem nerven mich Verpflichtungen, Termine oder Mikromanagement. Jeder, der mir genau vorschreibt, wie wann ich was wo zu tun habe, hat es sich schon mal direkt mit mir verscherzt. Auf meinen Reisen kann ich, da größtenteils alleine unterwegs, immer wieder selbst bestimmen, was ich wann wo und manchmal auch mit wem tun möchte. Für die paar Tage in London hatte ich mir eigentlich ein ungefähres Programm überlegt, bis auf ein Theaterticket war aber nichts fix gebucht. Und so habe ich fast nichts von dem Geplanten gemacht, weil ich statt Street Food Market im East End dann doch lieber nach Ladbroke Grove gefahren bin, durch Notting Hill spazierte und mir dann den Kensington Palace Garden angeschaut habe. Am nächsten Tag wollte ich dann lieber zwei Stunden im Hyde Park die Sonne genießen (ich habe noch selten so dichtes Gras gesehen!) anstatt durch Little Venice zu spazieren. Und diese spontanen Planänderungen liebe ich einfach.

Drittens: Die Menschen. Als Solotraveller ist das ein elementarer Teil der Reise. Natürlich fühlt man sich manchmal einsam, wenn abends an einem Sommerabend beispielsweise sämtliche Restaurants von Paaren oder Gruppen gekapert sind und der Kellner fragt „just yourself?“ „hell yeah!“ Lange hatte ich damit ein Problem, alleine essen zu gehen und habe es immer wieder geübt und mich überwinden müssen. Als ich in Brighton aber einen zuckersüßen Italiener (Restaurant, nicht Mensch) entdeckt habe, war es mir egal und um meinen Triumph noch mehr auszukosten, habe ich direkt den Roséwein probiert. Mir hätte nicht egaler sein können, dass er überhaupt nicht schmeckte. Das Kunststück ist, wie ich finde, eine Balance zu finden: Ich habe in der knappen Woche vier spannende Menschen und einen herzallerliebsten Hund kennen lernen dürfen (und ich mag eigentlich keine Hunde!). Einen Briten in London, der für die Regierung hinsichtlich Food Control tätig ist und mich netterweise darauf hingewiesen hat, dass ich von manchen asiatischen Restaurants in Soho doch eher Abstand nehmen sollte. Eine US-Amerikanerin, die mit einem Briten verheiratet und als Lehrerin arbeitet, hat mir spannende Einblicke in beide Kulturen sowie deren Schulsystemen gegeben. Und schließlich meine Airbnb Hosts in Brighton, Tony und Vaughn inklusive Hund Phoebe, deren Haus jedem britischen Klischee entsprach, mir abends ein Glas Rotwein auf der Terrasse mit Meerblick anboten und deren Gästezimmer eine Minibar mit Milch (für den Tee!!) enthielt.

Vielleicht fehlt mir einfach die gesunde Sichtweise auf Deutschland oder zumindest auf den Alltag, auf die Arbeit. Vielleicht werde ich diese Sichtweise nie bekommen und verstehen. Vielleicht ist es auch morgen soweit und ich reise gar nicht mehr.

Ich wüsste nicht, was ich dafür oder dagegen tue, aber ich weiß, dass ich einfach glücklicher bin auf Reisen. Dass ich ein besserer Mensch bin, offener, freundlicher, lebenslustiger, optimistischer. Bis sich das ändert, bleibt mir eigentlich gar nichts anderes übrig, als mehr von dem zu tun, was mich glücklich macht.